Die Physiologie des Atmens
Es ist bekannt, dass die Atmung für den Körper eine lebenswichtige Rolle spielt. Ernährung ist ebenfalls äußerst wichtig, und dennoch können wir ohne Nahrung einige Wochen und ohne Wasser einige Tage überleben. Ohne Luft allerdings kann ein normaler Mensch gerade mal drei bis fünf Minuten überleben. Gewöhnlich atmen wir in 24 Stunden 20.000 bis 30.000 Mal.
Der optimale Anteil an Kohlendioxyd in den Lungebläschen beträgt etwa 6,5%. Wenn dieser Prozentsatz aus irgendeinem Grund sinkt (etwa durch Hyperventilation), findet eine langsame, alkalische Reaktion in den Lungen statt, die man respiratorische Alkalose nennt. Im Extremfall, wenn der Kohlendioxydgehalt unter 3% fällt, steigt der pH-Wert auf 8 und der Organismus stirbt. Wenn der Kohlendioxydgehalt sinkt, geht die alkalische Reaktion in der Lunge auf die Blutgefäße über, und die CO2-Konzentration im Blut sinkt ebenfalls. Auch die Nieren versuchen, dieses Ungleichgewicht auszugleichen: Dies wirkt dem CO2-Mangel zwar teilweise entgegen, löst aber eine Kette von Ereignissen aus, die den Aktivitätsgrad und die Wirksamkeit von Vitaminen und Enzymen im Körper herabsetzen – und von diesen Stoffen hängt unsere Energie und Lebensfähigkeit ab.
Wenn Luft in die Lunge eindringt, wandern die in ihr enthaltenen Moleküle durch die Wände der Lungebläschen in die Blutbahn und werden so durch den Organismus transportiert, um das Gewebe mit Nährstoffen zu versorgen. Sauerstoff wird mit Hilfe der Hämoglobinmoleküle (der roten Blutkörperchen) transportiert. Wenn der CO2-Gehalt aufgrund zu tiefer Atmung niedrig ist, wird der Sauerstoff mittels eines chemischen Prozesses fester an das Hämoglobin gebunden, und kann sich nicht so schnell davon lösen. So gelangt nicht genug Sauerstoff ins Gewebe, und es entsteht Sauerstoffmangel, auch Hypoxie genannt.
Zum Körpergewebe zählen auch die Muskeln. Davon gibt es drei Arten:
• quergestreifte Muskulatur, z.B. Bizeps oder Trizeps;
• glatte Muskulatur, wie man sie um die Bronchien herum findet, um Luftgefäße und Blutgefäße, also Arterien und Venen, und als Bestandteil der Darmwand;
• Herzmuskulatur, d.h. Muskelzellen, die darauf spezialisiert sind, sich von allein zusammenzuziehen.
Wie bereits erwähnt, reagiert Gewebe bei Sauerstoffmangel mit Reizung, und glattes Muskelgewebe reagiert mit Zusammenziehen oder Krämpfen. Wenn der CO2-Anteil in den Lungenbläschen nicht sein normales Niveau (6,5%) hat, sondern aufgrund übermäßiger Atmung gesunken ist, wird der Sauerstoff enger an das Hämoglobin gebunden und kann sich nicht so leicht davon lösen um das Gewebe zu versorgen.
Kindern in westlichen Kulturen wird normalerweise beigebracht, dass sie um so mehr Sauerstoff aufnehmen, je tiefer sie atmen. Auch die meisten Erwachsenen glauben daran, ebenso wie an die Nützlichkeit verschiedener Übungen, die die Atmung „vertiefen“ sollen. Es stimmt, dass wir mehr Sauerstoff aufnehmen, wenn wir tief einatmen, die Frage ist aber, wie viel davon dem Gewebe über die Blutbahn verfügbar gemacht werden kann. Diese Verfügbarkeit wird durch den sogenannten Verigo-Bohr Effekt bestimmt, der bewirkt, dass ein niedriger CO2-Gehalt die Verbindung zwischen Hämoglobin und Sauerstoff festigt und so die Sauerstoffversorgung des Gewebes herabsetzt. Erklärtes Ziel der Buteyko-Methode ist es, den Verigo-Bohr Effekt umzukehren.
