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NEXUS Magazin 34, April-Mai 2011

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Love, Peace und CIA: Die seltsame und größtenteils wahre Geschichte des Laurel Canyon und der Geburt der Hippie-Generation (Teil 1)

„There’s something happening here. What it is ain’t exactly clear.“
Buffalo Springfield: „For What It’s Worth“, 1967

Irgendetwas ging vor sich, an diesem lauschigen Ort am Rande von Los Angeles, an dem die Hippie-Bewegung geboren wurde: Laurel Canyon. Es war irgendetwas, das nicht ganz „klar“ war – und zwar nicht nur aufgrund der vielen Drogen, sondern auch wegen den sonderbaren militärischen und satanischen Hintergründen der Hippie-Helden.

Wie Barry Miles in seinem Bildband „Hippies“ festhielt, gab es zwar ein paar Hippies, die sich wirklich an Demonstrationen gegen den Krieg beteiligten:

„[…] vor allem 1968, nach dem brutalen Polizeieinsatz bei der Democratic National Convention in Chicago, bei dem so viele Menschen verletzt wurden – aber alles in allem betrachteten Friedensaktivisten die Hippies eher mit Geringschätzung“.

Der Schauspieler Peter Coyote, Sprecher der History-Channel-Dokumentation „Hippies“, drückte es so aus:

„Einige Linke hatten sogar die Theorie, dass die Hippies das Ergebnis einer CIA-Verschwörung waren, mit der die Antikriegs-Bewegung durch LSD kaltgestellt werden sollte – statt zu protestieren, betrieb man unter dem Einfluss der Droge lieber egozentrische Nabelschau.“

Und der verärgerte Aktivist Abbie Hoffman erinnerte sich später so an die damalige Situation:

„Es gab alle möglichen Aktivisten, von Radikalen aus Berkeley bis zu den White Panthers, die den Krieg beenden und die Welt verbessern wollten. Und plötzlich wurden wir von den ,Blumenkindern‘ überschwemmt, denen es nur um Sex und Drogen ging. Wo sind auf einmal all diese Hippies hergekommen, verdammt?!“

Wie wir bereits wissen, kamen sie (zumindest die ersten) aus einer eher abgeschiedenen, isolierten und fast autarken Wohngegend von Los Angeles, die als Laurel Canyon bekannt war. Im Gegensatz zu den anderen Schluchten, die die Hollywood Hills durchziehen, gibt es in Laurel Canyon einen eigenen Markt, den halbberühmten Laurel Canyon Country Store; ein Delikatessengeschäft und diverse chemische Reinigungen; eine eigene Volksschule, die Wonderland School; eigene Boutiquen und Schönheitssalons; und in jüngerer Zeit sogar eine eigene Umprogrammierungs-, Verzeihung, Entzugsklinik für Prominente, die – man höre und staune – Wonderland Center heißt. In seiner Glanzzeit hatte der Canyon sogar eine eigene Management-Firma, die die Künstler der Gegend betreute. Und einmal erschien dort sogar eine eigene Lokalzeitung …

Bevor ich fortfahre, möchte ich noch erwähnen, dass mir die Recherchen zu dieser Artikelserie gar nicht leicht gefallen sind; vor allem, weil ich die Musik und Kultur der Sixties mein ganzes Leben lang geliebt habe. Obwohl ich erst 1960 zur Welt kam und daher in den Siebzigerjahren den Kinderschuhen entwachsen bin, hatte ich immer das Gefühl, um etwas betrogen worden zu sein, weil ich keine Gelegenheit hatte, diese Zeit – für die ich ganz offensichtlich bestimmt war – selbst zu erleben. Während meiner High-School- und College-Jahre, als Gleichaltrige belanglose Kommerz-Rockmusik (Journey, Foreigner, Kansas, Boston usw.) oder grauenhafte New-Wave- und Disco-Musik hörten, spielte ich meine Hendrix-, Joplin- und Doors-Platten auf und ab. All diese Alben besitze ich bis heute auf Vinyl; mittlerweile gehören sie allerdings meiner ältesten Tochter. Und natürlich besaß ich damals auch eine Lichtorgel (erinnern Sie sich an die Dinger?), die abwechselnd mit meinen Schwarz- und Stroboskoplichtern mein Jugendzimmer psychedelisch beleuchtete. Ich hatte noch lange Haare, als andere in meinem Alter schon längst einen Kurzhaarschnitt trugen. Ja, vielleicht gab es sogar einen dieser Glasperlenvorhänge vor meiner Tür – obwohl es durchaus möglich ist, dass ich da mein eigenes Leben mit dem von Greg Brady aus der Fernsehserie „Drei Mädchen und drei Jungen“ durcheinanderbringe. (Wir erinnern uns: In einer Folge verwandelte Greg das Arbeitszimmer seines Vaters in eine coole Junggesellenbude …)

