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Das Loosh-Mysterium oder Der Mensch in der kosmischen Nahrungskette

Robert Monroe wird als moderner Wegbereiter der Erforschung nichtmaterieller Orte durch außerkörperliche Erfahrungen („Astralwanderungen“) angesehen. Sein erstes Buch, „Journeys Out of the Body“ (Der Mann mit den zwei Leben – Reisen außerhalb des Körpers), erschien 1971. Hier behandelt Monroe das Thema recht methodisch, beinahe „geographisch“. Zusammengestellt aus Kap. 12 von Robert A. Monroe Buchs „Far Journeys“.


Vorbemerkung der Redaktion

Von außerkörperlichen Reisen wird im Verlauf der Menschheitsgeschichte immer wieder berichtet. Erstmalig geht hier aber ein neuzeitlicher Autor die Aufgabe an, die unseren Planeten „umgebenden“ nichtmateriellen Reiche zu dokumentieren. Den Lesern seiner Bücher ist bereits bekannt, dass sich an solchen Orten immer wieder diverse nichtmaterielle Wesen aufhalten. Viele befinden sich gerade „zwischen“ ihren irdischen Lebenszyklen. Einige besuchen diese Orte, wenn sie sich auf Astral­wanderung begeben haben. Andere gelangen dorthin wie Reisende auf einer Fremdenführung. Stellen Sie sich vor, wie Sie auf einer Nil-Kreuzfahrt einen Landgang unternehmen, um die Wunder der ägyptischen Tempel und Ruinen zu besichtigen. Jeder Tourist hat einen Reiseführer, in dem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und die Geschichte des Orts beschrieben sind.

Der Text, den Sie jetzt lesen werden, ist der „Reiseführer“, den nichtmaterielle Touristen benutzen, wenn sie auf ihren Kreuzfahrten zu den merkwürdigen Orten des Omniversums auf der Erde Station machen. Der Ausschnitt setzt nach einem Gespräch zwischen Robert Monroe und einem Touristen („BB“) an. Monroe hatte sich erkundigt, wie die Erde in ihrem Reiseführer beschrieben wird. Nichtkörperliche Reiseführer werden allerdings nicht gelesen – sie werden „erfahren“, „empfunden“ oder „miterlebt“.

Einige von Monroes Ausdrücken bedürfen einer Erläuterung: CLICK! bedeutet soviel wie „Bewusstseinsänderung“. Ident wird als mentaler Name oder als Anrede gebraucht. Beachten Sie, dass der vorliegende Auszug über „Geschichte und Zweck“ der Erde nur bis an die Stelle reicht, an der empfindungsfähige, sich ihrer selbst bewusste Menschen entstehen. Er beschreibt nicht die Entwicklung der Zivilisationen oder die Menschheitsgeschichte als Ganzes.

CLICK! Jemand, Irgendwo (vielleicht beides, millionenfach, oder unzählbar) benötigt, mag, wünscht, schätzt, sammelt, trinkt, isst oder berauscht (sic) sich an einer Substanz ident Loosh … In Irgendwo kommt die Substanz selten vor. Wer Loosh besitzt, sieht es als unverzichtbar an, wofür auch immer es gebraucht wird.

Wegen des Problems von Angebot und Nachfrage (ein universelles Gesetz in Irgendwo), beschloss Jemand, Loosh gleichsam künstlich herzustellen, anstatt in seiner natürlichen Form danach zu suchen. Er beschloss, einen Garten zu erschaffen und Loosh anzubauen.

In natürlicher Form entstand Loosh durch eine Folge von Schwingungsvorgängen im Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus. Das Loosh wurde dabei in verschiedenen Reinheitsgraden erzeugt. Es entstand nur durch diese Vorgänge, und sekundär durch die reaktiven Prozesse. Auf der Suche nach Loosh schwärmten die Erkunder von Irgendwo weit aus. Neue Funde wurden überschwänglich gefeiert und belohnt.

Die Erste und Zweite Ernte

So kam es, dass der Garten des Jemand alles veränderte. Weit entfernt, in einer abgelegenen Gegend, begann Jemand sein Experiment. Zuerst erschuf er einen Lebensraum, der für die Entwicklung des Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus’geeignet war. Sehr sorgfältig achtete er auf Ausgewogenheit, damit Strahlung und Nahrung stets zur Verfügung standen.

