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Gradido: Das kompletteste Geldsystem der Welt – oder bloß Sozialromantik?

GradidoBedingungsloses Grundeinkommen, Schwundgeld, Geldschöpfung ohne Banken – der Geldsystementwurf Gradido vereint vieles, was Kritiker des derzeitigen Geldsystems seit Langem bemängeln. Soll er realisiert werden, müssen wir komplett umdenken.


Vor ein paar Jahren brannte ich für alle Themen rund um das Geldsystem. Zusammenhänge, die heute alternativer Mainstream und für informierte Leser fast schon langweilig sind – das Bedingungslose Grundeinkommen, Zinseszinskritik, Freigeld oder den gesamten Themenkomplex rund um die Geldschöpfung –, saugte ich auf wie ein Schwamm. Damals stieß ich auf einen Ansatz, der mich bis heute fasziniert, weil er das Beste aller Welten zu kombinieren schien: Gradido.

Für meine Masterarbeit „Bedingungsloses Grundeinkommen und Freiwirtschaftslehre“ bestellte ich das kostenfreie Gradido-Buch. Als ich es ausgepackt hatte und in den Händen hielt, bekam ich Herzklopfen und ein Hochgefühl, das mir sagte: Hier hast du etwas Besonderes gefunden! Tatsächlich hat mich das Konzept so beeindruckt, dass ich es neben der Masterarbeit sogar in mein Kinderbuch „Der Planet der Wünsche“ eingebaut habe.

Inzwischen ist einige Zeit ins Land gegangen, in der das Projekt von seinen Gründern Bernd Hückstädt und Margret Baier weiter vorangetrieben wurde. In diesem Artikel will ich zunächst schildern, was mich an dem Entwurf so beeindruckte, um anschließend in einem Interview mit Bernd Hückstädt auf die aktuellen Entwicklungen einzugehen. Dabei sollen auch die nötigen kritischen Fragen gestellt werden.

Die einzelnen Bestandteile von Gradido

Am Anfang meiner Recherche rund um Finanzthemen stand das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Ich sah und sehe nicht ein, dass die Produktivität in Deutschland immer weiterwächst, aber dennoch immer weniger Menschen am wachsenden Wohlstand teilhaben können und in soziale Schwierigkeiten geraten. Der Zugang zu diesem Wohlstand läuft auch heute noch über den Arbeitsmarkt; der wird jedoch aufgrund von Automatisierung und Digitalisierung immer enger. In dem Grundeinkommen sehe ich eine unbürokratische und relativ leicht umsetzbare Möglichkeit, die Menschen am weltweit wachsenden Reichtum zu beteiligen – jedenfalls erscheint es mir einfacher und zeitgemäßer als ein aufgeblasener und verschachtelter Sozialstaat. Das Grundeinkommen ist wichtiger Bestandteil des Geldsystems Gradido.

Doch wer tiefer in den Themen Geld und Finanzen gräbt, stößt früher oder später auf die Erkenntnis, dass die Ansichten darüber, wie das ideale Geld aussehen sollte, sehr vielfältig sind. Zumindest ist es für viele nicht damit getan, jeden Menschen durch ein Grundeinkommen mit ausreichend liquiden Mitteln zu versorgen. Entscheidend ist ebenfalls, was mit dem durch ein Grundeinkommen in Umlauf gebrachten Geld geschieht.

Besonders fasziniert hat mich hier der Ansatz der Freiwirtschaftslehre und dessen Idee von Freigeld bzw. Schwundgeld. Prägend in meinen Nachforschungen war der emeritierte Professor Bernd Senf, der mir das Schwundgeldkonzept schmackhaft machte.

Senf ist ein Verfechter der Zinskritik. Durch Zins und Zinseszins, so die Argumentation, hätten Geldbesitzer einen unfairen Vorteil gegenüber Warenbesitzern. Diese müssten Kosten für die Lagerung und Pflege der von ihnen hergestellten Güter aufbringen oder wären gezwungen, diese innerhalb eines gewissen Zeitraums zu verkaufen. Geldbesitzer hingegen müssten nichts weiter tun, als ihrem Geld beim Wachsen zuzusehen. So müsse etwa ein Apfel verkauft werden, bevor er verfault. Geld jedoch würde durch die Zinsen von alleine immer weiterwachsen.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 92 lesen. Die Ausgabe können Sie hier erwerben.