cielodrive

10050 Cielo Drive, Benedict Canyon.

Jedenfalls: Wie ich wahrscheinlich schon bei einigen anderen Gelegenheiten erwähnt habe, war einer der schwierigsten Aspekte meines Lebens in den vergangenen zehn oder mehr Jahren die Tatsache, dass ich mit ansehen musste, wie so viele meiner früheren Idole und Vorbilder auf der Strecke blieben. In dieser Zeit wurde mir zunehmend klarer, dass die Menschen, die ich einst für die Guten gehalten habe, in Wahrheit nicht besonders viel mit ihrem öffentlichen Image zu tun hatten. Die ersten, bei denen das offensichtlich wurde, waren natürlich die Mitglieder des Establishments – die Politiker, zu denen ich früher aufgesehen habe, weil ich dummerweise glaubte, sie kämpften für die gute Sache. Natürlich, sie mussten das innerhalb des Systems tun, aber immerhin wollten sie die Welt zum Besseren verändern. Es fällt mir schwer, das heute zuzugeben, aber früher habe ich Leute wie den demokratischen Präsidentschaftskandidaten George McGovern und Jimmy Carter bewundert, um Gottes willen! Ich war sogar ein Fan der kalifornischen Lokalpolitiker Tom Hayden und Jerry Brown. (Entschuldigen Sie mich bitte kurz – ich glaube, ich muss mich übergeben.) Vor vielen, vielen Jahren setzte ich sogar eine Menge Hoffnungen in Bill Clinton, als er gerade Präsident der Vereinigten Staaten werden wollte. Es ist kaum zu glauben, dass man solche Dinge schwarz auf weiß zugeben kann.

Apropos Jerry Brown alias „Gouverneur Mondstrahl“, wie ihn Linda Ronstadt in einem Interview scherzhaft nannte – da muss ich doch ein wenig abschweifen, so ungern ich das eigentlich tue. Wie das Leben so spielt: Auch Jerry Brown lebte lange Zeit in einem netten Örtchen namens Laurel Canyon. Wie Leser meines Buches „Programmed to Kill“ vielleicht noch wissen, wohnte Brown in der Wonderland Avenue, nur ein paar Häuser von Nr. 8763 entfernt – dem Schauplatz der berüchtigten „Four-on-the-Floor“-Morde, die selbst von erfahrenen Ermittlern der Mordkommission von L. A. als der blutigste und brutalste Mehrfachmord der ohnehin schon sehr blutigen Geschichte der Stadt betrachtet werden. (Sehen Sie sich bei Gelegenheit den Film „Wonderland“ mit Val Kilmer an, wenn er wieder im Fernsehen kommt; er gibt die Geschichte dieses Verbrechens für Hollywood-Verhältnisse ziemlich exakt wieder und ist auch sonst recht empfehlenswert.)

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Links: 10050 Cielo Drive heute.; Rechts: Der frühere Firmensitz von Charles „Tex“ Watsons Crown Wig Creationa Ltd.

Kurz und gut: Einer der blutigsten Massenmorde von Los Angeles ereignete sich ausgerechnet in einer der ruhigsten, idyllischsten und exklusivsten Wohngegenden der Stadt. Und merkwürdigerweise wies auch der Fall, der oft als zweitblutigster Tatort der lokalen Kriminalgeschichte zitiert wird – die Morde an Stephen Parent, Sharon Tate, Jay Sebring, Voytek Frykowski und Abigail Folger an der Adresse 10050 Cielo Drive im Benedict Canyon, nur wenige Kilometer westlich von Laurel Canyon –, äußerst enge Verbindungen zur LC-Szene auf.

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Jay Sebrings Salon heute.

