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Eine Welt ohne Dollar – das Ende der amerikanischen Finanzordnung

dollarSeit etwa zehn Jahren wird der Ruf des US-Dollars zunehmend schlechter. Die ehemalige Leitwährung gilt in vielen anderen Ländern als riskante Anlage, weil die USA mehr als 21 Billionen Dollar Staatsschulden haben. Dazu kommen noch ungedeckte Verbindlichkeiten in Form gesetzlicher Pensionen, Sozialversicherungen und Sozialprogramme – rechnet man diese Bereiche dazu, so belaufen sich die amerikanischen Schulden auf mehr als 200 Billionen Dollar.


Der Dollar ist ein Fiatgeld, das vom US-Finanzministerium ausgegeben wird und hinter dem das ganze Gewicht der amerikanischen Regierung steht, doch letztlich beruht seine Macht auf dem Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Und inzwischen haben viele Länder, die von Washington immer wieder mit Wirtschaftssanktionen bedroht werden, das Vertrauen in den Dollar verloren.

Im Grunde ist der Dollar nichts anderes als ein an die Öffentlichkeit ausgegebener Schuldtitel, dessen Wert nicht wirklich objektiv messbar ist. So hat der Dollar seit der Gründung der amerikanischen Zentralbank – der Federal Reserve Bank (Fed) – im Jahr 1913 mehr als 97 Prozent seines Werts verloren.

Die USA könnten ihre Schulden nie finanzieren, selbst wenn sie ihre Produktionsbasis ins Land zurückholen, die staatlichen Ausgaben reduzieren und alle ihre Kriege inklusive jener im Irak und in Afghanistan beenden. Peter Schiff von der Investmentfirma Euro Pacific Capital sagte vor Kurzem in einem Interview mit RT.com:

„In dieser Situation bleibt einem nichts anderes übrig, als seine Dollarbestände aufzulösen. Der Dollar und die amerikanische Lebensqualität werden die größten Opfer sein.“1

Die USA und ihre Verbündeten – einschließlich Saudi-Arabien, Israel, der NATO-Staaten und Kolumbien – bereiten sich auf einen großen Krieg mit Russland, China, dem Iran, Syrien, Libanon, Venezuela, Nicaragua und Kuba vor. Es geht darum, die Kontrolle über die Welt wiederzuerlangen, indem man dem Dollar wieder seine frühere globale Dominanz verschafft. The National Interest – eine Zeitschrift zum Thema internationale Beziehungen, deren Ehrenvorsitzender Henry Kissinger einer der berüchtigtsten Kriegsverbrecher der Welt ist – veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel „Die Zukunft des Dollars – und seine Rolle in der Finanzdiplomatie“. Darin hieß es:

„Finanzdiplomatie beginnt mit der Koordinierung der makroökonomischen Politik, Investitionsregelungen und einer Bankenregulierung. Die Vorherrschaft des Dollars hat den Vereinigten Staaten jedoch eine privilegierte Rolle in einem breiten Verhandlungsbereich verschafft – einschließlich Umschuldung, Kampf gegen den Terrorismus und grenzübergreifender Kriminalität. […]

Es ist die Fähigkeit, in undisziplinierten globalen Märkten für Ordnung zu sorgen, die den Dollar in vieler Hinsicht von anderen internationalen Währungen unterscheidet. Wann auch immer politische oder finanzielle Turbulenzen aufkommen, ist er die sicherste Anlage der Welt. So wie die gewaltige militärische Übermacht der USA in einer Konfliktregion Ordnung herstellen kann, haben auch die Fed und das amerikanische Finanzamt mithilfe von Swap-Vereinbarungen und Krediten Schlüsselrollen bei der Stabilisierung von Finanzmärkten gespielt.“2

Im Grunde haben die USA den privilegierten Status ihrer Währung ausgenutzt, wenn Themen wie Umschuldung oder „gezielte finanzielle Sanktionen“ mittels Druckmitteln (im Grunde hat man anderen Staaten einfach die Pistole an den Kopf gehalten) auf der Tagesordnung standen. Aus all diesen Gründen haben mehrere Staaten mittlerweile Maßnahmen getroffen, die sie vom Dollar unabhängiger machen. Dadurch hat der Dollar seine Position als globale Leitwährung eingebüßt – und ein Krieg stellt für die USA die einzige Möglichkeit dar, diese Position zurückzugewinnen.

