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Peer Review in der Krise

peeIn jüngster Zeit standen die Schwachstellen des Peer-Review-Systems im Mittelpunkt einer Vielzahl kritischer Leitartikel und Studien in der Fachpresse. Es ist höchste Zeit, dass die Welt den Worten der Kritiker Gehör schenkt, nicht zuletzt aufgrund der Auswirkungen auf Medizin und Gesundheitswesen.


„Die Wissenschaft wird heute auf ein Podest gestellt. Wir haben eine neue Religion, deren Hohepriester heilige Rituale vollziehen – mit Atomreaktoren, Raketen zur Erforschung des Mondes, Kathodenstrahlröhren und Laserstrahlen. Die Welt dieser Hohepriester ist unantastbar, Laien bleibt der Zutritt zu ihr verwehrt.“

Bruce Cathie, The Energy Grid

Das Konzept der Peer Review – der Begutachtung einer wissenschaftlicher Arbeit durch Fachkollegen – genoss in der wissenschaftlichen Welt lange einen besonderen Stellenwert. Recherchen zu unterdrückten Innovationen, Erfindungen, Behandlungsmethoden, Heilmitteln und Ähnlichem haben jedoch sehr schnell gezeigt, dass das Peer-Review-System vor allem eines unbestreitbar besser beherrscht als jedes andere System: Zensur. Zensiert wird hier alles: von konträren Standpunkten bis hin zu Erfindungen, die bevorzugte Dogmen, Produkte oder Dienstleistungen obsolet machen (wirtschaftliche Bedrohungen). Und wie viele Wissenschaftler leidvoll erfahren mussten, besteht das Problem fast überall.

In Wahrheit ist das systematische Versagen der Peer Review eines der großen, unbequemen offenen Geheimnisse der Wissenschaft. Dr. David Kaplan sagte darüber:

„Die wissenschaftliche Fachbegutachtung ist bekannt dafür, Vorurteile, Inkompetenz, übertriebene Kosten, Ineffizienz und Korruption entstehen zu lassen. Unzählige Publikationen haben die Mängel dieses Systems aufgezeigt.“ 1

Der australische Sozialwissenschaftler Brian Martin führt in seinem exzellenten Artikel „Strategien für andersdenkende Wissenschaftler“ aus:

„Bestimmte Arten von Innovationen sind in der Wissenschaft durchaus willkommen, solange sie innerhalb des etablierten Rasters stattfinden und keinerlei persönliche Interessen verletzen. Doch außerhalb dieser Art routinemäßiger Innovation weist die Wissenschaft frappante Ähnlichkeit mit dogmatischen Systemen auf: Andersdenkende sind unerwünscht. Sie werden ignoriert, abgelehnt und manchmal sogar angegriffen.“ 2

Wal Thornhill ist einer der Kritiker der Urknalltheorie und forscht an seiner Theorie des elektrischen Universums. Er sagte in einem Interview ganz offen, dass das Peer-Review-System auf Zensur hinauslaufe. Sein Wissenschaftlerkollege Gary Novak pflichtet ihm bei:

„Peer Review ist Zensur, und Zensur ist Zwangsherrschaft über den Geist. Zensur reinigt nicht, sie korrumpiert […] Eine Menge wissenschaftlicher Müll und Unsinn durchläuft einen Peer-Review-Prozess.“ 3

Brian Martin stellt uns in seinem Artikel die rhetorische Frage:

„Welche Vorteile haben [Wissenschaftler] davon, einem Außenseiter zu helfen? Höchstwahrscheinlich wird sich die vermeintliche Entdeckung unter den üblichen Gesichtspunkten als sinnlos oder falsch herausstellen. Hat der Außenseiter aber tatsächlich etwas Neues entdeckt, bedeutet das, diese Person erhält Anerkennung auf Kosten der in dem Bereich etablierten Forscher, die oft bereits jahrelang an konventionellen Ideen gearbeitet haben.“ 4

Genau das ist das Problem, soll die Wissenschaft sich weiterentwickeln und ein Paradigmenwechsel stattfinden. Ein Paradigma ist immer nur so formbar (oder veränderbar) wie die Köpfe und Egos, die es vertreten.

