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Bei welchen Krankheiten hilft Cannabis?

cannaIn den vergangenen 15 Jahren, in denen ich zu cannabinoidbasierten Gesundheitswissenschaften geforscht und geschrieben habe, ist eine Erkenntnis klarer geworden als fast jede andere: Cannabis und cannabinoidbasierte Therapeutika wirken bei so vielen Menschen so gut, weil sie die körpereigene Fähigkeit zur Selbstregulation und Heilung stärken.


Wenn man den Lärm ausblendet – Marketing, Mythen, politische Altlasten, moralische Panik –, bleiben zwei grundlegende therapeutische Qualitäten übrig: Wenn Cannabis jemandem nachhaltig und sinnvoll hilft, liegt das (1) meist daran, dass es dem körpereigenen System ermöglicht, aus einem stressgetriebenen Überlebensmodus in einen Zustand physiologischer Regulation zurückzufinden, und (2) daran, dass es die Wiederherstellung der Homöostase unterstützt, jenes zellulären Gleichgewichts über Organsysteme hinweg, das wir meist erst bemerken, wenn wir es verloren haben.

Diese beiden Qualitäten sind essenziell für die Heilung. Und sie können sich nicht entfalten, wenn das Nervensystem in sympathischer Dominanz gefangen ist – im allgegenwärtigen Kampf-, Flucht- oder Erstarrungsmodus, in dem heute so viele Menschen leben, ohne es überhaupt zu merken.

Heilung geschieht nicht bei zusammengebissenem Kiefer, angespanntem Zwerchfell oder angehaltenem Atem. Sie geschieht, wenn der Vagusnerv (der zentrale Entspannungs- und Regulationsnerv des Körpers) aktiviert wird, wenn der Körper endlich die Erlaubnis erhält, sich zu entspannen, und wenn ein fühlbares Sicherheitsgefühl ins System zurückkehrt.

Über diese allgemeinen regulatorischen Effekte hinaus mildert Cannabis mehrere der biologischen Grundbelastungen, die viele chronische Erkrankungen gemeinsam haben: (3) Entzündungen, (4) oxidativen Stress (eine Form von Zellbelastung durch überschüssige freie Radikale), (5) anhaltende Schmerzen, (6) die emotionale Last, die Schmerz mit sich bringt, sowie (7) den schleichenden Verlust an Lebensqualität. Wenn sich all diese Faktoren – selbst nur leicht – verschieben, wird das gesamte System heilungsfähiger.

Diese sieben übergeordneten Wirkungen waren für Forscher der US-amerikanischen National Institutes of Health überzeugend genug, um festzustellen, dass „die Modulation der Aktivität des Endocannabinoid-Systems ein therapeutisches Potenzial bei nahezu allen den Menschen betreffenden Erkrankungen haben könnte.“¹

Eine gewagte Aussage – und doch hält sie der Betrachtung der Daten stand.

Erfahrungen aus erster Hand

Mein erstes wirkliches Wissen auf diesem Gebiet erwarb ich nicht durch Fachzeitschriften, sondern von Patienten. Mein Interesse an cannabinoidbasierten Therapeutika begann lange vor meiner Beschäftigung mit Rezeptoren, Signalstoffen oder evolutionärer Biologie – nämlich auf den Straßen und in den Kliniken San Franciscos auf dem Höhepunkt der Aidskrise.

In meiner Arbeit beim dortigen Gesundheitsamt fiel mir etwas auf, das ich mir damals nicht erklären konnte: Unter den Aidspatienten, die ich transportierte, stabilisierte und begleitete, gab es deutliche Unterschiede zwischen jenen, die Cannabis verwendeten, und jenen, die es nicht taten.

Es war nicht nur ihr besserer Appetit. Es war nicht nur der tiefere Schlaf. Es war nicht nur die geringere Übelkeit – so wichtig sie auch war. Was mich wirklich berührte, war die Art, wie sie ihr Leiden trugen. Ihre innere Haltung zur Erkrankung war anders. Ihre emotionale Bandbreite war größer. Sie schienen mehr inneren Raum zu haben, um mit dem umzugehen, was in ihnen geschah.

Dasselbe Muster sah ich bei Krebspatientinnen unter Strahlen- und Chemotherapie. In der Notaufnahme, im Rettungswagen und auf onkologischen Stationen begegneten cannabisnutzende Patienten den Turbulenzen oft mit einer anderen inneren Stabilität. Sie gerieten weniger schnell in Panik. Viele von ihnen erbrachen deutlich seltener – oder gar nicht – und konnten essen und ihr Essen sogar genießen, ein auffälliger Unterschied zu Patienten, die kein Cannabis konsumierten und unter anhaltender Übelkeit und Appetitverlust litten.

Auch ihre Entzündungsreaktionen – insbesondere bei Bestrahlung – verliefen anders. Wo sich die unbehandelte Entzündung klassisch durch Rötung, Hitze, Schwellung und tiefe, ziehende Schmerzen zeigt, verliefen diese Reaktionen bei vielen Cannabisnutzern weniger intensiv. Das Gewebe flammte nicht so stark auf. Der Körper schien nicht in dieselbe schwere systemische Überforderung zu kippen.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 123 lesen.

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