Dann versuchte er seine Erste Ernte. Sie erbrachte in der Tat Loosh, doch nur in kleinen Mengen und von geringer Qualität. Zu unbedeutend, um sie ins Innerste von Irgendwo zu transportieren. Zwei Probleme gab es: Die Anbaueinheiten waren zu winzig, und ihre Lebensspanne zu kurz. Ihre Grenzen waren zu eng gesetzt, um gutes Loosh zu erzeugen. Überdies konnte das Loosh nur geerntet werden, wenn die Lebensspanne der Einheiten ablief, und keinen Augenblick früher.

Seine Zweite Ernte fiel kaum besser aus. Er versetzte den Lebensraum der Einheiten in einen anderen Teil des Gartens, der gasförmig statt flüssig war. Hier bildeten die Chemikalien höherer Dichte einen festen Untergrund und waren in der Form verfügbar. Er pflanzte zahllose Einheiten verschiedenster Art. Ihre äußere Form war neu. Einige Arten waren viele tausende Male größer und komplexer, als die simplen einzelligen Anbaueinheiten der Ersten Ernte. Er invertierte den Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus.

Und doch waren im Grunde alle Einheiten gleich aufgebaut. Wie bei der Ersten Ernte pflanzten sie sich in regelmäßigen Intervallen fort und beendeten ihre Lebensspanne automatisch. Um eine ungleiche Verteilung von Chemikalien und Strahlung wie bei der Ersten Ernte zu vermeiden, machte er die Einheiten der Zweiten Ernte bewegungsunfähig. Sie waren so konstruiert, dass sie in ihrem Teil des Gartens verblieben. Dazu erhielten sie Ranken, die sich tief in die dichtere Materie eingruben. Daran angefügt war ein Stiel oder Stamm, der den oberen Teil der Einheit hoch hinaus hob, damit sie ihren Anteil der benötigten Strahlung erhielt. Dieser Teil – ausladend, licht und etwas fragil – war als Umwandler von Kohlenstoff-Sauerstoff-Verbindungen konzipiert. Zusätzlich waren brillante Farbstrahler und kleine Partikelgeneratoren an jeder Einheit angebracht, gewöhnlich nahe der Spitze und symmetrisch zentriert.

Um den Fortpflanzungsprozess zu unterstützen, richtete Jemand Zirkulationsmuster in der gasförmigen Hülle ein, die den Garten umgab. Später erkannte er, dass die turbulenten Effekte auch beim Einbringen der Ernte halfen. Waren sie stark genug, wurden die Einheiten umgeblasen, ihre Lebensspanne beendet, und das Loosh entströmte ihnen. Das war besonders vorteilhaft, wenn ein dringender Bedarf an Loosh außerhalb der Erntezeit bestand.

Trotz allem fiel die Zweite Ernte höchst unbefriedigend aus. Zwar wurden viel größere Mengen gewonnen, doch war das rohe Loosh von so schlechter Qualität, dass sich der Aufwand kaum lohnte. Überdies war die Wachstumsperiode nun zu lang. Etwas Wichtiges fehlte.

Die Dritte Ernte

Jemand schwebte lange Zeit über seinem Garten und beobachtete genau, bevor er den Versuch einer Dritten Ernte wagte. Es war in der Tat eine schwierige Aufgabe. Sicher, ihm war teilweise Erfolg beschieden. Er hatte Loosh angebaut. Doch das Ergebnis seiner Mühen blieb hinter der wilden, unkultivierten Variante weit zurück.

Zweifellos hatte er die Lösung gefunden. Dafür war die Dritte Ernte lebendiger Beweis. Der ursprüngliche Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus musste in den Prozess einbezogen werden. Die Mobilität der Einheiten musste wiederhergestellt werden. Beide Faktoren waren vielversprechend für die Produktion von hochwertigem Loosh. Wenn noch Größe dazu käme, könnte viel erreicht werden.

Diesem Plan folgend entnahm Jemand mehrere Versuchs-Einheiten aus der Ersten Ernte, die noch immer im flüssigen Teil des Gartens gediehen. Er modifizierte sie, damit sie in gasförmiger Umgebung wachsen konnten. Auch adaptierte er sie so, dass sie zunächst Nahrung in den Einheiten der Zweiten Ernte fanden, denen er zu dem Zweck gestattete, sich reichlich zu vermehren. So kam es, dass die Ersten Mobilen entstanden – die Dritte Ernte.