Der Dollar wurde 1971 – als die Regierung Nixon die Goldbindung des Dollars nach dem Bretton-Woods-System aufhob – zur Leitwährung der Welt. Nach diesem Zeitpunkt druckte die Federal Reserve massenhaft Banknoten, ohne dass das viele neue Geld durch etwas gedeckt war. Aber auch der sogenannte Petrodollar trug dazu bei, dass der Dollar zur globalen Leitwährung wurde. Dieser Mechanismus zur Kontrolle der Erdölmärkte entstand, als Washington mit Saudi-Arabien die Standardisierung der Erdölpreise in Dollar vereinbarte. Das so geschaffene Petrodollar-System brachte es mit sich, dass erdölexportierende Länder im Austausch für ihr Öl US-Dollars erhielten und daher in dieser Währung handeln mussten. Dadurch wurden auch die Volkseinkommen vom Wert des Dollars abhängig – wenn der Dollarkurs fällt, schadet das auch der Wirtschaft des betreffenden Landes. Die Handelspartner der USA müssen ihre Währungen an den Dollar koppeln – und wenn der Dollarkurs fällt, so fallen auch die Preise für ihre inländischen Waren und Dienstleistungen.

Die USA schafften es nicht nur, den Dollar zum weltweit vorherrschenden Zahlungsmittel für Bodenschätze (speziell für Erdöl) zu machen, sondern den Status ihrer Währung auch als Waffe gegen souveräne Staaten einzusetzen, die die Vormachtstellung der Vereinigten Staaten herauszufordern wagen. In den vergangenen Jahrzehnten haben mehrere Länder – allen voran Russland und der Iran – den Dollar nach und nach aufgegeben, nachdem sie wiederholte Male Opfer von Sanktionen Washingtons wurden, weil sie sich nicht an die vom Westen vorgegebene Weltordnung hielten.

Auch die Forderung nach dem Rückzug amerikanischer Truppen aus Syrien und Afghanistan ändert nichts an der Tatsache, dass der militärisch-industrielle Komplex bereits den nächsten großen Krieg plant, um den Dollar vor dem Verlust seiner Rolle als Leitwährung zu bewahren. Vielleicht werden wir diesen Krieg bald den „Dollar-Krieg“ nennen.

Der irakische Staatspräsident Saddam Hussein beschloss einst, das Erdöl seines Landes nur mehr gegen Euros zu verkaufen und damit den Dollar zu umgehen. Das libysche Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi plante eine goldgestützte Dinar-Währung für Afrika und wollte dem Dollar damit ebenfalls seine Macht entziehen. Kurz nach Bekanntwerden dieser Pläne wurde eine Flugverbotszone über dem Irak und Libyen erklärt, die schließlich zu einem für beide Länder verheerenden Krieg führte. Gaddafi hatte zudem afrikanische Staaten aufgefordert, Dollars abzustoßen – und das zu einer Zeit, als die stärkeren wirtschaftlichen Verflechtungen Chinas mit diversen afrikanischen Ländern sich zur Bedrohung für Washington entwickelten. Hussein und Gaddafi wurden schließlich von US- und NATO-unterstützten militärischen Kräften und Terroristengruppen gefangen gesetzt und hingerichtet.

Durch die Abwendung vom Dollar steigt die Kriegsgefahr

Am 6. August 2018 twitterte der ehemalige iranische Präsident Mahmud Ahmadineschād:

„Die Verwendung des Dollars als Standardwährungseinheit auf den globalen Märkten und im weltweiten Währungssystem ist die Hauptstärke des amerikanischen Imperiums. Die Dinge müssen sich endlich ändern.“3

Ja, die Dinge müssen sich wirklich ändern. Russland, China und der Iran unternehmen bereits Schritte zu einem System ohne Dollar. Und das fällt auch den Mainstreammedien langsam auf. In einem Newsweek-Artikel vom September 2018 hieß es unter der Überschrift „Russland und China finden, dass der US-Dollar die Welt zerstört, also suchen sie nach anderen Wegen“:

„Der russische Außenminister Sergei Lawrow sagte am Freitag, dass sein Land umfassende Anstrengungen unternehme, um sich vom US-dominierten internationalen Finanzsystem zu distanzieren, da dieses zum Großteil auf dem US-Dollar beruhe. Er forderte andere Staaten auf, dieselben Maßnahmen zu ergreifen. Washington habe seinen beispiellosen Einfluss dazu benutzt, als Strafe gegen Länder, denen man ein Fehlverhalten vorwirft, Sanktionen zu erlassen. In manchen Fällen wolle man diese Länder mit den Sanktionen auch dazu veranlassen, politische Richtlinien zu ändern, die für die Vereinigten Staaten unvorteilhaft sind. […]

Lawrow verwies auf die USA und ihre westlichen Verbündeten, die sich den Sanktionen gegen Russland angeschlossen haben, und sagt, dass Russland ,alles Notwendige unternimmt, um nicht von jenen Ländern abhängig zu sein, die sich gegenüber ihren internationalen Partnern so verhalten. Immer mehr unserer Partner in Asien und Lateinamerika wenden sich derzeit einem ähnlichen Ansatz zu. Ich glaube, dass diese Bewegung zunehmend erstarken wird.‘“4

Souveräne Staaten umgehen den Dollar

Da in immer mehr Staaten in aller Welt die Frustration über die US-Sanktionen steigt, gibt es nun auch schon mehrere bedeutende Handelsabkommen, in denen der US-Dollar umgangen wird und eigene Währungen zum Zug kommen. In den Jahren 2017 und 2018 kam es beispielsweise zu folgenden Entwicklungen:

China und Japan kaufen weniger US-Staatsanleihen

Die zwei großen Wirtschaftsmächte China und Japan haben laut einem Bericht von RT.com aus dem Oktober 2018 ihre Bestände an US-Staatsanleihen verringert. In dem Bericht heißt es auch, dass Japan nach chinesischem Vorbild seine Bestände an US-Schuldverschreibungen reduziert.5

Auch andere Länder, die dieser Strategie folgen und wegen wirtschaftlicher, finanzieller und geopolitischer Spannungen in jüngster Vergangenheit ihre amerikanischen Anleihen zurückschrauben, werden erwähnt:

„Die Türkei und Indien folgen dem Beispiel Russlands. Die Türkei gehört nach einem Konflikt mit Washington wegen des versuchten Militärputsches von 2016 nicht mehr zu den 30 führenden Inhabern amerikanischer Schuldtitel.

Indien ist zwar weiterhin eines der 30 in dieser Hinsicht führenden Länder, reduzierte seine US-Staatsanleihen aber ebenfalls fünf aufeinanderfolgende Monate lang – von 157 Milliarden Dollar im März auf 140 Milliarden im August.“6

In der Vergangenheit war es für China günstig, amerikanische Staatsanleihen zu erwerben, weil das Land so mittels der „China-Währungsreserven“ den USA Kredite anbot, damit die amerikanischen Konsumenten chinesische Waren kaufen konnten. Das galt aber nur, solange China eine Exportwirtschaft hatte und im Handel mit den USA große Überschüsse erzielte. Mittlerweile erwirbt China jedoch keine neuen US-Anleihen mehr, weil die wirtschaftlichen und geopolitischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten immer angespannter wurden, je mehr die Bedeutung Chinas als Wirtschaftsmacht stieg. Auch stand die chinesische „One Belt, One Road“-Initiative dem amerikanischen Bestreben einer wirtschaftlichen Vorherrschaft in der Region Asien-Pazifik im Weg.

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Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi wurden schließlich von US- und NATO-unterstützten militärischen Kräften und Terroristengruppen gefangen genommen und hingerichtet.

Da Washington nun die taiwanesischen Unabhängigkeitsbestrebungen unterstützt und die US Navy ihre Präsenz im Südchinesischen Meer ausbauen will, wird China wohl weiterhin amerikanische Staatsanleihen abstoßen, seine militärischen Kapazitäten verbessern und seine weltweite Marktmacht im Rahmen der „One Belt, One Road“-Initiative ausbauen. Washington gerät dadurch ziemlich in die Klemme.

China, Russland, Japan und andere Staaten verfolgen ähnliche Strategien, durch die sie immer weniger auf den Dollar angewiesen sind. Die Spannungen zwischen Peking und Washington werden sich verschärfen, wenn China weltweit noch mehr an Einfluss gewinnt und sein Wirtschaftswachstum das der USA aussticht.

