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Unser aller Impfung gib uns heute: Ein Kommentar

impfDer schottische Arzt und Autor Dr. Kendrick, bekannt dafür, kontroverse Themen mit lockerer Zunge anzugehen, hat auf seinem Blog kürzlich ein paar verbotene Fragen zum Thema Impfen gestellt.


Was ich über die Impfdebatte zu sagen habe

Die Leser meines Blogs werden wissen, dass ich mich hauptsächlich für kardiovaskuläre Erkrankungen interessiere – ein umfangreiches und komplexes Gebiet, auf dem jeder, der die herkömmlichen Ansichten infrage stellt, gnadenlos attackiert wird. Im Vergleich zu dem, was beim Thema Impfen vor sich geht, verblassen die Querelen über kardiovaskuläre Erkrankungen allerdings zur Bedeutungslosigkeit, zu einem bloßen Geplänkel im Wartezimmer.

Ich bin Mitglied der britischen Ärztegemeinschaft Doctors.net.uk, einem Onlineverband, zu dem die Öffentlichkeit keinen Zugang hat. Jeder neue Bericht über das Impfen, der dort auftaucht, entfacht solch beißende Kritik, solchen Zorn und solch nackte Wut, dass es einen das Fürchten lehren kann.

Jedes Mal wenn das Thema MMR-Impfung auf Doctors.net.uk zur Sprache kommt, meinen einige Ärzte, Andrew Wakefield sollte ins Gefängnis wandern und nie wieder Geld verdienen dürfen. Man bezeichnet ihn als Schwindler und als Kriminellen, und das sind noch die freundlicheren Kommentare.

Eindeutig hängt die Medizinergemeinschaft dem nicht hinterfragten Glauben an Impfungen an. Sie glaubt an alle Impfungen, gegen alle Krankheiten, allerorts und für alle.

Wagt es jemand, vorsichtig anzudeuten, dass es beim Impfen auch negative Aspekte geben muss, so wird er einer vernichtenden Kritik unterzogen. „Sie machen sich des Todes von Millionen Kindern schuldig. Sie verstehen die Wissenschaft nicht.“ – und Ähnliches.

Was Wissenschaft anbelangt, so amüsiert es mich, dass die Anfänge des Impfens in einer Zeit lagen, in der noch niemand eine Ahnung von den wissenschaftlichen Zusammenhängen hatte. Niemand wusste etwas von Mikroben oder dem Immunsystem. Der Überlieferung zufolge begann alles mit der Beobachtung, dass Milchmädchen wesentlich seltener an Pocken erkrankten.

Daraus entstand die Idee, die Menschen absichtlich ein wenig mit Kuhpocken zu infizieren, um sie so davor zu schützen, an Pocken zu erkranken. Das ist kühn.

Die englischen Begriffe vaccine (Impfstoff) und vaccination (Impfung) sind auf die Bezeichnung Variolae vaccinae (Pocken der Kuh) zurückzuführen, die Edward Jenner für Kuhpocken einführte. Er verwendete den Begriff 1796 in dem langen Titel seiner Arbeit „Untersuchungen über die Ursachen und Wirkungen der Kuhpocken“, in der er sich über die schützende Wirkung von Kuhpocken gegen Pocken ausließ.

Das geschah zu einer Zeit, als die Ärzte dachten, Infektionen würden durch Miasma verursacht, was sich im Grunde mit „übler Geruch“ übersetzen lässt. Niemand hatte auch nur die leiseste Ahnung von der Existenz von Bakterien oder Viren. Ironischerweise wurde die Grundidee des Impfens – die Verabreichung einer kleinen Substanzmenge zur Heilung / Verhinderung einer schlimmen Krankheit – später zum Grundprinzip der Homöopathie, die heute von den meisten Ärzten zornig als unseriös abgelehnt wird.

Eindeutig basierten Impfungen anfangs nicht auf Wissenschaft. Sie begannen mit einem intuitiven Impuls ohne wissenschaftliches Verständnis. Das muss natürlich kein Fehler sein, aber man kann wohl kaum behaupten, Impfungen würden auf einem tiefen Verständnis des menschlichen Immunsystems beruhen. Jenner hatte, ebenso wie alle anderen, von der Existenz eines solchen Systems nicht die geringste Ahnung. Es war einfach ein Schuss ins Blaue.

