Mit den Verfolgern dicht auf den Fersen, blieb ihnen also keine andere Wahl, als zurück zum Stützpunkt zu gelangen, um ihren Vorgesetzen von ihren Entdeckungen zu berichten. Es gelang ihnen, zu fliehen, aber der Winter stand vor der Tür, und die Aussichten, herausgeholt zu werden, waren schlecht. Sie hätten es für ihre Pflicht gehalten, das Wissen über den geheimen Nazi-Stützpunkt weiterzugeben; also trennten sie sich, jeder mit einem Funkgerät ausgerüstet, und warteten in verschiedenen Bunkern. Einer der beiden Männer lockte einen der Polarmenschen in den Bunker, in der Hoffnung, den Eindruck zu erwecken, nur einer habe überlebt. Der Plan funktionierte zwar, aber er kostete ihn das Leben, und auch das Funkgerät sei zerstört worden.
Leider hatte dieser tapfere Soldat in Bunker Eins das einzige wirklich voll funktionsfähige Funkgerät bei sich gehabt, und der andere Überlebende hatte nun keine andere Wahl, als auf Hilfe zu warten und dabei zu versuchen, nicht vollkommen verrückt zu werden.
Das Rätsel um die Polarmenschen wurde erklärt – wenn auch nicht wirklich befriedigend, und zwar als Produkt wissenschaftlicher Experimente der Nazis. Und auch die Frage, wie die Nazis die Energieversorgung aufrechterhielten, wurde beantwortet, wenn auch nicht wissenschaftlich erklärt. Die Energie habe von Vulkanen gestammt, von denen sie genug Hitze erhielten, um Dampf zu produzieren, was auch als Erklärung für die Produktion einer gewissen Menge an Strom diente; allerdings hätten die Nazis offensichtlich noch eine unbekannte Energiequelle beherrscht, denn der Überlebende behauptete: ‚...nachdem was ich sah, kann die Menge an Strom nicht nur mit Dampf produziert worden sein‘.
Unser Wissenschaftler nannte das meiste von dem, was der Mann uns erzählte, Unsinn und warf ihm mangelnde wissenschaftliche Kenntnisse vor und stellte sich auf den Standpunkt, dass diese Geschichte ‚wohl kaum wahr sein‘ könne. Doch obwohl der Wissenschaftler den Bericht des Überlebenden abtat, glaubte ihm der Major. Er wollte mehr über den Feind wissen, mit dem wir es da zu tun hatten, aber in erster Linie interessierte ihn im Augenblick, was der Polarmann wohl als nächstes tun werde. Die Antwort war keineswegs beruhigend und veranlasste den Wissenschaftler, den Überlebenden endgültig für verrückt zu erklären. Jedenfalls ist „beunruhigt“ eher eine zu schwache Beschreibung dafür, wie wir uns fühlten, als der Mann auf die Frage des Majors bezüglich der Absichten des Polarmanns antwortete: ‚Er wird abwarten, uns beobachten und sich dabei fragen, ob wir wohl anders schmecken werden.‘
Daraufhin erteilte der Major sofort den Befehl, Wachen aufzustellen, und er beriet mit dem Wissenschaftler unter vier Augen, was als nächstes zu tun sei, obwohl uns anderen das längst klar war. Am nächsten Morgen erhielten wir dann den Befehl, ‚den Tunnel zu untersuchen‘, und die nächsten 48 Stunden verbrachten wir damit, uns zu diesem trockenen Tal, und in Richtung des angeblichen „alten Tunnels“ zu bewegen. Als wir im Tal ankamen, waren wir sehr erstaunt: Man hatte uns gesagt, dass die Antarktis vollkommen mit Eis bedeckt sei, doch hier waren wir in einem Tal, das mich eher an die nordafrikanische Sahara erinnerte. Wir durften nicht einmal in die Nähe des Tunnels, bis ein provisorisches Basiscamp errichtet worden war; und während wir das Camp errichteten, untersuchten der Major und der Wissenschaftler den Tunnel.