Russland und Syrien nutzen Landeswährungen für bilateralen Handel

Als Teil ihrer strategischen Wirtschaftspolitik haben Russland und Syrien vereinbart, den Dollar bei „bilateralen Handelsvereinbarungen und der Energieförderung in Syrien“ zu umgehen. Hierbei handelt es sich um eine durchaus bedeutende Entwicklung. „Bilateraler Handel, Transport und Logistik – für mich sind diese Fragen geklärt“, gab Wladimir Padalko, Vizepräsident der russischen Handelskammer, am Rande der Jahressitzung der russisch-syrischen Kommission für handelspolitische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit in Damaskus vor Journalisten bekannt. Das wurde im Artikel „Russland und Syrien wollen im bilateralen Handel den Dollar abstoßen und einigen sich auf gemeinsame Energieprojekte“ berichtet, der im Dezember 2018 auf RT.com erschien.7

„Der russische Funktionär erklärte, dass die beiden Länder 200 russische und syrische Unternehmen ausgewählt hätten, die an gemeinsamen Projekten zum Wiederaufbau des kriegsgeschüttelten Landes beitragen sollen“, heißt es in dem Beitrag weiter. „Demnächst soll eine Vereinbarung unterzeichnet werden, die zehn umfassende Schwerpunkte zur Wiederherstellung der syrischen Wirtschaft nach dem Krieg festlegt.“

Irak und Iran wollen nicht mehr in Dollar handeln

Eine weitere interessante Entwicklung ist die Einigung zwischen Irak und Iran, bei künftigen Handelsabkommen zwischen den beiden Ländern den Dollar zu umgehen und stattdessen auf den Euro zu setzen (genau das brachte dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein damals seine Probleme mit Washington ein). Auch Landeswährungen und sogar ein Tauschsystem sollen im Warenverkehr zum Einsatz kommen.

In einem am 10. September 2018 erschienenen Bericht von PressTV mit dem Titel „Irak nimmt US-Dollar offiziell aus dem Handel mit dem Iran heraus“ heißt es:

„Der US-Dollar wurde aus der Liste der Währungen gestrichen, die Iran und Irak in ihren Handelsgeschäften verwenden. Stattdessen sollen Euro, iranischer Rial und irakischer Dinar bei Finanztransaktionen zum Einsatz kommen, wie Yahya Al-e Es’haq, der Leiter der iranisch-irakischen Handelskammer, lokalen Medien bekannt gab.“8

Nicht nur die Regierungen von Iran und Irak umgehen den Dollar im Handel – auch Kaufleute haben bereits mit Tauschgeschäften begonnen.

Indien und Iran wollen im Erdölhandel auf den Dollar verzichten

Ein weiteres Land, das den Dollar umgehen will, ist Indien. Künftig wollen die Inder iranische Erdölimporte in Rupien bezahlen, um amerikanische Wirtschaftssanktionen zu meiden. RT.com berichtet:

„Im Rahmen der Vereinbarung sollen Erdölzahlungen über die im Besitz des indischen Staates befindliche UCO Bank getätigt werden, die keine Geschäfte mit den USA tätigt. Die Staaten diskutieren auch über ein Tauschsystem, um den US-Sanktionen so zu entgehen.“9

Indien erwarb im vergangenen Geschäftsjahr (laut SputnikNews.com „bis März 2018“) die Rekordmenge von 27,2 Millionen Tonnen iranischem Rohöl – das war ein Anstieg von 114 Prozent. Die indische Außenministerin Sushma Swaraj sagte, dass ihr Land die amerikanischen Handelssanktionen gegen den Iran ignorieren würde:

„Indien wird sich an Sanktionen der Vereinten Nationen halten, aber nicht an irgendwelche landesspezifischen Sanktionen.“10

Pakistan kooperiert stärker mit China

Vergangenen Dezember gab der neue pakistanische Premierminister Imran Khan der Washington Post ein Interview über Pakistans Beziehung zu den USA und die sich vertiefende Beziehung seines Landes zu China.11

Auf die Frage nach den künftigen Beziehungen zu den USA und China antwortete Khan mit Fakten über die tatsächlichen Ereignisse in Pakistan und sagte:

„Ich möchte keine Beziehung haben, in der Pakistan wie ein Söldner behandelt wird, der Geld bekommt, um den Krieg anderer zu führen. Wir sollten uns nie wieder in diese Lage bringen lassen. Dieses Verhalten hat uns nicht nur Menschenleben gekostet und zur Vernichtung unserer Stammesgebiete geführt, sondern wir haben dadurch auch unsere Würde eingebüßt.“

