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NEXUS Magazin 46, April-Mai 2013

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Gesundheitsrisiken „intelligenter“ Stromzähler

Mit Metersdem vermehrten Einsatz intelligenter Stromzähler, sogenannter Smart Meters, nehmen auch Berichte über deren Einfluss auf den menschlichen Organismus zu. Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Tinnitus, um nur die häufigsten zu nennen, scheinen von der Hochfrequenz-Abstrahlung der Geräte verursacht zu werden. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Entwicklungen rund um das Thema, im Mittelpunkt steht die aktuelle Situation in Australien.

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Einführung der Smart Meters in Australien

Das Council of Australian Governments (COAG) empfahl in seiner nationalen Reformagenda für die Energiepolitik des Staates den schrittweisen Austausch analoger Stromzähler, um diese durch digitale Smart Meters zu ersetzen. Die im Zuge dessen beworbenen Geräte sollten drahtlos mit einem intelligenten Stromnetz in Verbindung stehen und Stromanbietern sowie Endkunden bessere Einsicht und mehr Kontrolle über den Energieverbrauch gewähren. Geplant war, die Beschlüsse ab dem Jahr 2009 umzusetzen. Bis jetzt (1. Quartal 2013) haben sich lediglich die Bundesstaaten New South Wales und Victoria der Markteinführung der neuen Geräte verpflichtet.1

[Auch die Europäische Union empfiehlt derzeit die Installation von Smart Meters. In Deutschland sind intelligente Stromzähler in Neubauten und Totalsanierungen einzusetzen, eine Nachrüstung in bestehenden Haushalten wird nicht vorgeschrieben. Die Zusatzfunktion der Fernauslesung ist hierzulande in keinem Fall gesetzlich verpflichtend. Siehe § 21b EnWG; http://tinyurl.com/afl6cfc; Anm. d. Red.]

Die australischen Befürworter der neuen Technologie führten mehrere Gründe für die obligate Einführung der Smart Meters an. Endabnehmer könnten mithilfe der intelligenten Stromzähler Energieverbrauch und damit auch -kosten reduzieren, so das Hauptargument. [Die neuen Stromzähler scheinen sich allerdings nur für Anbieter, nicht für Verbraucher als intelligent zu erweisen. Die behördliche Onlinequelle ist mittlerweile nicht mehr verfügbar, die Information über gesteigerte Kosten nach Einführung der Geräte findet sich jedoch in der englischsprachigen Wikipedia, siehe http://tinyurl.com/az6vcgu; Anm. d. Red.]

Weiteres Ziel der Kampagne von COAG ist es, Millionen vorhandener Haushaltsgeräte durch neue, energieeffiziente Modelle zu ersetzen. Auf den intelligenten Herd, Kühlschrank und Co. könnte dann weltweit per Smartphone zugegriffen werden. Daten über den Energieverbrauch und Nutzungsprofile würden währenddessen in Echtzeit zurück an den Energieversorger gesendet.

Vor kurzem kamen intelligente Kühlschränke auf den Markt, die über ein sogenanntes Lebensmittel-Management-System verfügen. Mit dessen Hilfe lassen sich Produkte im Gerät sowie deren Ablaufdaten auf einem Smartphone abrufen. Lebensmittel, die für gewisse Rezepte fehlen, erkennt das System selbsttätig und setzt sie auf die digitale Einkaufsliste.2 Ein weiteres Beispiel der neuen intelligenten Haushaltsgeräte stellen Staubsauger dar, die über eine Überwachungskamera verfügen und via Smartphone ferngesteuert werden können.3 [Das Attribut „intelligent“ scheint auch vor Alltagsobjekten frei von komplexer Elektronik keinen Halt zu machen. Einsatz findet es oft nur, um das weniger werbewirksame „drahtlos“ abzulösen. Ein Beispiel sind Fenster, die künftig zu Sendeverstärkern umfunktioniert werden sollen, siehe http://tinyurl.com/aq55tc4; Anm. d. Red.]

Die Kontroverse in Victoria

Am 17. Mai 2012 veröffentlichte Energy Safe Victoria (ESV) einen Berichtsentwurf zur Sicherheit im Umgang mit Smart Meters. Das Schreiben mit dem Titel „Safety of Advanced Metering Infrastructure in Victoria“4 wurde als Reaktion auf sich häufende Bedenken über die verpflichtende Einführung der Geräte verfasst. Obwohl das Dokument scheinbar Fragen zur Sicherheit der intelligenten Stromzähler beantworten soll, wurde denkbaren Gesundheitsrisiken so gut wie keine Aufmerksamkeit geschenkt. [Neben den gesundheitlichen Bedenken werden bezüglich der Sicherheit auch jene Stimmen lauter, die auf die simple Hackbarkeit der Smart Meters hinweisen, d. h. Manipulierbarkeit durch Dritte. Siehe http://tinyurl.com/cksakdk (Vortrag auf Englisch); Anm. d. Red.]