Wie bereits erwähnt, wohnten auch zwei der Opfer dieser Mordtat – Folger und Frykowski – im Laurel Canyon. Sie hatten das Haus 2774 Woodstock Road gemietet, direkt gegenüber eines beliebten Treffpunkts des LC-„Hochadels“. Viele der Leute, die regelmäßig bei Cass Elliot zu Gast waren, unter anderem ein paar halbseidene Drogenhändler, besuchten auch Folger und Frykowski immer wieder. (Frykowskis Sohn wurde übrigens am 6. Juni 1999 erstochen; 30 Jahre, nachdem sein Vater auf dieselbe Art umgekommen war.) Und der weithin bekannte Friseursalon des Mordopfers Jay Sebring befand sich genau an der Einfahrt zum Laurel Canyon, gleich unterhalb des Sunset Strip. Sebring war der Haarstylist, der für Jim Morrisons berühmte Mähne verantwortlich war. Zudem hatte einer der bekanntesten Promis aus dem Laurel Canyon, der sich durch diese ganze Geschichte zieht, in das Unternehmen Sebring International investiert: Mr. John Phillips.

Auch Sharon Tate war im Laurel Canyon kein unbekanntes Gesicht, da sie oft Freunde wie etwa John Phillips, Cass Elliot und Abby Folger aufsuchte. Und wenn sie gerade nicht dort war, dann waren berühmte wie berüchtigte Angehörige der LC-Szene in Sharons Haus am Cielo Drive zu Gast. Van Dyke Parks schaute beispielsweise am Mordtag bei ihr vorbei. Und Denny Doherty, der andere „Papa“ von The Mamas And The Papas , erzählte später gern, dass er und John Phillips in der Mordnacht am Cielo Drive eingeladen gewesen seien, es aber nicht geschafft hätten. Glück gehabt. (Eine ähnliche Story ist über Chuck Negron von Three Dog Night bekannt: Er war regelmäßig im Mordhaus an der Wonderland Avenue zu Gast und hatte dort für den Abend der Massenhinrichtung einen Drogendeal vereinbart – aber den dann verpasst, weil er eingeschlafen war.)

Kommentare

05. Mai 2013, 18:49 Uhr, permalink

Mirko Alexander

Mitten ins Schwarze.

An zwei Dinge habe ich mich schon beim Lesen der ersten Zeilen wieder erinnert:

(1) an Cathie O'Briens Enthüllungen (Die Tranceformation Amerikas, Mosquito Verlag) über die US-amerikanische Country Musik Szene, die ebenfalls als Cover für MK Ultra/CIA Operationen dient(e),

(2) und an "Solaris BlueRaven", die uns über die kanadische Rockband RUSH und ihren Sicherheitschef Michael J. Mosbach erstaunliche Dinge zu berichten hat:

www.youtube.com/watch?v=o4NU0PrYA6U

Auch Miles Johnston vom AMMACH Project hat die Dame interviewt:

www.youtube.com/watch?v=YPF-jVTGEw4

Eine klare Grenzziehung zwischen Tätern- und Opfern fällt in diesen Programmen mitunter schwer, weil die "Täter" selbst unter technologiebasierter Bewusstseinskontrolle stehen könnten.

Da hinter all diesen social engineering Programmen die subversiven Strategien extradimensionaler Mächte (aka "Außerirdische") stehen, die ihre ebenso machthungrigen wie verängstigten "menschlichen" Marionetten "beraten", darf man sich ernsthaft die Frage stellen, wie viel von der menschlichen Kulturgeschichte eigentlich den Menschen zuzuschreiben ist. Die pointierte Formulierung, dass seit dem Fall von Atlantis nur "Aliengeschichte" geschrieben wurde, verliert bei solcher Lektüre glatt ihre Spitze.

Aber was rede ich, wir sind ja schon drauf und dran, diese kosmische Charade zu beenden...

10. Oktober 2013, 03:33 Uhr, permalink

Arja

Bin zwar sehr viel jünger, aber gewisse Dinge sind nicht zu übersehen. Der Vietnamkrieg zum einen, war eine reine "Teststrecke", nicht anders als z. B. der Afganistankrieg in unserer jetztigen Zeit. Und auch heute gibt es wieder perfecte Parallelen. Der Spross von Rothschild "Davis" als Akrivist bei Greenpeace....lol....welch ein Hohn!!!! Morrison und Konsorten mochte ich noch nie....ist sehr ähnlich mit der Pop Geschichte heute. Ansonsten wäre die Love no War Sache vermutlich etwas anders ausgefallen.....Denke wir sind schon feinfühliger in Sachen Verschwörung, als die Generationen dazumals.

