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Vor uns die Sintflut

sintflutAls Mäuse, Marder und Schlangen in Scharen die Stadt verlassen, wundern sich deren Bewohner nur. In der darauffolgenden Nacht kommt das Beben, dann die Stille … und schließlich die Flutwelle, die das antike Helike unter sich begräbt – samt zehn spartanischen Schiffen, die zufällig vor Anker liegen. Helike ist kein Einzelfall: Sahul in Australien, Doggerland in der Nordsee, die Shetlandinseln und selbst die Gegend um den Genfer See – nach der großen Sintflut vor rund 12.000 Jahren gab es immer wieder lokale Naturkatastrophen, die ganze Landstriche unter sich begruben. Sie sehen: Eine große Schlammflut ist nicht nötig – die Wissenschaft hat genug davon.


Wissenschaftler haben entdeckt, dass ganze Regionen und Teile früherer Kontinente am Ende der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren wegen des steigenden Meeresspiegels überschwemmt waren. Dieser Zeitraum überschneidet sich interessanterweise mit Platons Bericht über den verlorenen Kontinent Atlantis im Atlantischen Ozean, „jenseits der Säulen des Herakles“. Dieser legendäre Kontinent wurde bisher zwar noch nicht wieder aufgefunden, doch man hat viele andere versunkene Länder ausfindig gemacht und erforscht. Dazu gehören Doggerland in Nordeuropa, Sundaland (Sunda) in Südostasien, Sahul (Meganesien) in Australien/Neuguinea, Beringia und andere verlorene Landstriche vor der Küste Japans und in der Karibik. Ob diese Länder durch langsam ansteigende Überschwemmungen oder in dramatischem Tempo durch Tsunamis überflutet wurden, ist bislang noch ungeklärt.

Sahul

Sahul umfasste einst Australien, Tasmanien und Neuguinea. Neuguinea wurde vor 8.000 Jahren durch den steigenden Meeresspiegel vom Festland abgetrennt, Tasmanien vor etwa 6.000 Jahren, als die Bass-Straße entstand. Die eingeborenen australischen Küstenstämme erzählen sich bis heute Geschichten über die katastrophalen Überflutungen. Nick Reid und Patrick Dunn präsentierten 2015 bei einer Indigenenkonferenz in Japan eine Arbeit, in der 18 solcher Überschwemmungslegenden aus der australischen Küstenregion analysiert wurden.

Das Volk der Yidindji in Cairns erinnert sich an eine Zeit, als Fitzroy Island noch Teil des Festlands und Green Island viel größer war. Andere Stämme aus dem nördlichen Queensland können noch Geschichten ihrer Vorfahren wiedergeben, die an der Küste lebten, „wo heute das Great Barrier Reef steht“.

„Ähnliche Überlieferungen gibt es aus dem Spencer-Golf an der Südküste von Australien. Die Geschichten des Narungga-Stammes auf der Yorke-Halbinsel rufen eine Zeit in Erinnerung, als es noch keinen Spencer-Golf gab, sondern nur Marschland, das bis ins Landesinnere reichte‘, knapp höher als der Meeresspiegel lag und mit ,Süßwasserlagunen‘ übersät war, in denen sich Vögel und andere Tiere tummelten.

Eines Tages strömte das Meer herein, vielleicht wegen des Durchbruchs einer natürlichen Barriere, und seither liegt die Region unter Wasser.“ 1

2020 wurde bekannt, dass man die erste archäologische Unterwasserfundstätte der Aborigines an zwei Stellen vor der Küste der Pilbara-Region in Western Australia entdeckt hatte. Zu den Entdeckungen gehörten 269 Artefakte in Cape Bruguieres und eine 8.500 Jahre alte Süßwasserquelle in der Flying Foam Passage vor Dampier.

Mehrere Universitäten führten im Einvernehmen mit der Murujuga-Aborigine-Gesellschaft, die fünf traditionell für die Burrup-Halbinsel verantwortliche Gruppen vertritt, eine Forschungsarbeit mit dem Titel „Die tiefe Geschichte von Sea Country“ durch. Diese Arbeit erschien in der frei zugänglichen wissenschaftlichen Fachzeitschrift PLOS One.2

Doggerland

Doggerland war ein großer, bevölkerter Landstrich, der am Ende der Eiszeit vor rund 10.000 Jahren, als der Meeresspiegel um einiges niedriger war als heute, England mit dem europäischen Kontinent verband. In der Zeit vor 10.000 bis 7.000 Jahren wurde er wegen des steigenden Meeresspiegels überflutet und zerfiel zuerst in mehrere niedrig gelegene Inseln, bevor er total versank. Das überflutete Land ist heute als Dogger Littoral bekannt und wurde nach der Sandbank Doggerbank benannt.

Seit Jahrzehnten holen Fischer Überreste paläolithischer Tiere wie Mammuts aus der Nordsee, aber auch prähistorische Werkzeuge und Waffen, die aus dem Mesolithikum vor rund 9.000 Jahren stammen. Auch die Ostsee war zum Großteil Festland, bevor sie vor rund 8.000 Jahren überschwemmt wurde.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 123 lesen.

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