Die Mobilen ernährten sich von den Einheiten der Zweiten Ernte und beendeten dadurch deren Lebensspanne, was Loosh von geringer Qualität entstehen ließ. Endete die Lebensspanne eines der riesigen Mobilen, wurde zusätzliches Loosh produziert. Die Menge war erheblich, doch das Frequenzmuster der Substanz ließ stark zu wünschen übrig.

Durch Zufall stieß Jemand auf den Primärkatalysator der Loosh-Produktion. Die gewaltigen und langsamen Mobilen besaßen eine unverhältnismäßig große Lebensspanne und benötigten viel Nahrung. Ihr Wachstumsprozess bis zum Lebensende dauerte so lang, dass sie die Zweite Ernte bald stark dezimiert hatten. Der Garten geriet aus dem Gleichgewicht, und es wurde kein Loosh gleich welcher Art mehr produziert. Die Zweite und Dritte Ernte standen vor dem Aussterben.

Als die Einheiten der Zweiten Ernte rar wurden, bekamen die Mobilen Probleme, ihren Energiebedarf zu decken. Oft begehrten zwei von ihnen gleichzeitig dieselbe Anbaueinheit. Dadurch entstanden Konflikte, die zu Kämpfen zwischen zwei oder mehreren der ungelenken Mobilen führten. Jemand beobachtete die Kämpfe, anfangs verwundert, später mit steigendem Interesse. Sobald die Konflikte begannen, verströmten die Mobilen Loosh. Nicht in geringem Maße, sondern in beträchtlicher, nutzbarer Menge, und von ungleich größerer Reinheit!

Rasch testete Jemand seine Theorie. Er entnahm dem flüssigen Teil des Garten eine weitere Einheit der Ersten Ernte und adaptierte sie für die gasförmige Umgebung – mit einer bedeutenden Änderung: Der neue Mobile wurde ein wenig kleiner, bedurfte aber zur Ernährung der Aufnahme anderer Mobiler. Dadurch war das Problem der Nahrungsknappheit gelöst. Gleichzeitig wurde während der Kämpfe viel Loosh erzeugt, und mehr noch, wenn die neue Art die Lebensspanne der anderen Einheit beendete. Dadurch konnte Jemand brauchbare Mengen Looshs von akzeptabler Qualität nach Irgendwo senden. So entstand die Regel des Primärkatalysators. Sie war ganz simpel: Konflikte zwischen Kohlenstoff-Sauerstoff-Einheiten erzeugen eine konstante Loosh-Absonderung.

Die Vierte Ernte

Zufrieden, die Formel gefunden zu haben, bereitete Jemand die Vierte Ernte vor. Er wusste jetzt, dass die Mobilen der Dritten Ernte zu groß waren und eine zu lange Lebensspanne besaßen. Um so massive Einheiten in großer Zahl heranzuziehen, war nicht genügend Platz – der gesamte Garten müsste erweitert werden. Dasselbe galt für die blättrigen Anbaueinheiten der Zweiten Ernte, die groß genug sein mussten, um die Mobilen zu ernähren. Auch erkannte er korrekt, dass mehr Mobilität den Konflikt-Faktor zwischen den Einheiten erhöhen und für eine gesteigerte Loosh-Produktion sorgen würde.

Mit einer einzigen Bewegung terminierte er die Lebensspanne all der ungelenken Mobilen der Dritten Ernte. Dann kehrte er zur Ersten Ernte in den flüssigen Bereich des Gartens zurück. Er entwickelte die Einheiten zu einer Vielzahl von Größen und Formen weiter. Er gab ihnen komplexe multizelluläre Strukturen, die ihnen hohe Mobilität verliehen. Er gestaltete sie nach einem ausgewogenen Muster: Einige gab es, die Kohlenstoffzyklus-Einheiten der Zweiten Ernte als Energiequelle aufnahmen. Andere wiederum, von großer Mobilität, benötigten zur Energieversorgung die Aufnahme anderer modifizierter Einheiten der Ersten Ernte.