11. März 2016, 18:04 Uhr, permalink

frankforth

*We got the very sad news today, Nov. 22, 2015, that Dave McGowan passed away from cancer at 12:47 p.m. The article below was originally posted on May 23, 2015 when we got the news that Dave was very ill.

truthandshadows.wordpress.com/2015/05/23/mcgowan-battles-cancer/

22. Mai 2016, 10:57 Uhr, permalink

mickel

Zappa war ein eigenbrödler und hatte nichts mit Hippies am Hut. Er war ein freak was ihn in Verbindung mit einer gnadenlosen Arbeitshaltung zum genie machte. Wenn du schon was schreiben willst dann schreib es nicht nur unterhaltsam sondern schreib es real. Ich weiss viele fressen diesen waste und lieben es.

17. Juni 2017, 10:03 Uhr, permalink

Christian

An jeder Geschichte steckt ein Fünkchen Wahrheit und ich denke, daß an dieser Story auch etwas dran ist, aber daß könnten uns die Protagonisten besser selbst erzählen.
Ich interesseiere mich schon seit über 20 jahren für die Hippiezeit und ihre Entstehung und Auswirkung auf die Gesellschaft und es ist gut daß es diese leute gegeben hat, denn sie haben ein Stück weit die Welt verändert, auch wenn ihre Politik gescheitert ist, denn ohne die Hippies wäre die Welt heute nicht dieselbe.
Das sich plötzlich um das Jahr 1965 so viele Musiker an einem Ort versammeln, wäre auf den ersten Blick doch eigentlich nicht verwunderlich, denn es muß ja einer den Anfang gemacht haben und als andere merkten , daß einer damit Erfolg hat, zog man eben nach.
Wirklich verwunderlich ist dann aber doch die Tatsache, daß so viele Väter der heutigen Rock-Superstars in Militär od. Geheimdienstaktivitäten verstrikt waren und daß läßt die Vermutung nahe, daß da doch etwas im Argen liegt.
Sollte denn tatsächlich die Hippibewegung als Gegenentwurf zur Antikriegsbewegung von den Söhnen der Militärs oder gar den Militärs selbst initiiert worden sein, um den Antikriegsgegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen, denn die waren ja der Regierung ein Dorn im Auge.
Seltsam erscheint auch die Anzahl der vielen Todesfälle im Laurel Canyon und deren Umgebung wenn man mal eine gewisse Zeitspanne betrachtet, angefangen mit dem Tod von Marina Elizabeth Habe im Dezember 1968 bis hin zum Tod von Gram Parsons im Jahre 1973 und nicht zu vergessen die Morde der Manson Family, dann fragt man sich unweigerlich warum diese Menschen, die alle in Verbindung zum laurel Canyon standen oder unmittelbar in die Szene involviert waren, in kurzen Abständen sterben mußten oder gestorben sind.
Waren daß alles unglückliche Zufälle oder besaßen diese Leute Wissen über gewisse Dinge und Aktivitäten der Regierung, die sie nicht hätten wissen dürfen ?
Was am Ende dabei herauskommt, ist sowieso immer eine Verzerrung der Wirklichkeit und der Tatsachen und die, die es uns hätten erzählen können, sind alle tot und haben ihr Wissen mit ins Grab genommen !

07. Juni 2018, 04:09 Uhr, permalink

Abrasax

Danke für diesen Artikel. Sein Inhalt enthält Einstiegsinformationen in ein gewaltiges Thema.
Die Sounds der angesprochenen Zeit haben mich persönlich nie positiv angesprochen. Mir sind diese Sounds stets müde, unmotiviert, gelangweilt begegnet, warum, das weiß ich nicht. Auch die meiste der heute modernen Musik empfinde ich so. Mit den Neger-Rhythmen, den Dosen-Sounds und den Okkult-Messen von heute will ich sowieso nichts zu tun haben.

Mit Geräuschen kann man Menschen direkt und unbewußt total beeinflussen.
Das Militär muß das einfach wissen. Mich würde wundern, wenn die Nazis das nicht herausgefunden hätten und es dazu keine Forschungsprojekte gegeben hätte. Aber möglicherweise war die Zeit und Technik dafür noch nicht gekommen.

Wer das Sexualverhalten der Menschen kontrolliert, der kontrolliert die Entwicklung der Menschheit.

Wir können es natürlich leugnen, aber es ist offensichtlich, daß diese Pop/Rock-UnKultur einen massiven Einfluß auf das Sexualverhalten der Menschen ausübt.

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