Die Auswirkungen auf die Gesundheit lägen laut ESV „außerhalb der detaillierten Betrachtung“ des Berichts und seien von anderen Behörden wie der Australian Communications and Media Authority (ACMA) zu beleuchten. Die ACMA ist unter anderem für die Einhaltung der Belastungsgrenzen in bzw. durch Informations- und Telekommunikations-Technologie verantwortlich. Die zulässigen Emissionswerte, auf die sich die ACMA bezieht, werden wiederum von der Australian Radiation Protection and Nuclear Safety Agency (ARPANSA) festgelegt.5

Mit den Verweisen auf fremde Zuständigkeitsbereiche bleibt das Wesentlichste unerwähnt: die gänzliche Nichtexistenz adäquater Richtlinien. So befasst sich die ARPANSA lediglich mit dem Schutz vor Wärmestrahlung (Erhitzung von Gewebe) aus hoch-intensiven Quellen, nicht mit möglichen kumulativen Auswirkungen niedrig-energetischer Belastungen.6 Zu behaupten, alle gesundheitlichen Bedenken seien wissenschaftlich widerlegt und damit vom Tisch, ist schlicht falsch.

Sich mehrende Berichte von Bürgern, die kurz nach dem Einbau eines Smart Meters erkrankten, lassen auf das Gegenteil schließen. Die Betroffenen klagen dabei über Schlaf-, Konzentrations- sowie Sehstörungen, Druckgefühle im Kopf bzw. Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme, Bluthochdruck, Tinnitus, Nervosität, Angespanntheit, überhöhte Reizbarkeit, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Hautausschläge, grippeähnliche Symptome, veränderte Menstruationszyklen und Verhaltensänderungen bei Kindern.7 Sind die Geräte besonders nahe zu den jeweiligen Schlafplätzen der Leidtragenden installiert, so scheinen sich die Symptome besonders stark zu manifestieren. Derartige Berichte beschränken sich nicht nur auf den australischen Bundesstaat Victoria, sondern sind auch aus den Vereinigten Staaten8, 9 und Kanada10 bekannt, wo intelligente Stromzähler bereits seit längerer Zeit eingesetzt werden. In Europa ist es hingegen noch zu früh, um auf empirische Daten zurückgreifen zu können.11

Trotz der zahlreichen öffentlichen Aufforderungen an ESV (auch meinerseits), sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen auseinanderzusetzen, blieb die Behörde in ihrem Abschlussbericht vom 31. Juli 2012 bei ihrer Aussage: „Smart Meters sind ungefährlich“. Themen wie Gesundheit oder Strahlenemission suchte man im Dokument vergeblich. Der Abschnitt 3.6 mit dem Titel „Senden Smart Meters Strahlung aus oder sondern toxische bzw. schädliche Chemikalien ab? (Do smart meters emit radiation or other toxic or harmful chemicals?) wurde im finalen Bericht zu „Sondern Smart Meters toxische bzw. schädliche Chemikalien ab?“ (Do smart meters emit toxic or harmful chemicals?). Das Wort Strahlenemission wurde einfach aus der Fragestellung gestrichen.12

Kommentare

09. März 2014, 17:07 Uhr, permalink

Matthias

Man muß hier zwei Dinge unterscheiden:
1. Das Smart Meter selbst
2. Die Datenübertragung zwischen Smart Meter und Energieversorger oder Kunde. Dafür kann es ein separates Modul geben oder es kann ins Smart Meter integriert sind.

Das Smart Meter selbst enthält einen Mikroprozessor sowie eine Möglichkeit, Spannung und Strom zu messen, für den Strom üblicherweise einen kleinen Meßtransformer. Es würde mich wundern wenn dieser Teil stärkere Störungen verursacht als andere kleine elektronische Geräte.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Technologien, mit denen die Daten von "Smart Metern" zu Energieversorger und Kunde transportiert werden können. Dazu gehören GSM (Handynetz), das Stromnetz des Energieversorgers (ähnlich PowerLine-Netzwerk) oder in den Räumlichkeiten des Kunden Kurzstreckenfunk wie Bluetooth, ZigBee, WLAN, PowerLine oder spezielle Protokolle wie MBus. Höchstwahrscheinlich muß zwischen diesen verschiedenen Übertragungsverfahren streng unterschieden werden, wenn man über Störungen durch Smart Meter spricht. Es ist bedauerlich, daß er Artikel auf diesen Punkt nicht eingeht, sondern verallgemeinert.

21. Januar 2015, 15:24 Uhr, permalink

Regen

Ich kenne so ein Meter mit einem eingebauten GSM-Modul. Wer gesundheitliche Bedenken hat, sollte dann auch grundsätzlich auf Handy, Schnurlostelefon und WLAN zu hause verzichten.-

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