Der vollendete Zyklus funktionierte recht zufriedenstellend. Die modifizierten stationären Einheiten der Zweiten Ernte gediehen in der flüssigen Umgebung. Kleine, hochaktive und flüssigkeitsatmende Mobile nahmen Nahrung auf; sie „fraßen“ die Einheiten der Zweiten Ernte. Größere oder aktivere Mobile verzehrten die „Pflanzenfresser“ zur Energieversorgung. Wurde ein Mobiler zu groß oder langsam, erwies er sich als leichte Beute für die kleineren Einheiten, die heißhungrig in großer Zahl angriffen. Die chemischen Rückstände der Aufnahme anderer Einheiten sanken auf den Grund des flüssigen Mediums und lieferten neue Nahrung für die Stationären, wodurch sich der Kreis schloss. Jetzt floss das Loosh beständig: Durch das Ende der Lebensspanne der Stationären, durch die heftigen Konflikte unter den Mobilen, um der Aufnahme zu entgehen, und schließlich durch das plötzliche Ende ihrer Lebensspanne – dem unausweichlichen Ergebnis der Konflikte.

Nun widmete sich Jemand dem anderen Teil des Gartens – der gasförmigen Umgebung mit dem Untergrund aus festen Verbindungen. Hier verwendete er dieselben Techniken mit weiteren Verbesserungen. Er fügte allerlei Varianten der Stationären (aus der ursprünglichen Zweiten Ernte) hinzu. So würden die neuen Mobilen, die er zu erschaffen plante, ausreichend und vielfältige Nahrung zur Verfügung haben. Wie im anderen Teil des Gartens erschuf er die Mobilen so, dass Ausgeglichenheit zwischen zwei Arten herrschte: Es gab solche, die Stationäre der Zweiten Ernte aufnahmen und Energie von ihnen bezogen, und solche, die andere Mobile zur Ernährung benötigten. Er erschuf sie in tausenden originären Arten und verschiedenen Größen (doch keine mehr so groß wie die Mobilen der Dritten Ernte). Scharfsinnig verlieh er jeder Art ein Zubehör für Auseinandersetzungen: Einige Mobile waren massiv und schwer oder unerreichbar schnell, andere besaßen täuschende oder schützende Hüllen und Farbgebungen. Es gab Rezeptoren und Detektoren für Wellenbewegungen und Teilchen, und Auswüchse höherer Dichte zum Einbohren, Ergreifen und Zerfleischen. All dies diente der Verschärfung und Verlängerung der Konflikte. Die Loosh-Produktion stieg.

Ein Teil des Jemand

Als Experiment erschuf Jemand einen Mobilen, der schwächer und weniger effektiv war als die anderen Einheiten der Vierten Ernte. Doch sein Entwurf hatte zwei klare Vorteile: Zum einen konnte die Einheit sowohl die Stationären, als auch die anderen Mobilen aufnehmen und Energie aus ihnen gewinnen. Zweitens nahm Jemand einen Teil Seiner Selbst, und pflanzte ihn der Einheit ein. Keine andere Quelle dieser Substanz war bekannt oder verfügbar. Jemand kannte die Regel des Hingezogenseins. Er wusste, dass der Teil Seiner Selbst der Spezies ultimative und unablässige Mobilität verleihen würde. Fortwährend würde die Spezies danach streben, das Hingezogensein zu befriedigen, das durch das winzige Stäubchen Seiner Selbst entfacht wurde. Stets würde sie die Wiedervereinigung mit dem unendlichen Ganzen ersehnen. So war die Deckung des Energiebedarfs durch Nahrungsaufnahme nicht mehr die einzige treibende Kraft. Wichtiger noch – die Begierden, die der Teil des Jemand hervorrief, konnten im gesamten Garten nicht gesättigt werden. So würde der Drang nach Mobilität stets gegenwärtig sein. Der Konflikt zwischen Begierde und Energieaufnahme würde nie nachlassen – womöglich eine dauerhafte Quelle hochwertigen Looshs, falls die Spezies überlebte.

Die Vierte Ernte übertraf alle Erwartungen. Unablässig wurde nutzbares Loosh erzeugt. Das „Leben“ im Garten war perfekt im Gleichgewicht. Der Konflikt-Faktor produzierte immense Mengen Loosh, ergänzt durch die Menge, die durch die ständige Beendigung der Lebensspanne von Mobilen und Stationären erzeugt wurde. Um den Ertrag bewältigen zu können, organisierte Jemand spezielle Kollektoren, die bei der Ernte halfen. Er richtete Kanäle ein, durch die das rohe Loosh aus seinem Garten nach Irgendwo transportiert wurde. Von der „Wildform“ als wichtigster Loosh-Quelle war Irgendwo fortan nicht mehr abhängig.