Am 17. Dezember 2017 hieß es im Reuters-Artikel „Pakistan erwägt Plan, im Handel mit China Yuan zu verwenden“, dass Pakistan den Vorschlag prüfe, in naher Zukunft bei Handelsgeschäften den Dollar durch die chinesische Währung zu ersetzen.12

Besonders beunruhigend für Washington sind die Zusammenarbeit zwischen China und Pakistan sowie die daraus entspringenden Projekte im Rahmen des chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridors (China-Pakistan Economic Corridor; CPEC). China hat sich bereits verpflichtet, zur Finanzierung des CPEC umgerechnet 57 Millionen Dollar in Pakistan zu investieren – als Teil der „One Belt, One Road“-Initiative Pekings, die eine neue Seidenstraße mit Handelsrouten auf dem Land- und Seeweg über mehr als 60 Länder in Asien, Europa und Afrika anstrebt.

EU wird kein eigenes Zahlungsverkehrssystem einführen

Einige Staaten der Europäischen Union wären durchaus bereit, vom Dollar Abstand zu nehmen. Das schreibt zumindest Jim Rickards, der Autor des Buchs „Währungskrieg. Der Kampf um die monetäre Weltherrschaft“. In einem seiner aktuellen Artikel befasste er sich mit dem Thema, welche Maßnahmen zur Einrichtung eines EU-basierten Zahlungsverkehrssystems innerhalb der EU gerade geprüft werden. Dieses System sollte vom US-dominierten SWIFT-System (SWIFT = Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunications) für Finanztransaktionen unabhängig sein.

In Rickards Artikel mit dem provokanten Titel „Die Welt verbündet sich gegen den Dollar“ heißt es:

„Die USA waren mit ihrer finanziellen Kriegsführung, einschließlich diverser Sanktionen, höchst erfolgreich. Doch auf jede Aktion folgt eine entsprechende Reaktion. Je öfter die Vereinigten Staaten ihre Dollar-Waffe einsetzen, desto härter arbeitet der Rest der Welt daran, den Dollar völlig zu meiden.“13

Der deutsche Außenminister Heiko Maas forderte vor Kurzem ein neues, EU-basiertes Zahlungsverkehrssystem, das von den USA und SWIFT unabhängig sein und keine Zahlungen in US-Dollar erfordern soll.

Rickards beschreibt das SWIFT-System als „Nervenzentrum des globalen Finanznetzwerks. Alle großen Banken überweisen alle großen Währungen mithilfe des SWIFT-Nachrichtensystems. Schneidet man ein Land von SWIFT ab, dann nimmt man ihm die Luft zum Atmen.“

In Anbetracht der Tatsache, dass sich das vereinte Europa in Sachen Außenpolitik und Wirtschaft stets wie das Schoßhündchen der Vereinigten Staaten verhält, wäre es schon ein riskanter Drahtseilakt für Europa, ein neues Zahlungsverkehrssystem einzuführen, ohne damit die USA zu verärgern. Man sollte also nicht damit rechnen, dass die europäischen Staaten ein System einführen werden, das die wirtschaftliche Vorherrschaft Washingtons über die europäischen Märkte ernsthaft gefährdet.

Russland hat es jedoch bereits geschafft, sich vom SWIFT-System zu befreien und stattdessen das SPFS (System for Transfer of Financial Messages) zu verwenden. RT.com schreibt dazu:

„Das russische Geldüberweisungssystem, das als Alternative zu SWIFT entwickelt wurde, ist heute schon beliebter als das alte weltweite Netzwerk, sagte Anatoli Aksakow, der Vorsitzende des russischen Parlamentsausschusses für Finanzmärkte.

Er erklärte, dass Moskau bereits mit chinesischen, türkischen und iranischen Finanzaufsichtsbehörden darüber verhandle, wie man das russische System for Transfer of Financial Messages (SPFS) in die Zahlungsverkehrssysteme der betreffenden Länder integrieren könne.“15

SWIFT ist ein System, das Finanzinstitutionen Informationen über finanzielle Transaktionen in einer gesicherten Umgebung senden und empfangen lässt und auf dem Dollar-System aufbaut. Gleichzeitig missbrauchen die Vereinigten Staaten SWIFT aber auch als ein Werkzeug dazu, anderen Ländern ihre außenpolitische Agenda aufzuzwingen. So schlossen die USA beispielsweise zwischen 2014 und 2015 mehrere russische Banken aus dem SWIFT-System aus, weil die amerikanisch-russischen Beziehungen zu dieser Zeit auf einem Tiefpunkt angelangt waren. 2018 drohten die USA China mit einem Verbot der Nutzung des Systems, wenn die Chinesen sich weigern sollten, die UN-Sanktionen gegen Nordkorea einzuhalten.

