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Bilderberger in Rottach-Egern

Wenn Präsidenten, Premierminister, Banker und Generäle sich bei der jährlichen Bilderberg-Konferenz hinter verschlossenen Türen mit dem europäischen Adel treffen, verhandeln sie über Börsen und Kriegsgeschäfte, ohne der Öffentlichkeit Rechenschaft ablegen zu müssen.

Globaler Handel und der Streit mit China

Da ihnen bewusst ist, dass es eine dringende Notwendigkeit ist, sich in den sich entwickelnden Märkten breit zu machen, haben die europäischen und amerikanischen Bilderberger beschlossen, Pascal Lamy, einen französischen Sozialisten und fanatischen Anhänger der Idee eines europäischen Superstaats, zum nächsten Vorsitzenden der Welthandelsorganisation (WTO) vorzuschlagen. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass Washington der Nominierung zustimmte, unter der Bedingung, dass Europa im Gegenzug Paul Wolfowitz als Kandidaten für das Amt des Weltbankpräsidenten unterstütze. Insiderinformationen zufolge wurde Lamy ausgesucht, um dabei zu helfen, die Weltwirtschaft durch eine Phase zu führen, die von wachsendem Protektionismus in reichen Ländern wie Frankreich und Deutschland geprägt ist, die beide unter hoher Arbeitslosigkeit leiden und Zurückhaltung üben, wenn es um die zunehmenden Versuche aufstrebender Ökonomien geht, Zugang zu ihrem Markt zu erhalten. Länder aus der 3. Welt bestehen z.B. darauf, dass die EU und US-Landwirtschaftssubventionen beschnitten werden. Liberalisierungsversuche der WTO scheiterten kläglich, sowohl in Seattle 1999 als auch in Cancún 2003.

Die Bilderberger haben sich stillschweigend darauf geeinigt, die armen Länder in den globalisierten Markt für Billigwaren zu zwingen, während gleichzeitig deren arme Bevölkerung zu Kunden gemacht werden soll, ob sie wollen oder nicht. Der gegenwärtige Streit mit China ist ein gutes Beispiel, denn die Chinesen haben die westlichen Länder mit billigen Waren überschwemmt, unter anderem mit Textilien, und so die Preise gedrückt. Zum Ausgleich konnten die Bilderberger in einen erntereifen Markt eindringen, der dem überlegenen westlichen Know-How nichts entgegensetzen konnte. Ähnliche Entwicklungsländer gewinnen langsam mehr Kaufkraft, und die industrialisierte Welt fasst langsam Fuß in deren Wirtschaft, indem sie sie für billige Exporte ins Visier nimmt.

Die weitere Diskussion über China wurde von einigen rhetorischen Fragen des Sprechers eingeleitet. Nutzt China seine Wettbewerbsvorteile wirklich schamlos aus, oder wird es von den USA und der EU zum Sündenbock gemacht? Droht ein Handelskrieg? Sollte China den Yuan (seine Währung) aufwerten, und falls ja, wie sollte dies geschehen?

Ein amerikanischer Bilderberger betonte, dass China im Jahr 2005 eine der führenden Wirtschaftsmächte der Welt ist, deren Handeln die Weltwirtschaft beeinflusst. Ein anderer Amerikaner, vermutlich, allerdings nicht sicher, Michael Ledeen vom AEI, sagte, dass das ganze Welthandelssystem kaputt gehe, wenn China den Yuan nicht aufwerte. Jemand merkte an, dass die gegenwärtige Situation durch ein Übermaß an Liquidität geprägt sei und auch für Chinas Wirtschaft gefährlich werden könne.

Elena Nemirovskaya, Gründerin der Moskauer Hochschule für Politikstudien, fragte, was passieren würde, wenn der Yuan frei zirkulieren dürfte. Ein Wirtschaftsfachmann antwortete, dass das ernsthafte Konsequenzen für die Finanzmärkte der Welt hätte. Chinas Devisenreserven bestünden zu einem Großteil aus US-Schatzwechseln. Eine Aufwertung des Yuan hätte eine Abwertung der Dollarreserven zur Folge.
Ein deutscher Bilderberger betonte, dass dies die Zentralbank zwingen könnte, die Zinsen zu heben, was dem gegenwärtigen Bauboom in den USA ein abruptes Ende bereiten würde. Ein korpulenter Niederländer meinte, der Internationale Währungsfond müsse sich aktiv daran beteiligen, den Yuan zu stützen.

„Gibt es also tatsächlich die Gefahr“, fragte ein Italiener, „dass der Streit sich zu einem richtigen Handelskrieg auswächst?“ „Nicht sehr wahrscheinlich,“ so behauptete ein blonder Skandinavier, wohl ein Schwede, „denn China hat sich bereits voll in die Marktwirtschaft integriert.“
Ein amerikanischer Teilnehmer, ein Mitglied der US-Regierung, merkte an, das Ganze sei Teil der Show, damit die Wähler zu Hause glücklich sind.