Die Impfwissenschaft setzte später auf das, was ich als rückwärts orientierte Rationalisierung bezeichnen möchte. „Es funktioniert, und nun lasst uns verdammt noch mal herausfinden, wie es funktioniert.“ Daran ist, wie gesagt, nichts auszusetzen. Die besten wissenschaftlichen Erkenntnisse beruhten oftmals auf einer Beobachtung, nicht einer Hypothese. Graphen liefert dafür ein Beispiel aus neuerer Zeit – zwei Wissenschaftler spielten in ihrem Labor mit Klebeband und Bleistiften herum.

Nur, falls es Sie interessiert: Ja, ich glaube, dass Impfungen wirken. Oder genauer gesagt, ich glaube, dass manche Impfungen wirken. Die meisten Impfungen … alle Impfungen?

Ich spreche nämlich als jemand, der sieben Impfungen gegen Hepatitis B hinter sich hat und es damit gerade noch so schaffte, einen Bluttest zum Nachweis einer ausreichenden Zahl von Antikörpern zu bestehen, um als Arzt praktizieren zu dürfen. Ein befreundeter Chirurg jedoch konnte trotz 22 Impfungen gegen Hepatitis B seinen Antikörperspiegel nie erhöhen. Er hat mir erklärt, wie er weiterhin als Chirurg arbeiten konnte, ich habe allerdings vergessen, wie er das anstellte.

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Dr. Jenners erste Impfung an dem achtjährigen James Phipps am 14. Mai 1796

Das bedeutet, dass ich aus eigener – und etwas schmerzhafter – Erfahrung weiß, dass Impfungen nicht bei allen gleich gut wirken. Warum nicht? Interessiert das überhaupt irgendjemanden? Offenbar nicht. Einfach die Augen zu und weiter­impfen. Niemand darf irgendetwas infrage stellen. Beispielsweise, warum Impfungen bei einigen Menschen zur Bildung von Antikörpern führen und bei anderen nicht. Das wäre doch interessant, mögen Sie denken – aber weit gefehlt. Stelle die mächtige Impfung nicht infrage.

Das ist merkwürdig, da ja eindeutig feststeht, dass Impfungen bei vielen Menschen nicht wirken:

„An einer Highschool kam es zu einem Masernausbruch bei einer nachgewiesenen Impf­rate von 98 Prozent. 19 Fälle (70 Prozent) betrafen Schüler, die im Alter von 12 Monaten oder später gegen Masern geimpft worden waren und daher offensichtlich nicht auf den Impfstoff angesprochen hatten. Personen, die vor ihrem 12. Lebensmonat geimpft worden waren, wiesen ein erheblich höheres Erkrankungsrisiko auf als Personen, die in oder nach ihrem 12. Lebensmonat geimpft worden waren.

Impfstoffversagen bei anscheinend ausreichend geimpften Personen gilt in 48 Prozent aller Fälle als Ursache für den Krankheitsausbruch. Nichts deutet darauf hin, dass nachlassende Immunität zum Impfstoffversagen beigetragen hat. Auch der enge Kontakt mit an Masern erkrankten Schülern an der Highschool, mit der Impfstoffquelle bzw. -lieferanten, gemeinsame Aktivitäten oder gemeinsamer Unterricht mit Erkrankten oder bestätigter Impfstatus zählten bei dem Ausbruch nicht zu den bedeutsamen Risikofaktoren.

Der Ausbruch endete abrupt nach vier Krankheitsgenerationen an der Schule. Das zeigt, dass das Eindringen von Masern in eine stark durchgeimpfte Bevölkerungsgruppe bei der Ansteckung zwar eine gewisse Rolle spielen kann, dass eine solche Ansteckungssituation aber nicht anhält.“ 1

Man erzählt uns, dass es bei einer Bevölkerungsgruppe mit einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent keinen Masern­ausbruch mehr geben kann. Das ist offenkundig falsch. Sogar in einer Bevölkerungsgruppe mit einer Durchimpfungsrate von 98 Prozent kann es einen Krankheitsausbruch geben. Wäre es nicht nett zu wissen, warum das so ist?