Nach der erfolgreichen Kultivierung begannen Andere, eigene Gärten zu errichten. Das geschah in Übereinstimmung mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage (das Vakuum ist ein instabiler Zustand), denn die Menge aus dem Garten des Jemand genügte dem Bedarf in Irgendwo nur teilweise. Kollektoren der Anderen kehrten sogar in den Garten des Jemand ein, um sich die geringen Loosh-Mengen zunutze zu machen, die von Jemands Kollektoren übersehen oder ignoriert wurden.

Jemand unterdessen, da sein Werk vollendet war, begab sich nach Irgendwo und widmete sich anderen Angelegenheiten. Unter Aufsicht der Kollektoren blieb die Loosh-Produktion konstant. Die einzige Änderung wies Jemand selbst an: Unter seiner Anleitung entfernten die Kollektoren regelmäßig Teile der Vierten Ernte. Dadurch wurde eine ausreichende Versorgung der jüngeren, nachwachsenden Einheiten mit Chemikalien, Strahlung und anderen Nahrungsmitteln sichergestellt. Außerdem konnten durch das Abernten gelegentlich zusätzliche Loosh-Erträge erzielt werden.

Um solche Ernten einzufahren, erzeugten die Kollektoren Turbulenzen und Wirbel in der gasförmigen Hülle und den festeren chemischen Formationen, die den Untergrund des Gartens bildeten. Die Turbulenzen beendeten die Lebensspanne einer Vielzahl von Einheiten der Vierten Ernte, wenn sie von Teilen des schlingernden Untergrunds erschlagen wurden oder in den Wellen der aufgewühlten flüssigen Gebiete des Gartens erstickten. (Die Anbaueinheiten der Vierten Ernte waren so konstruiert, dass sie ihren Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus im flüssigen Medium nicht aufrechterhalten konnten.)

Der Unterschied

So hätte das „Leben“ in Jemands Garten unaufhörlich fortdauern können – gäbe es nicht die Auffassungsgabe und Wissbegierde seines Schöpfers. Gelegentlich untersuchte Jemand Loosh-Proben aus seinem Garten. Einen Grund dafür gab es nicht, außer dass er vielleicht für sein Projekt weiterhin ein gewisses Interesse hegte. Bei einer jener Analysen begutachtete Jemand beiläufig das geerntete Loosh. Eben wollte er die Probe wieder in das Reservoir zurückgeben – als er einen Unterschied bemerkte. Sehr klein war er, und doch gab es ihn.

Sofort fokussierte sich sein Interesse. Er untersuchte erneut. Feingliedrig in die rohe Substanz eingewoben, strömte ihm ein zartes Fragment veredelten und destillierten Looshs entgegen. Das war unmöglich. Destilliertes Loosh entstand nur, wenn die „Wildform“ viele Male aufbereitet wurde. Das Loosh aus dem Garten des Jemand erforderte dieselbe Behandlung, bevor es nutzbar wurde.

Doch da war es – so fein raffiniert und veredelt strömte es, dass es keine Verbindung mehr mit der Rohsubstanz eingehen konnte oder wollte. Jemand wiederholte seine Tests, und abermals war das Ergebnis positiv. Es gab etwas in seinem Garten, das ihm bis dahin verborgen geblieben war.

Rasch verließ Jemand Irgendwo und kehrte in seinen Garten zurück. Äußerlich schien alles unverändert: Auf dem festen Grund in den gasförmigen Gebieten bildeten die florierenden Einheiten der Zweiten Ernte einen endlosen Teppich aus grünen Reflexionen. In der flüssigen Umgebung befanden sich die modifizierten Einheiten der Ersten Ernte in perfektem Einklang mit dem Gesetz von Aktion und Reaktion (einer Variante von Ursache und Wirkung). Ohne Verzögerung erkannte Jemand, dass der Unterschied – die Quelle der veredelten Substanz – weder in der Ersten, noch in der Zweiten Ernte zu finden war.

Die erste flüchtige Spur destillierten Looshs, die durch die Pflanzungen der Zweiten Ernte hindurchschimmerte, fand er bei einer der Anbaueinheiten der Vierten Ernte. Die Spur blitzte während einer ungewöhnlichen Aktion der Einheit auf, als sie einen lebensbedrohlichen Kampf mit einer anderen Einheit der Vierten Ernte aufnahm. Jemandem war klar, dass dies allein noch kein destilliertes Loosh erzeugen würde. Er begann, gründlicher nach der Quelle zu forschen.

