Aufbau West: Die intellektuelle Kriegsbeute der Alliierten

Die Begeisterung sprüht aus jeder Zeile: 1946 veröffentlichte das renommierte Harper’s Magazine einen Artikel über die Patentfunde der amerikanischen  Teams, die das besiegte Deutschland nach Wirtschaftsgeheimnissen durchkämmten. Sie brachten tonnenweise Material zurück, mit dessen Auswertung die USA jahrelang beschäftigt waren: neue Erkenntnisse in der Materialforschung, im Lebensmittelbereich, in Chemie und Medizin; freilich auch im Flugzeugbau, der Raketen- und Waffentechnik.

Die Originalversion dieses Artikels erschien im Oktober 1946 in Harper’s Magazine.

Unlängst erreichte ein Brief [den Luftwaffenstützpunkt] Wright Field. Der Verfasser schrieb, er habe erfahren, dass die USA eine große Sammlung von Kriegsgeheimnissen des Feindes besäßen, von denen viele zum Verkauf stünden, und fragte, ob man ihm alle vorhandenen Informationen betreffend der deutschen Flugzeugtriebwerke zusenden könnte. Die Air Documents Division (ADD) der Army Air Force antwortete darauf: „Wir bedauern, aber das wären Dokumente mit einem Gewicht von 50 Tonnen.“ Diese 50 Tonnen waren jedoch nur ein kleiner Teil dessen, was zweifellos als größte Sammlung von erbeuteten feindlichen Kriegsgeheimnissen aller Zeiten gelten kann.

Die Sammlung wurde nach Kriegsende hauptsächlich an drei Orten aufbewahrt: im Stützpunkt Wright Field in Ohio, in der Kongressbibliothek und im US-Wirtschaftsministerium. In Wright Field arbeitet man an einer „Hauptinformationsader“, die aus 1.361 Tonnen an Dokumenten besteht. Das Office of Technical Services in Washington (die ursprünglich mit der Verwaltung der Dokumentensammlung beauftragte Behörde Office of the Publication Board ist Teil dieser Organisation) berichtet von Zehntausenden Tonnen an Material. Schätzungen zufolge enthält die Sammlung mehr als eine Million Objekte, und es ist anzunehmen, dass es sich dabei um praktisch alle wissenschaftlichen, industriellen und militärischen Geheimnisse Nazi-Deutschlands handelt.

Ein Washingtoner Beamter bezeichnete die Sammlung als „die weltweit größte Einzelquelle für Informationen dieser Art und zugleich die erste systematische Ausbeutung der Denkleistung eines ganzen Landes.“

Auf der Jagd nach Kriegsgeheimnissen

Die Anfänge der Sammlung datieren zurück in das Jahr 1944. Damals ordneten die Generalstabschefs der Alliierten eine großflächige Suche nach Kriegsgeheimnissen in den besetzten deutschen Gebieten an. Zu diesem Zweck wurde das sogenannte Joint Intelligence Objectives (JIO) Committee gebildet, dem mehrere Teams aus Militärangehörigen und Zivilisten angehörten. Diese Teams sollten den in Deutschland vorrückenden Truppen der Alliierten folgen und sich auf die Suche nach allen militärischen, wissenschaftlichen und industriellen Geheimnissen des Landes begeben, damit diese gegen Japan eingesetzt werden konnten. Die Teams arbeiteten gegen die Zeit, wollten sie doch die wichtigsten Informationen finden, bevor diese zerstört wurden. Auf ihrer Mission vollbrachten die Teams wahre Wunder und zeigten immer wieder ihren Einfallsreichtum und ihre Hartnäckigkeit.

So hatte beispielsweise ein amerikanischer Colonel bei einem Optikhersteller in Wetzlar nahe Frankfurt das Gefühl, die Geschäftsführung würde ihm etwas verschweigen. Ihre Aussage, sie hätten ihm alles ausgehändigt, war jedoch durch nichts zu widerlegen. Daher kehrte er am nächsten Tag mit einem Vertrag zurück, den alle Geschäftsführer unterschreiben mussten. In dem Vertrag erklärten sie, sie hätten ihm „alle wissenschaftlichen und geschäftlichen Informationen“ ausgehändigt und würden „andernfalls die Konsequenzen tragen“. Zwei Tage später unterschrieben sie das Dokument widerstrebend und führten den Colonel dann zu einem Safe in der Wand ihres Warenlagers. Darin befanden sich Geheimunterlagen von optischen Instrumenten, Mikroskopen und Zielgeräten.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 82 lesen. Die Ausgabe können Sie hier erwerben.

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