Es ist schon merkwürdig, dass ausgerechnet die Masern als Schlachtfeld für den Impfwahnsinn auserkoren wurden. Mir ist nicht wirklich klar, warum das so ist. Man würde erwarten, dass die äußerst stimmgewaltigen Impf­befürworter auf Pocken, Kinderlähmung oder Ähnliches verweisen. Wenn ich mir die Kinderlähmung so ansehe, dann frage ich mich ehrlich gesagt, wie um alles in der Welt wir es geschafft haben, diese Krankheit so schnell und so mühelos auszurotten. Die ganze Welt impfte ein paar Jahre lang – mit hundertprozentigem Erfolg. Kein Impfstoffversagen, alle Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt geimpft? Eine erstaunliche Errungenschaft.

Eine alternative Erklärung wäre, dass manche Krankheiten auf natürliche Weise auftreten und wieder verschwinden. Masern waren vor 300 Jahren absolut tödlich. Captain Cook schleppte sie auf die Südsee-Inseln ein. Die Sterblichkeitsrate bei der einheimischen Bevölkerung, die nie zuvor damit in Berührung gekommen war, lag extrem hoch. Allmählich sank danach diese Sterblichkeitsrate. In den meisten westlichen Ländern waren Masern zu der Zeit, als Impfungen aufkamen, bereits zu einer „relativ“ harmlosen Krankheit geworden.

Ein Blick zurück in die Geschichte verrät uns, dass der Schwarze Tod einst die halbe Bevölkerung Europas auslöschte. Was war der Grund? Höchstwahrscheinlich lag das gar nicht an der Pest, wie viele behaupten. Die Beschreibungen von Menschen, die an dieser Krankheit starben, lassen viel eher vermuten, dass es sich um eine Form von Ebola (hämorrhagisches Fieber) handelte.

„Nach Angaben einer Gruppe von Anthropologen, die diese Epidemien des 14. Jahrhunderts untersuchten, war der Schwarze Tod, der damals wütete, vermutlich nicht die moderne Krankheit, die wir heute als Beulenpest bezeichnen. ‚Zu den Symptomen des Schwarzen Tods gehörten hohes Fieber, stinkender Atem, Husten, Erbrechen von Blut und fauliger Körpergeruch‘, erklärt Rebecca Ferrell, Doktorandin in Anthro­pologie. ‚Weitere Symptome sind Blutergüsse, Hautblutungen und geschwollene Lymphknoten. Viele dieser Symptome treten bei der Beulenpest, aber auch bei vielen anderen Krankheiten auf.‘

Für die heutige Beulenpest gilt, dass in einer Rattenpopulation erst eine hohe Erkrankungsrate aufgetreten sein muss, ehe die Krankheit über Flöhe auf den Menschen übertragen werden kann. Historisch betrachtet waren Beulenpest-Epidemien stets mit einem enormen Ratten­sterben verbunden. ‚Aus dem 14. Jahrhundert gibt es keine Berichte über tote Ratten auf den Straßen, wie sie sonst bei den jüngsten Epidemien auftraten, die, wie wir wissen, durch die Beulenpest verursacht wurden‘, erklärte Wood.“2

Natürlich wissen wir nicht genau, was der Schwarze Tod war. Wir wissen, dass er kam, tötete und wieder verschwand. Offenbar scheint er auch ein Vermächtnis bei Menschen mit CCR5-Delta32-
Mutationen hinterlassen zu haben. Menschen mit dieser Mutation können sich offenbar nicht mit dem Ebola-Virus (oder sogar mit HIV) anstecken. Ebola und HIV gelangen jeweils mithilfe des CCR5-Proteins in die Zellen. Fehlt dieses Protein, kann der Virus nicht eindringen. (Ja, man kann HIV durch eine Knochenmarktransplantation von einem Spender, der die CCR5-Delta32-Mutation aufweist, heilen – eine kaum bekannte Tatsache.)

cook

Captain J. Cook landet 1769 auf Tahiti.