Augenblicklich wurde ihm der Unterschied bewusst. Die Einheit kämpfte nicht um ein essbares Überbleibsel einer schwächeren Einheit, oder um einen schmackhaften Wedel einer nahen Einheit der Zweiten Ernte. Ebensowenig versuchte sie, das Ende ihrer Lebensspanne und die Aufnahme durch die andere Einheit zu verhindern. Sie kämpfte, um drei ihrer eigenen kürzlich erzeugten Artgenossen vor dem Lebensende zu schützen, die unter einer großen Einheit der Zweiten Ernte kauernd den Ausgang des Geschehens abwarteten. Es gab keinen Zweifel: Dadurch wurden die aufleuchtenden Blitze destillierten Looshs erzeugt.

Mit diesem Wissen beobachtete Jemand die anderen Einheiten der Vierten Ernte. Er bemerkte ähnliche aufleuchtende Blitze, wenn sie die Aktion zur Verteidigung ihrer „Jungen“ ausführten. Doch gab es eine Inkonsistenz: Die Summe des destillierten Looshs aller Aktionen der Einheiten entsprach nicht einmal der Hälfte der Menge, die er in der Probe gefunden hatte. Offenbar gab es noch einen weiteren Einflussfaktor.

Systematisch schwebte Jemand über den Garten hinweg und erweiterte seine Wahrnehmung auf alle Gebiete. Beinahe im selben Augenblick fand er die Quelle. Hochgradig destilliertes Loosh entströmte einem bestimmten Bereich des Gartens. Rasch begab er sich dorthin. Da war sie – eine der experimentell modifizierten Einheiten der Vierten Ernte, die den Teil Seiner Selbst in ihrem Funktionsmuster besaß. Sie stand allein unter dem blättrigen Oberteil einer großen Anbaueinheit der Zweiten Ernte. Sie war nicht „hungrig“. Sie befand sich nicht im Konflikt mit einer anderen Einheit. Sie verteidigte nicht ihre „Jungen“. Warum verströmte sie dann veredeltes Loosh in so großer Menge? Jemand näherte sich. Seine Wahrnehmung drang in die modifizierte Anbaueinheit ein. Dann erkannte er: Die Einheit war einsam! Es war dieser Effekt, der destilliertes Loosh produzierte.

Als Jemand sich zurückzog, bemerkte er eine weitere Inkonsistenz: Die Einheit wurde mit einem Mal seiner Anwesenheit gewahr. Sie brach zusammen und zuckte in merkwürdigen Krämpfen auf dem festen Untergrund. Eine klare Flüssigkeit quoll aus den Öffnungen, mit denen sie Strahlung wahrnehmen konnte. Dadurch trat das abgesonderte destillierte Loosh noch klarer zum Vorschein.

Die Formel

Mit den gewonnenen Erkenntnissen stellte Jemand seine bekannte DLP-Formel auf, die bis heute im Garten gilt. Der Ausgang der Geschichte ist gut bekannt. Jemand fasste die Grundlagen in seiner Formel zusammen:

„Reines, destilliertes Loosh wird in Typ-4M-Einheiten durch den Zustand des Unerfülltseins erzeugt, jedoch nur, wenn das Muster auf einer Schwingungsebene außerhalb der fassbaren Grenzen der Umwelt auftritt. Je größer die Intensität des besagten Musters, desto höher ist der Ertrag des Loosh-Destillats.“

Um die Formel umzusetzen, nahm Jemand einige geschickte Änderungen an seinem Garten vor, die heute jedem Historiker vertraut sind: Die Aufspaltung der Anbaueinheiten in Hälften (um Einsamkeit hervorzurufen bei dem Begehren, sich wieder zu vereinen) und die Förderung der Dominanz der Typ-4M-Einheiten sind zwei der bemerkenswertesten Ergänzungen. Heute stellt der Garten seine Leistungsfähigkeit eindrucksvoll zur Schau. Die Kollektoren sind seit Langem Meister in der Umsetzung der DLP-Formel. Die Einheiten des Typs 4M dominieren und haben sich über den gesamten Garten verbreitet, mit Ausnahme der tiefer liegenden Gebiete des flüssigen Mediums. Sie sind die wichtigsten Erzeuger des Loosh-Destillats.