Chinas Eindringen in die Mekong Region war ebenfalls Thema auf der Konferenz. William J. Luti, stellvertretender US-Staatssekretär im Verteidigungsministerium und zuständig für den Nahen Osten und Südasien, erklärte, dass Chinas wachsender Einfluss in der Mekong Region, zu der Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam gehören, US-Interessen in dieser Gegend bedrohen könnten. Diese Vorgehensweise verschaffe China nämlich eine Vormachtstellung in Südostasien.
In den letzten Jahren investierte China massiv in seine Infrastruktur, die Chinas südwestliche Yunan Provinz mit der Mekong Region verbindet.

Ein europäischer Gast betonte, dass China stark von Ölimporten abhängig sei. Jemand wollte Zahlen hören. Ein großer, schlaksiger Mann, wohl Jeroen van der Veer, Vorstandsvorsitzender von Royal Dutch/ Shell, antwortete, dass etwa 40% von Chinas Energiebedarf durch Importe gedeckt werde. Chinas Expandieren in die Mekong Region sei sogar genau aus dem Grund erfolgt, dass die Energieversorgung des Landes anfällig für Störungen ist. Ungefähr 32% der Energieversorgung, Chinas Lebenssaft, muss die schmale, leicht blockierbare Meerenge von Malakka passieren.

Die Auseinandersetzung zwischen Indonesien und Malaysia

Eine politische und militärische Auseinandersetzung zwischen Indonesien und Malaysia in der ölreichen Sulawesisee (beide erheben Anspruch auf das Gebiet Ambalat) war bei den Cocktails am Freitagnachmittag Thema einer sehr lebhaften Diskussion zwischen einigen amerikanischen und europäischen Bilderbergern. Ein Amerikaner schwenkte seine Zigarre und schlug dabei vor, die Vereinten Nationen zu benutzen, um „die Region zu Friedensgesprächen zu bewegen“.

Die Bilderberger waren sich sogar einig, dass ein solcher Konflikt einen guten Vorwand abgebe, UN-Friedenstruppen in das Gebiet zu entsenden, und so die Kontrolle über die Nutzung dieser Reichtümer zu erlangen, also die noch unangetasteten Ölreserven.

Druck auf das Friedensnobelpreiskomitee

Dass das Mitglied des Friedensnobelpreiskomitees, Geir Lundestad, an der Bilderberg-Konferenz 2005 teilnahm, bedeutete, so hieß es auf jeden Fall von Seiten der Quellen, die mit der Diskussion vertraut sind, dass die Amerikaner, Briten und Israelis mit Hilfe ihrer Delegationen größtmöglichen Druck ausüben wollen, damit der israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu den begehrten Preis nicht erhält.
Vanunu verbrachte 18 Jahre in einem israelischen Gefängnis – elfeinhalb davon in Einzelhaft – weil er im Oktober 1986 der Londoner Sunday Times Beweise für Israels Nuklearwaffenarsenal lieferte. Sollte Vanunu den Preis erhalten, würden Israels Nuklearwaffen unschön ins Rampenlicht gezerrt, vor allem angesichts wachsender Anzeichen, dass Israel und die Vereinigten Staaten im Begriff sind, den Iran dafür zu strafen, dass er eigene Nuklearwaffen entwickelt hat.

Starker Druck wurde auch auf Lundestad ausgeübt, weder Hans Blix zu nehmen, den UN Waffeninspektor im Irak, noch Mohamed El Baradei, den Leiter der internationalen Atomenergiebehörde, den Präsident Bush versucht hatte, loszuwerden, weil er nicht genug Druck auf den Iran ausübe [und der den Preis zugesprochen bekam].

Weitere Kandidaten waren US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair, dafür, dass sie angeblich den Weltfrieden geschützt haben; die EU; der französische Präsident Jacques Chirac, Hauptbeschuldigter in Bezug auf das negative Ergebnis bei der Abstimmung über die EU-Verfassung; der ehemalige tschechische Präsident Václav Havel; der verstorbene Papst Johannes Paul II; der kubanische Dissident Oswaldo Payá; sowie der US-Senator Richard Lugar und der ehemalige US-Senator Sam Nunn für ihr Cooperative Threat Reduction Program, bei dem es um die Vernichtung von Nuklearwaffen der ehemaligen Sowjetunion geht.

Kommentare

15. November 2010, 12:49 Uhr, permalink

Lars

Unglaublich, wie die Regierung uns verarscht .

Weder hier noch in Amerika ....

Angekommen bei der Demoktatur.

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