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NEXUS Magazin 18, August-September 2008

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Die indischen Naadi-Palmblattbibliotheken

Ist das Schicksal eines jeden von uns bereits in den uralten Bibliotheken der Naadi niedergeschrieben? Das Ehepaar Donovan über eine Reise, die ihr Leben verändern sollte. Vor allem das des Skeptikers Andrew.

Die Blätter wurden in der Folgezeit je nach Region unterschiedlich aufbereitet, dennoch waren sie immer zwischen 50 und 90 Millimetern dick, wodurch im Allgemeinen Größe und Format der Seite festgelegt waren. Einzig die Blätter längerer Manuskripte wurden nur an einer Ecke zusammengeheftet, damit mehr Seiten hineinpassten. Die Blätter wurden so lange bearbeitet, gerollt und gekocht, bis sie geschmeidig genug waren. Anschließend wurden sie gewaschen und getrocknet, bevor man sie „polierte“, indem man sie mit einem Stein über das Holz der Alstonia Scholaris rieb. Dann stanzte man in jedes Blatt zwei Löcher und fädelte eine Kordel hindurch; dann wurden die Blätter zu „Bündeln“ von 50 bis 100 Blättern zusammengebunden.

Als Schutz wurden an jedem Bündel vorne und hinten dünne Holzbrettchen angebracht. Nun musste nur noch darauf geachtet werden, dass alle Blätter die gleiche Größe hatten und vor Insektenbefall geschützt waren. Dazu presste man sie fest zusammen, schnitt einmal um den Stapel herum und sengte die Kanten mit einem heißen Werkzeug an, bevor man das ganze Bündel in eine hölzerne „Form“ legte und luftdicht versiegelte.

Je nach Wert und Bedeutung, die das „Buch“ für seinen Besitzer hatte, wurden die hölzernen Abdeckungen verziert, gleich ganz aus Elfenbein oder Ebenholz gefertigt oder mit Silber, Gold, Edelsteinen oder Halbedelsteinen, Lackarbeiten oder Perlmutt versehen, deren Gestaltung den Wünschen des Autors oder Kunden entsprach. Angelas und mein „Bündel“ waren nicht so extravagant – für uns genügten einfache hölzerne „Buchdeckel“. Doch auch unsere Blätter oder Ola waren mit der alten tamilischen Schrift* Vatta Ezhuttu beschrieben, bei der alle Buchstaben gleich groß und gleich breit sind und nicht durch Leerstellen oder Interpunktion unterbrochen werden, und die mit einem Ezhutani, einem spitzen Stift, ausgeführt wurde.

Indem man die Bündel regelmäßig mit Pfauenöl einrieb, was die Lebenszeit eines Blattes auf bis zu 300 bis 400 Jahre verlängern kann, wurden sie geschmeidig gehalten und gegen ihre „Feinde“ – Licht, Wetter, Verfärbung, Entfärbung, Insekten- oder Pilzbefall – geschützt. Trotzdem wurde es allgemein üblich, jedes zu stark verfärbte oder verfallene Blatt abzuschreiben und durch ein neues zu ersetzen, wie es beispielsweise zwischen dem 9. und 13. Jh. n. Chr. unter den Königen von Tanjore geschah. Sie verfügten, dass jedes verfallende oder sich zersetzende Blatt von eigens dafür angestellten Gelehrten abgeschrieben und erneuert werden müsse – ein Brauch, der seither von allen Folgedynastien und Völkern, die sich für die Blätter interessierten, beibehalten wurde.

Wenn man also seine Naadi-Lesung hat, sind die Blätter in dem Bündel nicht so alt, wie man vielleicht denkt; möglicherweise sind sie sogar ziemlich neu, aber ganz bestimmt nicht so alt wie die Worte, die auf ihnen stehen. Egal wie alt das Blatt ist, der Wortlaut darauf ist immer noch derselbe wie auf dem ersten Blatt, und jedes Zeichen und jede Silbe sind genauso geschrieben, wie Gott Shiva sie gesprochen hat.