Diese Handlungsweise der USA hat China und Russland auch dazu gebracht, im Lauf der letzten paar Jahre ihre Goldreserven aufzustocken, um nicht so sehr auf den Dollar angewiesen zu sein und Problemen für ihre Finanztransaktionen auszuweichen, die über ein von den USA dominiertes Zahlungsverkehrssystem abgewickelt werden müssen. Wer kann ihnen das verdenken?

Werden die USA einen neuen großen Krieg anzetteln?

Im 3. Weltkrieg wird es darum gehen, die Macht des US-Dollars zu erhalten. Die Interessen der Großkonzerne, das Establishment aus Washington und London, die Banken und die mit den USA verbandelten Finanzeliten – sie alle hängen von der Stärke des Dollars ab.

Der Dollar ist das Rückgrat. Er ist das Mittel, mit dem Washington seine durch militärische Macht gestützte geopolitische Vorherrschaft über die Wirtschaft und die Bodenschätze der Welt weiterhin behaupten will. Der Dollar verleiht Washington die Macht, souveräne Staaten mit wirtschaftlichen Sanktionen einzuschüchtern, um so auf direktem oder indirektem Weg ihre Politik und Wirtschaft im Sinne der USA zu beeinflussen – nicht mehr und mit Sicherheit auch nicht weniger. Dies alles sind Gründe dafür, dass immer mehr Länder den US-Dollar aufgeben. Und das wiederum wird zu einem neuen Weltkrieg führen, der wahrscheinlich mit einem Land beginnen wird, das große Erdölvorräte hat – wie zum Beispiel Venezuela oder der Iran.

Quelle: Silent Crow News, 31.01.19, https://tinyurl.com/yyqam27l (Beitrag wurde redaktionell bearbeitet)

Endnoten

  1. „US economy about to collapse, taking down dollar & American standard of living – Peter Schiff“ auf RT.com, 24.10.18; https://on.rt.com/9h52
  2. Smart, S.: „The Future of the Dollar—and Its Role in Financial Diplomacy“ auf NationalInterest.org, 16.12.18, S. 2; https://bit.ly/2lHM5TQ
  3. Mahmoud Ahmadinejad (@Ahmadinejad1956) auf Twitter.com, 06.08.18; https://bit.ly/2kCnXSp
  4. O’Connor, T.: „Russia and China Think U.S. Dollars are Ruining the World, so They’re Finding a New Way“ auf Newsweek.com, 21.09.18; https://bit.ly/2kERMlb
  5. „Russia liquidates nearly all its holdings of US debt & invests money in gold“ auf RT.com, 18.10.18; https://on.rt.com/9gr3
  6. „Dollar monopoly slips as China & Japan dump US Treasuries“ auf RT.com, 17.10.18; https://on.rt.com/9gni
  7. „Russia & Syria to dump dollar in mutual trade, agree joint energy projects“ auf RT.com, 14.12.18; https://on.rt.com/9khr
  8. „Iraq officially removes US Dollar from Iran trade“ auf PressTV.com, 10.09.18; https://bit.ly/2ksYrPD
  9. „India & Iran drop dollar in oil trade to bypass US sanctions – report“ auf RT.com, 30.05.18; https://on.rt.com/96fp
  10. Ebd.
  11. Weymouth, L.: „Pakistani leader to the U.S.: We’re not your ‚hired gun‘ anymore“ auf WashingtonPost.com, 06.12.18; https://wapo.st/2lHk4fe
  12. „Pakistan considering plan to use yuan in trade with China“ auf Reuters.com, 19.12.17; https://reut.rs/2maxK2x
  13. Rickards, J.: „The World Is Ganging up Against the Dollar“ auf DailyReckoning.com, 27.08.18; https://bit.ly/2kCMzdJ
  14. Ebd.
  15. „Russia’s alternative to SWIFT payment system poised to eclipse the original – MP“ auf RT.com, 02.11.18; https://on.rt.com/9hs2