NEXUS Magazin: https://www.nexus-magazin.de/artikel/lesen/erfahrungen-im-plasmaraum-teil-5-bingo


Erfahrungen im Plasmaraum, Teil 5: Bingo!

Endstation im Kopfbahnhof: Die Reise unseres Chefredakteurs durch die deutschen Plasmabetten entpuppt sich als eine Reise zu sich selbst. Auf leisen Sohlen legen sie etwas frei, das die ganze Zeit vor seinen Augen lag.


„Herr Wagner! Ich bin Ihnen so dankbar, dass Sie das in die Welt gebracht haben!“

Ich kenne die Dame nicht, aber sie fällt mir direkt um den Hals. Dass sie hier in Wriezen ist, weil ihre Parkinsonerkrankung immer schlimmer wird, sehe ich ihr im Moment nicht an. Ihre Augen leuchten, ihr Teint strahlt. Beschwingt willigt sie in ein Interview ein.

„Mir wurde von ärztlicher Seite 2016 Parkinson diagnostiziert. Ich tue mich noch immer sehr schwer damit, das anzunehmen. Da ich eine Aversion gegen Medikamente habe, hat mich das in einen Konflikt mit mir selbst gestürzt. Das ging so weit, dass ich über zwei Monate einen totalen Entzug gemacht habe – und dann in der Charité gelandet bin, weil ich meinen Zustand keinem in meinem engen Umfeld mehr zumuten konnte.“

Inzwischen habe sie das Parkinsonmedikament Levodopa „so halbwegs angenommen“, aber den „Agonisten“, den sie auf Rat des Arztes dazu einnehmen sollte – ein Medikament, das die Nebenwirkungen von Levodopa abschwächt, aber neue mit sich bringt –, hat sie abgelehnt. „Bauchgefühl“, sagt sie.

„Dann kam die Kokolores-Krise und der 16. März 2020. Ich erinnere mich genau an diesen Tag, denn da gab es für mich noch einen Riesengong. Ausschlaggebend war ein Geschwistergespräch, das hat mich völlig ausgehebelt. Ich habe einfach gefühlt, dass da etwas mächtig Arges auf uns zukommt, und das wollte ich von meinen engsten, liebsten Menschen abhalten. Aber ich bin kläglich gescheitert.“

Ihre Trauer sitzt tief. In der „Kokolores-Zeit“ hat sie in ihrer Familie erlebt, was viele Kritiker erfahren haben: Ihre Meinung war unerwünscht, sie wurde ausgegrenzt. Denn es gab ja nur die eine Wahrheit.

„Ich kam dann ganz schön in die Bredouille. Alles, was für mich wichtig war, ist eingestürzt. Ich konnte auch nicht mehr die Dinge tun, die mir Kraft gaben. Kein Enthusiasmus mehr, keine Konzentration. Kein Konzept griff mehr richtig.“

Die Geschichte, die ihr widerfahren ist, höre ich nicht zum ersten Mal: Da sie in ihrer alten Welt keinen Fuß mehr fassen konnte, fand sie eine Gruppe von Dissidenten, in der sie über alles reden konnte. Man machte sich Mut, tauschte sich aus, half einander.

Auf der Spur einer Wirklichkeit abseits vom Konsens war sie schon länger, Corona wirkte wie ein Katalysator. Da sie das, was sie tatsächlich dachte, in ihrem familiären Umfeld verschwieg, musste sie in der neuen Gruppe erst einmal neu lernen zu reden. „Für mich ging da eine Sonne auf.“ Noch immer trifft sie sich mit vier Damen, die sich aus der Gruppe herauskristallisiert haben. Interessant sind für die vier vor allem alternative Heilverfahren: Meerwasser, Heilpilze, Kolloide … über alles tauschten sie sich aus, und irgendwann hatte jede ihr Steckenpferd. Bei ihr waren es Keshe und das Plasmawasser. Sie war begeistert, las und notierte sich viel, konnte es aber aufgrund ihres Zustandes nicht selbst herstellen. Schließlich landete sie in Wriezen und kommt inzwischen jede Woche.

„Wie war dein Zustand?“, frage ich. „Ist er noch genauso schlimm? Hat sich was getan?“

„Die Tage sind generell sehr unterschiedlich“, sagt sie. „Ich kann mich nicht auf die Medikamentation verlassen, insofern ist jeder Tag ein neuer, ganz anderer. Am Anfang, als wir hierhergefahren sind, konnte ich ganz schwer im Auto sitzen, das war eine echte Herausforderung. Und obwohl ich immer wieder diese Einbrüche habe, ist das kein Vergleich mehr zu heute. Als ich hierhergekommen bin, hatte ich verdammt starke Krämpfe, Schmerzen im Körper, an verschiedenen Stellen. Das ist weniger geworden. Auch die Übergänge zwischen den Phasen, die Medikamenteneinnahme, die Wirkungszeit, das ist angenehmer, besser geworden.“