Aus diesem Grund raten wir davon ab, eine solche Lesung im Internet oder per E-Mail durchführen zu lassen. Auch wenn dies auf vielen Seiten angeboten wird, ersetzen sie unserer Meinung nach keinesfalls die Erfahrung, den Vorleser persönlich zu treffen und sich Blatt für Blatt durch den ganzen außergewöhnlichen Ablauf zu arbeiten. Für eine Lesung im Internet muss man sein Wohnzimmer in Adelaide oder Des Moines zwar nicht verlassen. Aber mit ziemlicher Sicherheit verlangt der „Online-Naadi-Vorleser“ Vorkasse, und außerdem muss man einen Fragebogen mit vielen Informationen über sich selbst und die eigene Familie ausfüllen, damit er einem zu gegebener Zeit unter dem Vorwand, er müsse sichergehen, das richtige Blatt gefunden zu haben, ein paar genau dieser Informationen geben kann, nur um einen zu überzeugen … Gehen Sie solchen Angeboten nicht auf den Leim.

Die wahre Naadi-Philosophie erschließt sich nur den Eingeweihten, und nur Wenige können die alten Schriften in Sanskrit, Tamil, Telugu oder anderen Sprachen getreulich lesen und verfügen zugleich über das erforderliche Wissen, die nötige Genauigkeit und Integrität.

Ich weiß, es ist teuer: Aber wenn Sie selbst hinfahren, werden Sie verstehen, was ich meine. Man sollte dem Vorleser vor oder während der Lesung keine Informationen geben (die er ohnehin nicht erwartet); trotzdem erfährt man – genau wie ich – jede kleinste Einzelheit über sich selbst, auch Dinge, die man schon lange vergessen hat. Online geht das nicht.

Angelas Geschichte

Auch wenn Andrew wahrscheinlich sagen würde, dass er bei seinem „noch darüber nachdenkt“, war mein Lebensweg von Vornherein eine spirituelle Reise.

Ich habe die Welt schon immer als ein einziges großes Gemälde betrachtet, daher musste ich die Naadi zwangsläufig um eine „globale“ Lesung der bedeutenden Ereignisse bitten, die in den nächsten zehn bis elf Jahren stattfinden würden, also von 2007 bis 2018.

Dazu wurde ich durch den bekannten Astrologen Dr. B. V. Raman angeregt, der 1950 in The Astrological Magazine of India schrieb:

„Das Kaka Bhujandar Naadi behandelt Themen wie Astronomie, internationale Angelegenheiten, die spirituelle Erhebung der Menschheit und so viele andere Dinge, die die Menschen interessieren. Eine solche Literatur, die vor tausenden von Jahren entstanden ist und sich auf gegenwärtige und zukünftige internationale Probleme bezieht, muss man einfach bewundern.“

Dr. Raman gab auch einen Auszug aus einer Lesung aus dem frühen 20. Jahrhundert wieder:

„Der Einheimische wird in einer heiligen Stadt an der Küste des Ozeans geboren werden. Mit 20 Jahren wird er in ein fremdes Land gehen. Seine Mutter wird sterben, wenn er 22 Jahre alt ist, und er wird nicht da sein. Mit 13 Jahren wird er heiraten. Mit 32 wird er Anwalt sein. Er wird immer die Wahrheit sagen und ein reines Herz haben. Seine Gedanken, Worte und Taten werden eins sein. Bevor er 65 Jahre alt ist, wird er den König der Weißen treffen. Er wird für das Gute in der Welt fasten. Er wird über 70 Jahre alt werden.“

Das war ein Auszug aus Mahatma Gandhis Blatt!

 

Kommentare

12. Mai 2009, 17:01 Uhr, permalink

Martina Lewerenz

Ich würde gerne wissen, was für mich in der Bibliothek steht, aber ich kann mir eine solche Reise nicht leisten.
Kriegt man die Antworten auch per E-Mail oder so?

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