NEXUS Magazin: https://www.nexus-magazin.de/artikel/lesen/der-chronovisor-und-die-jenseitsstimmen


Der Chronovisor und die Jenseitsstimmen

chronovisorEin Gerät, mit dem man der Kreuzigung Jesu Christi wie im Fernsehen zuschauen konnte? Fakt ist, dass Pater Pellegrino Maria Ernetti Experte für vorchistliche Musik war und an den Obertönen der gregorianischen Choräle forschte. Bezeugt ist auch, dass er bei seinen Versuchen die Stimme seines verstorbenen Vaters aus dem Lautsprecher eines Tonbandgeräts hörte. Das wiederum soll ihn auf die Idee gebracht haben, dass die Vergangenheit in Zeit und Raum gespeichert ist und man sie abrufen kann. Dass ihm das mit dem Chronovisor gelungen sei, soll Ernetti auf dem Totenbett widerrufen haben – aber die Geschichte ist zu mysteriös, um nicht erzählt zu werden.


Im Lauf der Jahre wurden mehrere Geräte konstruiert, die es angeblich möglich machen, mit Verstorbenen zu kommunizieren. Im vorliegenden Artikel wird es um einige dieser Erfindungen gehen. Die angespannte und häufig ambivalente Beziehung zwischen Religion, Wissenschaft und dem Paranormalen – vor allem in den düsteren Nischen des kirchlichen Dogmas innerhalb der römisch-katholischen Kirche – ist historisch gut dokumentiert. Umso erstaunlicher ist es, dass einer ihrer Geistlichen in relativ junger Vergangenheit angeblich ein Gerät konstruiert hat, mit dem man einschlägigen Behauptungen zufolge in die dunklen Tiefen der Zeit zurückschauen kann. DerChronovisorwar ein solches Gerät. Die Verbindung zwischen der katholischen Kirche und der paranormalen Forschung, für die der Chronovisor ein gutes Beispiel ist, mutet auch viel weniger überraschend an, wenn man sich vor Augen hält, dass die Kirche spätestens seit den Tagen von Papst Honorius III. ein reges Interesse an der Wissenschaft und Praxis von Magie und am Einsatz von magischen Geräten hat.

Der Strom der Zeit

Der Chronovisor soll von einem italienischen Priester gebaut worden sein – nämlich Pater Pellegrino Maria Ernetti, der 1994 im Alter von 69 Jahren verstarb. Er hatte eine wissenschaftliche Ausbildung und angeblich einen akademischen Abschluss in Quantenphysik.

Sicher ist, dass Pater Ernetti wirklich gelebt hat, ein anerkannter Experte für vorchristliche Musik war und sich insbesondere für die Obertöne der gregorianischen Choräle interessierte. Im Zuge der Arbeit, die er gemeinsam mit Pater Agostino Gemelli – einem Arzt und Psychologen – durchführte, versuchten die beiden, aus gregorianischen Chorälen die Obertöne herauszufiltern, als sie zu ihrem Erstaunen plötzlich die Stimme von Pater Ernettis verstorbenem Vater vernahmen, der aus dem Lautsprecher ihres Tonbandgeräts zu ihnen sprach. Der Vater des Geistlichen verwendete dabei anscheinend Kosewörter, mit denen er ihn schon in seiner Kindheit angesprochen hatte und die nur Ernetti kennen konnte.

Diese verblüffende Begebenheit, die von Pater Gemelli bestätigt wurde, brachte Pater Ernetti auf die Idee, dass menschliche Klänge und Handlungen aus der Vergangenheit möglicherweise nicht gleich wieder verschwinden, sondern auf irgendeine Weise aufgezeichnet werden – oder, was noch erstaunlicher ist, dem schmalen Streifen aus Zeit und Raum, in dem sie stattfanden, eingeprägt bleiben.

Der Vorfall wirft auch die Frage auf, ob sogenannte Tonbandstimmen echt sind, aber darauf werden wir etwas später zurückkommen.

Übrigens heißt es auch, dass Pater Gemelli (der immerhin so angesehen war, dass man ein Lehrkrankenhaus nach ihm benannte) den Behauptungen, die über den stigmatisierten Kapuzinermönch Pater Pio gemacht wurden, ablehnend gegenüberstand. Gemelli bezeichnete Pio als „einen ungebildeten und selbstverstümmelnden Psychopathen, der die Leichtgläubigkeit der Menschen ausgenutzt hat“.

Das sind harte Worte. Andererseits ist an anderer Stelle auch vermerkt, dass die Stigmata an Pater Pios Händen gegen Ende seines Lebens verschwanden, als er schon sehr gebrechlich war. Wenn man den kritischen Stimmen Glauben schenkt, so konnte er in diesem Stadium diverse Hilfsmittel nicht mehr benutzen, um die Wunden an seinen Händen offen zu halten.

Das alles konnte die spätere Heiligsprechung von Pater Pio nicht verhindern, ebenso wenig wie die Tatsache, dass Tausende von Gläubigen ihn bis heute verehren.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 123 lesen.

Printausgabe und E-Paper erhalten Sie im Shop ... dort können Sie unser Heft auch abonnieren.