Nach einigen Stunden kehrten sie in das nun fertige Lager zurück, um zu berichten, was sie gesehen hatten und ihre weiteren Pläne mitzuteilen. Bei dem Tunnel handle es sich keinesfalls, wie behauptet, um eine uralte Passage, sagte der Wissenschaftler. Aber der Major fügte hinzu, die Wände seien aus glattem Granit und sähen aus, als gingen sie endlos weiter. Man sagte uns, wir sollten uns selbst ein Bild machen, nachdem wir uns in der Nacht ausgeruht hätten.
Im arktischen Sommer bei ständigem Tageslicht zu schlafen, war sowieso schon schwierig; aber in dieser Nacht war es noch schwieriger, denn wir alle dachten an das, was uns bevorstand und fragten uns, wo und wann wir dem Polarmenschen wieder begegnen würden.
Kurz bevor die Wache eingeteilt wurde, sagte man uns noch, dass wir dem Tunnel bis zu Ende folgen würden – „… wenn es sein muss, bis zum Führer“.
In dieser Nacht wurden unsere Befürchtungen dann noch wahr, denn der Polarmann kehrte tatsächlich zurück. Diesmal gab es jedoch keine Opfer (auf unserer Seite) zu beklagen, denn der Polarmann wurde getötet, nachdem wir ihn ins Camp lockten. Der Wissenschaftler entschied, dass der Polarmann „menschlich“ sei, allerdings war er offensichtlich in der Lage gewesen, mehr Haarwuchs zu produzieren und der Kälte viel besser standzuhalten. Nach einer kurzen Untersuchung wurde sein Körper in einem Leichensack verstaut, wo er aufgrund der Kälte gut erhalten bleiben würde, bis Zeit für eine gründlichere Untersuchung war.
Am nächsten Morgen wurde beschlossen, dass zwei Männer mit dem Leichnam, den Fahrzeugen, der Ausrüstung und vor allem dem Funkgerät am Tunneleingang zurückbleiben sollten. Der Major, der die Expedition leitete, brauchte den Norweger und den Wissenschaftler wegen ihrer Fachkenntnisse; auch der Überlebende war für den Erfolg der Mission unerlässlich. Der Rest von uns wollte mit ihnen gehen. Ich selbst wurde zusammen mit vier anderen Glückspilzen ausgesucht, an einer der aufregendsten und möglicherweise wichtigsten Expeditionen der Menschheitsgeschichte teilzunehmen.
Die zwei, die zurückbleiben mussten, waren enttäuscht, aber ihre Aufgabe war genauso wichtig für den Erfolg der Mission wie die der neun, die ins Unbekannte aufbrechen würden.
Während wir neun uns vorbereiteten, achteten wir darauf, genug Munition und Sprengstoff mitzunehmen, um notfalls einen kleineren Krieg zu führen und den Stützpunkt hoffentlich vollständig zu zerstören, denn das war unsere Mission: nicht zu retten, sondern zu zerstören.
Wir brachen in die Dunkelheit auf, und nach etwa vier Stunden begannen wir, in der Ferne einen Lichtschimmer auszumachen. Das Licht war jedoch noch eine Stunde entfernt; vorsichtig bewegten wir uns vorwärts, und jeder von uns machte sich dabei Gedanken darüber, was uns am Ende des Tunnel erwarten würde.
Schließlich erreichten wir die riesige, künstlich beleuchtete Höhle. Der Überlebende führte uns zu der Stelle, wo sie Zeugen der Exekutionen geworden seien. Er betonte, sie sei so verborgen gelegen, wie man es sich nur wünschen könne.
Als wir die gesamte Höhlenanlage überblicken konnten, waren wir beeindruckt von der großen Anzahl an Menschen, die dort wie Ameisen umherwimmelten, aber am bemerkenswertesten waren die riesigen Ausmaße der Konstruktion. Es sah alles so aus, als seien die Nazis schon lange Zeit auf Antarktika gewesen. Der Wissenschaftler notierte so viel er konnte, zeichnete Diagramme, sammelte Gesteinsproben und machte auch einige Fotos. Der Major interessierte sich mehr dafür, wie man den Stützpunkt zerstören könnte, ohne von den Nazis dabei erwischt zu werden.






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