Mit wachsender Erfahrung haben die Kollektoren ein ganzes Arsenal ergänzender Methoden bei der Loosh-Ernte von Typ-4M-Einheiten entwickelt. Die gebräuchlichsten sind: Liebe, Freundschaft, Familie, Habgier, Hass, Schmerz, Schuld, Krankheit, Stolz, Streben, Eigentum, Besessenheit, Opfer. Und im größeren Maßstab: Nationen, Provinzialismus, Krieg, Hunger, Religion, Maschinen, Freiheit, Industrie und Handel, um nur einige zu nennen. Die Loosh-Produktion ist höher als je zuvor.

Die Kehrseite

CLICK! Ich war dicht verschlossen, in mich gewandt, überwältigt. Meine erste Reaktion war: Es musste einen Fehler gegeben haben – das konnte nicht die Geschichte der Erde sein. BB hatte sie mit einer anderen Station auf seinem Fahrplan verwechselt. Doch als ich die Informationen noch einmal durchging, waren die Überschneidungen mit dem Wenigen, das ich über die Entwicklungsgeschichte von Menschen und Tieren wusste, unangenehm akkurat – wenn auch aus einer anderen Perspektive. Die Nahrungskette im Ökosystem der Erde ist gut erforscht. Mit dem Wissen über Mutter Natur im Hinterkopf hatten hartgesottene Philosophen oft darüber nachgesonnen, wie sich das Tier „Mensch“ in die Kette einfügt. Die Kehrseite ist, dass nun klar wird, wer uns isst. Bis dahin war es nur Spekulation gewesen …


Kommentare

Kommentar von FredFree (04. Mai 2013, 09:27 Uhr)

"reisen ausserhalb des körpers" werden hier sehr gut erklärt.

www.matrixblogger.de/


Kommentar von sven (04. Juni 2013, 21:22 Uhr)

Der Verfasser will uns hier mitteilen das es schlecht ist unter LSD Einfluss etwas zu schreiben.

Denn solange rosarote Elefanten um einen herumtanzen mag die Geschichte ja plausibel sein , aber liest man sie danach ist es wie das Erwachen mit einem derben Kater nach 3 Promille im Blut.


Kommentar von FredFree (04. Juni 2013, 22:38 Uhr)

...


Kommentar von Marita Boecking (28. Juli 2013, 15:00 Uhr)

brontebaxter.wordpress.com/loosh-101-tracking-the-crack-in-the-universe/
hier wird das Thema "Loosh" sehr gut erklaert, wie ich finde. Steht leider nur in Englisch zur Verfuegung.


Kommentar von Gjarðarr (09. März 2014, 15:19 Uhr)

Ich habs gewußt... !

Und nu' ? - Sich so langsam aber sicher mal zum gleichgültigen Veganer und weiter hinaus bis zu einer Bewußtseinsstufe entwickeln, in der jegliche stoffliche Nahrungsaufnahme überflüssig wird und man seinen Körper abstreift, wie ein nicht mehr gebrauchtes Gewand, um alsdann in die Gefilde der Ewigkeit zu entschwinden ?

Oder doch besser die Radikalkur und sich binnen 11 Tagen zu Tode hungern, bzw. dürsten - aber nee - dann tritt ja doch nur wieder physischer Tod und Zwangsreinkarnation ein, oder hab ich das jetzt grundlegend mißverstanden - ?


Kommentar von Aufklärer (20. November 2015, 10:00 Uhr)

Ein in den USA ansäßiger Spiritual-Lehrer asiatischer Abstammung, der nachhaltig die Meinung vertritt, daß Tugend, Moral und ein gesundes, natürliches Leben (indem man nicht den Verstand aufbläht sondern stattdessen den Geist stärkt) der beste Garant für spirituellen Fortschritt (des Einzelnen wie auch der Gesellschaft) sind, meinte zu ASTRALREISEN einmal, daß diese (für die spirituelle Entwicklung) VÖLLIG UNNÖTIG und darüber hinaus SEHR GEFÄHRLICH sind. Zu Lebzeiten (während der Inkarnation) sollten Körper und Seele verbunden bleiben, weil es ansonsten zu ernsten Problemen kommen kann, die sich möglicherweise nicht mehr reparieren lassen!