Warum tritt diese Mutation in Europa viel häufiger auf als beispielsweise in Afrika – wo der Schwarze Tod nie zuschlug? Vielleicht, weil sie irgendwann einen Überlebensvorteil gegenüber einem Virus bot, bei dem es sich um Ebola handelte (oder auch nicht).

Wenden wir uns nochmals den Pocken zu. Wurden sie durch die Impfungen ausgerottet? Oder versetzten die Impfungen einem geschwächten Feind lediglich den letzten Stoß?

Und die Pest – wohin ist die ver­schwunden?

Ja, ich blicke neiderfüllt auf die offizielle Geschichte der Impfungen. Die großartigen Erfolge … Nun, es scheint unstrittig zu sein, dass Impfungen enorme gesundheitliche Vorteile brachten. Kinderlähmung und Pocken gibt es nicht mehr. Aber lag das ausschließlich an den Impfungen? Möglicherweise … Ich bin noch nicht ganz überzeugt.

Offen gestanden finde ich das ganze Impfthema ziemlich faszinierend. Das Problem ist nur – sogar beim Schreiben dieses Blogs sage ich vermutlich einige Dinge, die man nicht sagen darf.

Für mich sind das einfach Fakten, und sie anzusprechen, ist Teil der wissenschaftlich anerkannten Methode des Hinterfragens. Aus irgendeinem Grund bin ich nicht wirklich sicher, warum allein das Hinterfragen von „Tatsachen“ über Impfungen ausreicht, um in der Hölle zu landen. Die Leute werden sehr, sehr wütend. Sie verschließen sich und fangen zu polarisieren an. Teile dieses Blogeintrags werden mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Zusammenhang gerissen und dazu verwendet, mich anzugreifen.

Ich habe wirklich keine Ahnung, wie ich die Debatte in eine vernünftige Richtung lenken könnte, die es, getragen von einem wissenschaftlichen Ansatz, erlaubt, Fragen zu stellen, und die positiv ist. Zeternd über Menschen herzuziehen und ihnen vorzuwerfen, die „Wissenschaft“ nicht zu verstehen, ist keine gute Methode. Und jemandem schreiend vorzuwerfen, er würde „Tausende von Kindern töten“, bereitet nicht den Weg für eine Debatte.

Ich denke schon, dass ich „Wissenschaft“ verstehe, was auch immer dieser Begriff genau bedeuten mag. Zumindest verstehe ich wissenschaftliche Methodik. Diese besteht in erster Linie darin, alles zu hinterfragen – und das auch zu dürfen. Eines weiß ich ganz sicher: Jeder, der behauptet, die Wissenschaft sei zu einem abschließenden Ergebnis gekommen und alle Experten seien sich unbestreitbar einig und müssten daher recht haben – hat offensichtlich nicht die geringste Ahnung von Wissenschaft. Nicht die geringste.

Endnoten

  1. Nkowane, B. M., Bart, S. W., Orenstein, W. A. und Baltier, M.: „Measles outbreak in a vaccinated school population: epidemiology, chains of transmission and the role of vaccine failure“ in American Journal of Public Health, 1987, 77(4):434–8, doi: 10.2105/ajph.77.4.434; http://tinyurl.com/y38wn8zt
  2. Penn State: „Medieval black death was probably not bubonic plague“ auf ScienceDaily.com, 15.04.02; http://tinyurl.com/y5t64ejc

Thema vertiefen 

Mehr kritische Gedanken zum Thema Impfen finden Sie in unseren Artikeln „Impfungen und die Dynamik kritischer Tage“ und „Die Impfung von Haustieren – ein institutionalisiertes Verbrechen“ (NEXUS 3), „Gardasil: Durchgewunken und mangelhaft“ (NEXUS 75), „Steigende Krebsraten und Gardasil“ (NEXUS 83) sowie „Masern – eine Kriegsgeschichte“ (NEXUS 84).