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Geister in unseren Zellen

geistzellenHaben Sie es doch gewusst, unsere Ahnen: Intimität schafft dauerhafte energetische Verbindungen. Und die lassen sich neuerdings sogar in der DNA nachweisen. Die Forschungszweige tragen so illustre Namen wie Telegonie, Mikro­chimärismus und generationsübergreifende Epigenetik, meinen aber ganz konkrete Dinge: Der erste Liebhaber einer Frau kann Eigenschaften auf den mit einem anderen Mann gezeugten Nachwuchs übertragen; Zellen des Fötus finden sich noch Jahrzehnte später im Körper der Mutter; erworbene Eigenschaften können über zig Generationen via DNA weitergereicht werden. Die Erkenntnisse rücken traditionell überliefertes Wissen in ein neues Licht.


Haben Sie sich je gefragt, ob das Echo früherer Liebhaber oder Partner in Ihnen nachhallt? Die moderne Wissenschaft offenbart verblüffende Beweise dafür, dass sexuelle Beziehungen bleibende biologische Spuren hinterlassen und vielleicht sogar künftige Generationen beeinflussen. Schon in alten Kulturen und esoterischen Lehren fanden sich Hinweise darauf, dass Intimität dauerhafte Bindungen schafft: energetische Prägungen, die über den Augenblick hinaus bestehen bleiben. Heute werden diese uralten Intuitionen wiederbelebt – durch aktuelle Forschungen zu Themen wie Telegonie, Mikrochimärismus, generationsübergreifender Epigenetik und genetischer Kommunikation zwischen Arten.

Die neuesten Entdeckungen führen uns von Fruchtfliegen zu Fadenwürmern, von menschlichen Zellen zu Pflanzenvesikeln, um die komplexen Verbindungen zwischen all diesen Dingen zu offenbaren. Der „Geist“ des ersten Liebhabers im Nachwuchs, die im Körper einer Frau verweilende männliche DNA, vom Soma zur Keimbahn übertragene RNA-Botschaften und die Jahrhunderte überspannende Erinnerung an Vorfahren: Diese Erkenntnisse stellen vieles infrage, was wir über Vererbung, Identität und den heiligen Austausch sexueller Energie wissen.

Der bleibende Einfluss des ersten Liebhabers

Jahrtausendelang glaubten die Menschen, dass die bisherigen Liebhaber einer Frau einen Einfluss auf ihre späteren Kinder haben – eine Theorie, die alsTelegoniebekannt ist. Aristoteles schrieb darüber, und im gnostischen Philippusevangelium wird erwähnt, dass Eindrücke früherer Partner sogar dieGedankeneiner Frau formen könnten. Im 20. Jahrhundert fiel diese Idee in Ungnade und wurde als Volksmythos ohne genetische Grundlage abgetan. 2014 tauchte die Telegonie dann jedoch in einer bemerkenswerten Studie im JournalEcology Letterswieder auf – und wurde bei Fruchtfliegen bestätigt.

Die Forscher hatten herausgefunden, dass das erste Männchen, das sich mit einer weiblichen Fliege paarte, dem von einem späteren Männchen gezeugten Nachwuchs tatsächlich seine eigenen Eigenschaften aufprägen konnte. Bei den Experimenten paarten sich weibliche Fliegen zuerst mit einem Männchen, das mit einer speziellen Ernährung (reichhaltig oder mangelhaft) aufgezogen worden war, und zwei Wochen später mit einem zweiten Männchen, das Nachwuchs zeugte. Das zweite Männchen war der genetische Vater von nahezu allen Nachkommen, doch die Körpergröße dieser Nachkommen wurde von Ernährung und Zustand des ersten Männchens bestimmt. War es groß und gut genährt, so waren auch künftige Nachkommen der weiblichen Fliege größer; war es klein, dann galt dies auch für den späteren Nachwuchs. Der erste Sexualpartner hinterließ also etwas in den Fortpflanzungsorganen der Mutter, das die Entwicklung des Embryos beeinflusste, bevor die Gene überhaupt ins Spiel kamen.

Entscheidend ist, dass dieser Effekt nur auftrat, wenn eine Paarung stattfand. Das deutete darauf hin, dass etwas im Samen dafür verantwortlich sein musste. Die Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass nichtgenetische Faktoren aus dem Samen des ersten Männchens von den noch unreifen Eiern des Weibchens aufgenommen wurden und deren Entwicklung nach der Befruchtung durch ein anderes Männchen beeinflussten. Das heißt, dass Moleküle in der Samenflüssigkeit – ob RNA, Proteine oder andere epigenetische Faktoren – als Botenstoffe des Phänotyps des ersten Männchens dienten.

Diese Entdeckung „bestätigt die Möglichkeit einer Telegonie“ über transgenerationale, nicht-genetische Effekte. Die Phänotypen des Nachwuchses zeichneten sich durch eine Art „Phantomprägung“ eines früheren Paarungspartners aus. Das wirft die Frage auf, ob diese Prägung nicht nur bei Fruchtfliegen, sondern eventuell auch beim Menschen auftreten könnte – und so die alte Vorstellung wieder aufleben würde, dass der erste Partner einen bleibenden Eintrag hinterlässt.

Fragmente früherer Partner

Bei der Telegonie geht es um nichtgenetische Einflüsse auf Nachkommen, während derMikrochimärismuseine direktere Vermischung der Biologie von Sexual­partnern bezeichnet: die Anwesenheit einiger Zellen (oder von DNA) in einem Individuum, die von einem anderen Individuum stammen. So wechseln zum Beispiel während der Schwangerschaft einige Zellen vom Fötus in den Körper der Mutter über (und umgekehrt) und sind dort noch Jahrzehnte später zu finden.

Man fand männliche DNA in den Gehirnen von Frauen, die mehr als 70 oder 80 Jahre alt waren; vermutlich stammte diese DNA daher, dass diese Frauen Jahrzehnte vorher mit Söhnen schwanger waren. Solche von einer anderen Person zurückbleibenden Zellen können von verschiedenen Geweben aufgenommen werden und sind das biologische Erbe einer engen Beziehung.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 123 lesen.

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