„Experten“ als Problem

Tatsächlich sind Wissenschaftler – genauso wie Laien – ausgesprochen empfänglich dafür, in ihren Lieblingstheorien oder Meinungen verhaftet zu bleiben, besonders wenn diese öffentlich Zuspruch erhielten, offiziell anerkannt wurden oder in einer finanziellen Zuwendung resultierten. Wissenschaftler sind emotional genauso beeinflussbar wie Laien und verfügen häufig über ein enormes Ego – was teilweise ihrer „Expertise“, ihren akademischen Titeln, Qualifikationen, Theorien und so weiter geschuldet ist.

Haben diese übergroßen Egos – die meist bei sogenannten „Experten“ zu finden sind – einmal eine Machtposition erreicht und/oder Einfluss gewonnen, können sie den wissenschaftlichen Fortschritt ausbremsen und dem Verständnis neuer Entdeckungen oder Theorien Steine in den Weg legen. Das gilt besonders, wenn sie schlussendlich als wissenschaftliche Fachbegutachter von Publikationen auf höchstem Niveau fungieren. In dieser Funktion werden viele von ihnen zu bloßen „Türstehern“. Sie versuchen nicht, wissenschaftliche Innovationen oder grundlegende, unser Weltbild verändernde Entdeckungen zu fördern, sondern wollen den Status quo erhalten, dem sie diese Positionen überhaupt erst verdanken.

In seinem hervorragenden Buch „Doctoring Data“ schreibt Dr. Malcolm Kendrick, dass „jeder, der auf einem medizinischen Fachgebiet als ‚Experte‘ gilt, per definitionem sämtliche dort vorherrschenden Dogmen unterstützt“.5 Bei näherer Analyse der Machtverhältnisse in der Medizin bestätigt sich diese Aussage.

Betrachten wir zum Beispiel die folgenden Worte von Richard Horton, Chefredakteur des Wissenschaftsjournals The Lancet:

„Der Fehler liegt selbstverständlich darin zu glauben, Peer Review sei mehr als nur eine simple Methode zur Überprüfung der Akzeptanz – nicht der Validität – neuer Erkenntnisse […] In der Öffentlichkeit wird die Fachbegutachtung immer als mehr oder weniger unantastbarer Prozess dargestellt, der dazu beiträgt, dass die Wissenschaft die objektivste Form der Wahrheit repräsentiert. Doch wir wissen, dass das Peer-Review-System vorurteilsbehaftet, ungerecht, unverantwortlich, unvollständig, teilweise starr, oft beleidigend, meistens ignorant, gelegentlich dumm und häufig voller Irrtümer ist.“ 6 (Hervorhebungen durch den Autor)

Peer Review als „quasi unantastbarer“ Prozess, der angeblich irgendwie die Dummheiten und Fehler der menschlichen Natur überwindet, hat mittlerweile den Status eines heiligen Rituals erreicht. Haben die Begutachtungspriester die Publikation abgesegnet? Peer Review wird nicht nur für pragmatisch, nützlich und funktionell gehalten (was der Prozess definitiv nicht ist), sondern für eine transzendente, fast magische, ordnende Kraft in den heiligen Elfenbeintürmen der Wissenschaft. Eine Kraft, die dank der Tugend der als „Wissenschaftler“ oder „Experten“ hoch qualifizierten Personen auch keinerlei menschlichen Schwächen zum Opfer fällt.

Wissenschaftler sind natürlich keine normalen Menschen – sie sind etwas Anderes, Größeres, Reineres, etwas, das ein Laie niemals sein kann. Studenten machen auf ihrem Weg durch die verschiedenen Lehrinstitutionen eine magisch-alchemistische Metamorphose durch und gehen mit ihren Abschlüssen als Doktor oder Master, ihren Stethoskopen und Gleichungen völlig verändert aus ihrem Studium hervor. Sie sind die Auserwählten, die Reinen, die Heiligen, die Erlöser und Gerechten. Sie müssen dem niederen, nicht der Wissenschaft angehörigen Pöbel nicht Rede und Antwort stehen – und schon gar nicht den ungläubigen Ketzern.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 78 lesen. Die Ausgabe können Sie hier erwerben.