„Hast du auch emotional oder geistig eine Veränderung gespürt?“

„Ich kann mich besser konzentrieren, und ich habe Zuversicht. Auch die Gespräche hier sind sehr wichtig für mich. Das, was ich über das Plasma erfahren habe, wie man gezielt damit arbeiten und Einfluss nehmen kann, das hat mir unwahrscheinlich Auftrieb gegeben. Ich habe ja bisher alles Mögliche gemacht – Sanierungen von Darm, Niere, Galle, Leber – und war auch immer sehr konsequent dabei. Aber es hat mich nie merklich aus dieser Krise geführt. Es gab immer wieder Veränderungen, aber das, was hier passiert, die Möglichkeiten, das Wissen, das überzeugt mich total. Und ich glaube immer noch fest daran, dass der Tag kommt, wo es den Knall gibt und ich frei bin.

Oh, und gerade fällt mir noch eine Sache ein, über die ich noch gar nicht gesprochen habe: die Träume. Ich fange wieder an, farbig zu träumen. Das ist, als stehe ich in einer Welt, die so nah, so lebendig ist wie die echte. Es ist ganz kurz, als würde ein Schleier weggehen. Letzte Nacht habe ich zum Beispiel vom Plasmaraum geträumt, als wäre ich hier in diesen Räumen gewesen.“

„Wie steht es mit der allgemeinen Vitalität?“

„Ich habe ja wöchentlich Physiotherapie und Ergotherapie. Das sind so 250 Meter zu Fuß bis dahin – und die bin ich jetzt mal durchgerannt. Eine Zeit lang konnte ich nur 10, 20 Meter rennen, aber jetzt hat es einfach so funktioniert, die Motorik war wieder da. Ich war ja früher Sportlerin …“

Hinter den Worten schwingt ihr Weg, ihr Schicksal, was sie seit Jahren durchmacht. Noch einmal quillt aus ihr, wie weh es ihr tut, dass sie mit den ihr nächsten, liebsten Menschen in kein Gespräch mehr kommen kann. Mir kommt in den Sinn, dass sie „implodiert“ ist – ihre Hilflosigkeit angesichts der Situation, das Verschweigen des Offensichtlichen. Könnte das nicht etwas mit ihrer Krankheit zu tun haben? Hält sie so verbissen in ihrem Innern an etwas fest, dass es zu Muskelzuckungen kommt? Würde sie nicht am liebsten laut schreien?

Wir unterhalten uns eine gute Stunde, in der ich nichts von ihrer Krankheit mitbekommen habe. Doch langsam, Stück für Stück, schleicht sich der Zustand zurück. Ein leichtes Zucken ihrer Lippen, ein Wackeln ihres Kopfes. „Was ist das?“, frage ich mich. Gerade aus dem Plasmabett heraus, in ihrer Dankbarkeit, im Erzählen über die Lösung und die Hoffnung, schien alles wie weggepustet … und mit den Gedanken daran, wie schlimm es ihr ging, wie die Coronazeit auf sie wirkte, kommt das Zittern wieder.

Ich bedanke mich herzlich für ihren Bericht, umarme sie und wünsche ihr das Beste für den weiteren Weg. Natürlich gibt mir das zu denken: Das Plasmabett scheint ihren Zustand weicher zu machen, zu glätten – aber löschen kann es ihn offenbar nicht. Jedenfalls nicht in einer Sitzung. Aber mich beschäftigt auch, wie stark ihre Gefühle waren: Als die Familie sie ausgrenzte, hat sie nichts dazu gesagt, kein Wort! Mich macht allein die Vorstellung krank, so starke Gefühle zu schlucken …

Begegnung mit einem Lichtwesen

Ein paar Minuten später sitzt mir die Besitzerin des Plasmabetts gegenüber. Des Plasmabetts? Nun, inzwischen hat sie ein zweites aufgestellt, daher bin ich hier. Noch immer folge ich meinem Vorhaben, alle in Deutschland aufgebauten Plasmabetten zu besuchen – und hier in Wriezen (siehe NEXUS 122) ist noch eines hinzugekommen. Das ist vor allem dem Andrang geschuldet: Das erste Bett wird so gut besucht, dass sie es kaum noch privat nutzen kann. Als ich vor knapp einem halben Jahr zu Besuch war, war die Zeit zu knapp für ein Interview, jetzt haben wir sie. Ich möchte mehr über ihre Motivation erfahren, ein paar Erfahrungen hat sie sicher auch gesammelt. „Wie kommt es, dass man sich gleich zwei Betten anschafft?“, frage ich.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 125 lesen.

Printausgabe und E-Paper erhalten Sie im Shop ... dort können Sie unser Heft auch abonnieren.