Zusammenfassend kann man sagen: Sauerstoff wird von der Lunge aufgenommen, wandert ins Blut und wird an die Hämoglobinmoleküle gebunden. Wie schnell er von dort an die Körperzellen weitergegeben wird, um diese mit Nährstoffen zu versorgen, hängt vom Kohlendioxydgehalt in der Lunge ab. Wenn der CO2-Gehalt hoch ist, wird der Sauerstoff effizient weitergegeben. Ist er jedoch niedrig, entsteht Sauerstoffmangel im Gewebe. Sauerstoffmangel beeinträchtigt alle wichtigen Organe, und er wirkt sich besonders auf das Gehirn aus: dort regt er das Atemzentrum an, intensiver zu arbeiten. Bei der Person, die ohnehin bereits zu heftig atmet, entsteht durch diese verstärkte Tätigkeit ein Gefühl der Atemnot. So vertieft sich die Atmung weiter. Dadurch wiederum verstärkt sich der Kohlendioxydmangel in der Lunge.
Diesen Prozess kann man aber umkehren, indem man flacher atmet und so den Kohlendioxydanteil in der Lunge erhöht. Wenn der CO2-Gehalt wieder normal ist, wird auch der Sauerstoff wieder leichter vom Hämoglobin abgespalten und kann Gewebe und Zellen normal versorgen.
Interessanterweise wurde das Konzept der flachen Atmung nur von wenigen medizinische Experten in der westlichen Welt beachtet. Östliche Kulturen hingegen verkünden seit Jahrhunderten, dass es sinnvoll ist, zu tiefes Atmen zu unterbinden und haben Atemkontrolle zu einem Bestandteil einer großen Bandbreite von Übungen für Körper und Geist gemacht, wie etwa der Meditation, Yoga (Pranayama Atmung), Tai Chi, Chi Gong und aus Tibet Judd-Shi.








Kommentare
21. März 2009, 15:30 Uhr, permalink
Richard Friedel
Die Methode nach Buteyko hat sich etabliert. Dass sie trotzdem durch die orthodoxe Medizin kaum empfohlen wird, erklärt uns Prof. Dieter Lenzen, seit 2003 Präsident der Freien Universität Berlin, in seinem Buch "Krankheit als Erfindung" (S.17).
„Die Medizin schützt sich selbst vor Leistungskontrolle, Kritik und Veränderung.
Diese Kritik kann auf die medizinische Forschung zielen, wenn man ihr vorwirft, sie verzichte, unter Umständen unter dem Deckmantel ethischer Argumente oder gesetzlicher Verbote, auf Kontrollgruppen (hier die Buteyko-Fans) solcher Patienten, die mit ihren neuen Methoden und Mitteln nicht behandelt werden. Auf diese Weise werde der nur im Vergleich nachweisbare Erfolg oder besser: der Mißerfolg medizinischer ahe, daß die »Sozialdialekte« in der Medizin zum Ausschluß von Kommunikationsmöglichkeiten für Laien über ihre eigene Krankheit führen.
Wegen der Konzentration der Schulmedizin auf Asthmamedikamente ist ein Standardwerk der Lungenheilkunde zu zitieren nämlich "Pneumologie in Praxis und Klinik", Herausgeber: Rudolf Ferlinz.
Es heißt her am Anfang des 2. Kapitels "Bleiben wir uns aber bewusst, dass auch auf diesem Gebiet der Medizin vieles Tradition, Vermutung und Empirie ist, so dass die biologischen Zusammenhänge sich bei genauerer Nachprüfung ganz anders darstellen mögen." RF.
14. Oktober 2010, 19:29 Uhr, permalink
Iryna Radunska
Ich bin aus der Ukraine, habe vor 22-24 Jahren persönlich an einer Sitzung von Butejko teilgenommen.
Es sollte ein spezielles Heft geführt werden, in dem man alle Atmungs- und Trainingsdetails zu notieren hatte (z.B. Ausatmen und die Luft halten).
Seitdem leide ich immer noch an Asthma, habe aber bei Atemnot immer so geatmet, wie ich es bei Butejko gelernt habe.
Wenn man das Bedarfsspray nicht in der Nähe hat, hilft das schon gut, das Asthma zu kontrollieren, bis das Bedarfsspray gefunden wird (2-3 Minuten).
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