NEXUS Magazin: http://www.nexus-magazin.de/artikel/lesen/die-weltherrschaft-der-datenzentren-weg-in-eine-dystopische-welt-2035
Bis 2035 könnten in den USA die Rechenzentren regieren. Egal, wen das Volk wählt: Wer Sozialleistungen bekommt und wer ins Visier einer Drohne gerät, entscheiden per Algorithmus Palantir, Google und Co. Nördlich von Washington drängen sich die Serverfarmen auf einem 80-Kilometer-Korridor und bündeln rund 70 Prozent des globalen Internetverkehrs, Pentagon und CIA gleich nebenan. Ein Zentrum verbraucht so viel Strom wie 80.000 Haushalte, schafft aber nur 50 bis 100 Jobs. Ein wenig erquicklicher Blick in die Zukunft.
Mit Volldampf in die Technokratie: Das weltweite Wuchern der Rechenzentren ist unumkehrbar und wird kaum hinterfragt, dabei fressen die Bitmonster Ressourcen ohne Ende. Ist Widerstand überhaupt möglich?
Zugegeben: Niemand hat es kommen sehen. Es gab keinen Staatsstreich, keine Panzer auf den Straßen, keine willkürlichen Verhaftungen und keine schicksalhafte Nacht, in der die Verfassung auf den Stufen des Kapitols verbrannt wurde. Stattdessen wurde die Demokratie schleichend durch etwas ersetzt, das stabiler, tückischer und kaum zu erkennen ist: eine Technokratie der Server, Algorithmen und Verträge sowie miteinander verflochtene Vorstände großer Konzerne. Im Jahr 2035 werden wir in einer virtuellen Infrastruktur der Kontrolle leben – und die meisten Menschen ahnen nichts davon.
Ein Datenzentrum ist keine „Cloud“. Die Cloud ist eine Metapher, eine Marketingerfindung, um etwas Angsteinflößendes hinter einem Begriff zu verstecken, der Weichheit und Flauschigkeit suggeriert. Tatsächlich sind Rechenzentren fensterlose Betonfestungen, meist mit der Grundfläche mehrerer Fußballfelder. Ihr Inneres besteht aus endlosen Reihen ununterbrochen surrender Server, von denen jeder einzelne so viel Strom verbraucht wie eine Kleinstadt und genug Hitze erzeugt, dass Plastik schmelzen würde.
Das typische Großdatenzentrum besteht aus:
Die weltweite Datennutzungverdoppelt sich alle zwei Jahre,wofür gigantische Rechenleistungen benötigt werden. Jede Google-Suche, jeder Kauf auf Amazon, jeder Netflix-Stream, jede ChatGPT-Anfrage, jeder Zoom-Call, jede bargeldlose Zahlung, jede Textnachricht und Türklingelkamera, jeder Fitnesstracker, jedes Fahrassistenzsystem, jeder Industrieroboter, jede Militärdrohne und Überwachungskamera – alles wird in Datenzentren verarbeitet.