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NEXUS Magazin 2, Januar-Februar 2006

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Großbritanniens geheimer Krieg in der Antarktis, Teil 1

Gegen Ende des 2. Weltkriegs schickte Großbritannien Soldaten in geheimer Mission in die östliche Antarktis, wo sie in der Nähe des verborgenen Stützpunkts Maudheim einen unterirdischen Zufl uchtsort der Nazis ausfi ndig machen und zerstören sollten.

Kapitän Wilhelm Bernhard, der die U-530 befehligt hatte, sagte, sein Boot sei im Rahmen der Operation Walküre-2 am 13. April 1945 Richtung Antarktis aufgebrochen. Im Verhör gestand er den Kern seiner Mission: Offensichtlich waren 16 Crewmitglieder an Land gegangen und hatten zahlreiche Kisten abgeladen, in denen sich anscheinend Dokumente und andere Objekte des Dritten Reichs befunden hätten. Heinz Scheffer, der Kapitän von U-977, behauptete ebenfalls, sein Boot habe Gegenstände aus Deutschland verbracht. Weniger glaubwürdig ist allerdings die Behauptung, das U-Boot habe die sterblichen Überreste von Hitler und Eva Braun zum Südpol an Bord gehabt, und auch andere Theorien, die behaupten, der Heilige Gral oder der Speer des Schicksals seien ebenfalls in die Antarktis transportiert worden, verschleiern nur die Wahrheit.

Was die Aussagen der beiden Kapitäne untermauert, ist die wenig bekannte Tatsache (die am 16. Januar 2003 in der Prawda stand), dass der Geheimdienst 1983 einen vertraulichen Brief von Kapitän Scheffer an Kapitän Bernhard abfing. In diesem Brief beschwört Scheffer Bernhard, bei seinen Memoiren nicht zu sehr ins Detail zu gehen, und er äußert seine Absicht, die Welt nie die Wahrheit wissen zu lassen:

„Wir haben alle geschworen, das Geheimnis zu wahren; Wir haben nichts Unrechtes getan: wir gehorchten nur den Befehlen und kämpften für unser geliebtes Deutschland und sein Überleben. Bitten denken Sie noch einmal darüber nach; ist es nicht besser, alles als Legende abzutun? Was wollen Sie mit ihren Enthüllungen erreichen? Bitten denken Sie darüber nach.“7

Ein anderes ungelöstes Rätsel ist das der Ladung Quecksilber, die sich an Bord von U-859 befand, das am 23. September 1944 von der HMS Trenchant, einem U-Boot der Royal Navy, in der Meerenge von Malakka versenkt wurde – weit weg von zu Hause und mit einer ungewöhnlichen Ladung, die man auch als Energiequelle nutzen kann. Die Überlebenden verrieten denjenigen, die sie aufgriffen, was sie geladen hatten, und dabei handelte es sich bestimmt um Informationen, die den Geheimdienst aufhorchen ließen, als man sie ihm mitteilte.

U-859 war kein Einzelfall. Viele deutsche U-Boote waren überall auf der Welt im Einsatz; viele versorgten Japan während des Kriegs und seltsamerweise auch noch nach der Kapitulation. Im Juli 1945 lieferte ein U-Boot ohne Kennzeichen, vermutlich Teil eines geheimen Konvois, der japanischen Forschungs- und  Entwicklungseinheit eine neue Erfindung. Die Japaner bauten das Gerät zusammen und aktivierten es. Es stieg in die Luft, ging dort aber unkontrolliert in Flammen auf. Man wagte nie wieder, es zu bauen.

Die britische Marine, die bereits viele der deutschen U-Boote, die sich in Norwegen ergeben hatten, in ihren Besitz gebracht hatte, wusste, dass noch viel mehr von ihnen entkommen waren; insbesondere, wenn die Geschichte stimmte, die in der lateinamerikanischen Presse verbreitet wurde, nach der ein deutscher U-Boot Konvoi die ihn angreifenden britischen Zerstörer vollkommen vernichtet habe. Am 2. Mai 1945 behaupteten El Mercurio und Der Weg, dass die letzte Schlacht zwischen der deutschen Kriegsmarine und der Royal Navy von den Deutschen gewonnen worden sei, und dass diese Nachricht in der westlichen Presse zurückgehalten worden sei, aus Angst, den Widerstand der Deutschen neu zu entfachen. Es hieß, nur ein einziger Zerstörer sei davon gekommen, und der Kapitän habe danach gesagt: „Gott steh mir bei, dass ich nie wieder einer solchen Macht entgegentreten muss“.8

Obwohl die Geschichte zurückgehalten wurde, und obwohl die britische Regierung dieses Ereignis nie bestätigte, gehen unter ehemaligen Soldaten Gerüchte darüber um – aber leider meistens ohne Substanz.

Die verschwundenen U-Boote sind Teil des Antarktis-Puzzles; Großbritannien setzte es Teil für Teil zusammen, seit die Nazis Admiral Ritscher zum ersten Mal auf seine Polarexpedition geschickt hatten, die von der Thule-Gesellschaft gesponsert worden war. Und mit Hilfe des britischen Nachrichtennetzwerks – des SOE (Special Operations Executive) und des SIS (Secret Intelligence Service) – das den Alliierten im Krieg mit Hilfe der Enigma-Maschine9 alle Informationen beschafft hatte, entstand langsam ein vollständiges Bild.

Ein gutes Beispiel für die exzellente Arbeit des britischen Geheimdienstes ist, wie viel Großbritannien über das geheime Atomwaffenprogramm der Nazis wusste, was wiederum der Royal Air Force half, die geheime Heeresversuchsanstalt in Peenemünde auf der Insel Usedom zu bombardieren. Die Deutschen konnten sich nicht erklären, wie die Engländer davon gehört haben konnten, ganz zu schweigen davon, wie sie in der Lage waren, sie zu bombardieren.

Endnoten

  1. Pressemitteilung von Admiral Byrd, 12. November 1946
  2. El Mercurio, 5. März 1947; Admiral Byrd im Interview mit Lee von Atta
  3. Der Bericht eines ehemaligen britischen SAS-Offiziers über die Neuschwabenlandkampagne.
  4. Le Monde, 18. Juli 1945
  5. Hart, Basil Liddell, History of the Second World War, Cassell, London, S.410.
  6. ibid.,S.411
  7. Prawda, 16.Januar 2003. Zitat aus einem vertraulichen Brief von Scheffer an Bernhard. Der Brief, der auf den 1.6. 1983 datiert ist, wurde, so behauptet eine Quelle, vom Geheimdienst der DDR abgefangen, und zwar auf Geheiß der UdSSR.
  8. Der Kapitän, der in El Mercurio und in Der Weg zitiert wird, wurde nie beim Namen genannt, und die britische Marine hat sie nie bestätigt.
  9. Die Nachrichtendienste leisteten wertvolle Arbeit für die Alliierten, vor allem, nachdem man am 9. Mai 1941 eine Enigma-Maschine zusammen mit Dechiffrierungsdokumenten sicherstellen konnte. Das deutsche U-Boot U-110 wurde von der HMS Bulldog und der HMS Aubretia der 3. Eskorte aufgebracht. Die Deutschen bemerkten nie, dass die Briten ihren „unknackbaren“ Code geknackt hatten. Es war genau dieser glückliche Fang, der das Bild vervollständigte und das Puzzle komplettierte, so dass die Briten die Möglichkeit eines Nazistützpunkts in der Antarktis ernst nahmen, bevor andere es taten.

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