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Morgellons: Das Mysterium ist entschleiert

MorgellonsGinge es nach der Schulmedizin, haben wir es bei Morgellons-Erkrankten mit Hypochondern zu tun, die man lieber zum Psychiater schickt. Glibberfäden unter der Haut? Ich bitte Sie! Doch auch einschlägige Websites, die das Phänomen anerkennen, aber wilde Spekulationen über dessen Herkunft verbreiten, tun den Betroffenen nichts Gutes.

Marc Neumann hatte die Fäden selbst unter der Haut und hat sich so rational wie möglich an die Ursachenforschung gemacht: Er hat sie unterm Mikroskop untersucht, an Labore geschickt und Facharbeiten zu Mikroorganismen durchforstet, die in der Lage sind, Biofilme und Filamente zu bilden. Hat er mit seinen neuesten RNA-Analysen das Rätsel Morgellons geknackt?


Dieser Artikel ist ein Update zum Stand meiner Forschungen zur Morgellons-Krankheit, die ich im Interview „Die Büchse der Pandora ist geöffnet“ vor zehn Jahren in NEXUS 32 vorgestellt habe. In diesem ergänzenden Teil erkläre ich anhand der inzwischen gewonnenen Informationen genauer, welche Erreger bei der Krankheit involviert sind. 

Bei meinen Nachforschungen versuchte ich als IT-Techniker, so wissenschaftlich wie möglich vorzugehen, um eine evidenzbasierte Forschung vorzulegen. Während meiner Recherchen verbrachte ich Stunden am Mikroskop, schickte zig Proben an Laboratorien, durchforstete wissenschaftliche Arbeiten und hielt Kontakt zu den weltweit Erkrankten, um mehr Wissen über alle Krankheitssymptome, Ursachen und auslösende Faktoren zu erhalten.

Thematisch bedingt befasste ich mich jahrelang mit allen möglichen Fachbereichen, darunter Medizin, Epidemiologie und Mikrobiologie, wobei ich schließlich in die Welt der Bakterien, Pilze und Protisten abtauchte. Hier wurde ich letztlich fündig und bin mittlerweile überzeugt, dass Mikroorganismen, die weltweit in der Agrikultur eingesetzt werden, diese Erkrankung hervorrufen.

Frühere Epidemien

Vermutlich gab es Infektionen mit der bekannten Morgellons-Symptomatik schon früher bei Mensch und Tier. Über Krankheitsfälle haben zum Beispiel Sir Thomas Browne1 und das British Medical Journal 2 berichtet. Dort ist unter anderem die Rede von Härchen und Filamenten, die aus der Haut wachsen. Mit meinem heutigen Wissen vermute ich, dass sich damals vor allem ärmere Leute mit filamentösen Bakterien aus dem Erdreich infiziert haben, als sie Feldfrüchte ungewaschen verzehrten.

Wenn es heutzutage, in unseren modernen und hygienischen Zeiten, auch zu solchen Infektionen kommt und mehr Individuen – Menschen wie Tiere – betroffen sind, dann muss irgendetwas irgendwo passiert sein. Schließt man eine Biowaffe aus, muss es etwas gewesen sein, das in Massen in die Natur ausgebracht wurde und eventuell eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat, die die Verursacher nicht bedacht haben. Dahinter muss nicht einmal Absicht stehen.

Erste Erkenntnisse aus Laboren

Ich begann meine Nachforschungen unter dem Mikroskop und isolierte dabei Filamente, die bei Betroffenen auf der Haut vorgefunden wurden. Diese kultivierte ich und ließ die Isolate parallel per Gaschromatografen untersuchen. Doch die zig Proben, die ich an Laboratorien sandte, kamen alle mit unzureichendem Ergebnis zurück, und die im Gaschromatografen ermittelten Werte waren nicht ausreichend, um mit diesem teuren Verfahren weiterzumachen. Nach einigen Jahren und Niederschlägen wollte ich schon fast aufgeben, startete aber einen letzten Versuch mit Veterinärlaboratorien, da diese meist in kleineren Verhältnissen und unter besseren Bedingungen als Humanlaboratorien arbeiten. Anfänglich kam auch dort nicht viel heraus – bis ich schließlich auf eine Idee kam: Was wäre, wenn man die Proben nicht bei 35 bis 37 Grad kultiviert, sondern bei einer niedrigeren Temperatur züchten lässt? 

Ich holte buchstäblich meine letzten Proben aus dem Kühlschrank und bat die Laboranten, die Proben bei Zimmertemperatur, also 26 bis 28 Grad Celsius, zu kultivieren. Schon nach wenigen Tagen kam ein Anruf aus dem Labor, dass es dieses Mal geklappt hat. Heraus kam etwas, das schon von anderen Forschern früher nachgewiesen wurde: das Bakterium Rhizobium radiobacter, das auch als Agrobacterium tumefaciens bekannt ist. Es ist der bakterielle Modellorganismus schlechthin, der für allerlei Agroanwendungen von Biotechfirmen genützt wird und des Öfteren schon Humaninfektionen verursacht hatte!

Nach weiteren Einsendungen von weltweit gesammelten Proben kamen stets Bakterien zutage, die größtenteils in der Agrokultur verwendet werden. Seltsamerweise fanden sich auch sehr seltene Bakterien, wie das Bakterium Elizabethkingia miricola, das, wie der Zusatz miricola schon sagt, erstmalig auf der Raumstation Mir entdeckt wurde und schon in den USA Krankheitsfälle verursacht hatte. In einem anderen Fall wurde das seltene, von Mücken übertragene Bakterium Elizabethkingia anophelis gefunden, das für Krankheits- und Sterbefälle in einem Altersheim verantwortlich gemacht wurde.3 Hier fragt man sich unwillkürlich, wie solch seltene Bakterien, die aus Filamenten kultiviert wurden, in die Haut weltweit Erkrankter kommen?

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