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Erdung: Das fehlende Element zur Heilung

Unsere Abkopplung vom praktisch unendlichen Elektronenspeicher auf der Erdoberfläche schürt oxidativen Stress und Entzündungsprozesse, die vielen Krankheiten zugrunde liegen. Neue Forschungen zeigen, dass der physische Kontakt mit dem Erdboden Elektronen bereitstellt, die in der lebendigen Matrix unseres Körpers als wichtige Antioxidantien wirken.

Ein Merkmal, das der menschlichen Erfahrung innewohnt, ist unsere Verbindung mit der Erde: die unauslöschliche Verflechtung mit dem Urelement, aus dem all unsere Ahnen hervorgingen und zu dem wir selbst einst zurückkehren werden. Der direkte Kontakt mit der Erde – auch als Earthing, Grounding oder Erdung bezeichnet – belebt unsere Sinne und erweckt unsere uralte Verbindung mit der unbegrenzten Quelle freier Elektronen, die unser Planet bietet.1

Freie Radikale als Vorboten von Krankheiten

Die Erde stellt im Wesentlichen ein Reservoir freier und mobiler Elektronen, also negativer Ladungen dar. Sie haben das Potenzial, die positiv geladenen freien Radikale bzw. reaktive Sauerstoffspezies (engl.: reactive oxygen species; ROS) zu neutralisieren, die Zellbestandteile schädigen sowie zu Krankheit und körperlichem Abbau führen können. Freie Radikale wie Wasserstoffperoxid, das Hydroxyl-Radikal und Hyperoxide sind von Natur aus instabile Verbindungen, die sowohl Nebenprodukte des aeroben Stoffwechsels sind als auch durch verschiedene physiochemische und pathologische Zustände synthetisiert werden.2

Freie Radikale sind nicht per se schlecht: In der Redoxbiologie spielen sie beispielsweise eine hormetische Rolle als Signalmoleküle bei der Selbstregulation der Zellen.3 Außerdem haben sie sich möglicherweise sogar als wesentlicher Signalübertragungsmechanismus entwickelt, der den Körper auf die in der Umwelt zugänglichen Nährstoffe anpasst.4,5 Ein Übermaß an freien Radikalen führt jedoch zu einem Zustand, der als oxidativer Stress bekannt ist und den Nährboden für Autoimmunerkrankungen und andere chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus, Krebs, ischämische Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, arterielle Hypertonie und Präeklampsie sowie neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer bildet.1

Hinsichtlich Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes und Sjögren-Syndrom haben Studien gezeigt, dass die meisten Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen eine übermäßige Belastung durch oxidativen Stress oder ein unzureichendes antioxidatives Abwehrsystem aufweisen.6 Oxidativer Stress wird mit der Pathophysiologie von Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht, weil ein Ungleichgewicht zwischen freien Radikalen und Antioxidantien Entzündungen hochreguliert, die Apoptose oder den Zellsuizid anregt und zudem den Verlust der immunologischen Toleranz oder die Fähigkeit, körpereigene von Fremdsubstanzen zu unterscheiden, bewirkt.6

Erdung gleicht freie Radikale aus

Freie Radikale werden definiert als „Molekülarten, die ungebunden existieren können und ein ungepaartes Elektron in einem Atomorbital enthalten“. Sie neigen dazu, Elektronen an andere Moleküle abzugeben oder sie von anderen aufzunehmen, was zu Schäden an Nukleinsäuren führt, die das genetische Material enthalten. Geschädigt werden können aber auch Kohlenhydrate, Lipide und Proteine.7 Wenn man sich barfuß auf den Erdboden stellt, kann das eine antioxidative Wirkung haben, indem die freien Radikale abgefangen werden. Das kann die durch sie verursachten Schäden mildern, wie eine Überblicksstudie von 2012 bestätigt:

„Die Oberfläche des Planeten ist elektrisch leitend […] und ihr negatives Potenzial wird durch den globalen atmosphärischen Stromkreislauf aufrechterhalten (das heißt, ihr Elektronenbestand wird neu aufgefüllt). Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass das negative Potenzial der Erde eine stabile interne bioelektrische Umgebung für das normale Funktionieren aller Körpersysteme schaffen kann.“8

Die lebende Matrix des Menschen enthält das „kontinuierliche molekulare Gewebe des Organismus, bestehend aus Faszien und anderen Bindegeweben, Interzellularsubstanz, Integrinen, Zytoskeletten, Kernmatrizen und DNA“.9Sie vermittelt den Austausch elektrischer Ladungen, hält die Homöostase im Organismus aufrecht und ermöglicht den Transfer von Ladungen als Vorbeugungsstrategie zur Einleitung einer Entzündungsreaktion, falls eine Infektion oder Verletzung auftritt.9 Wie viele Elektronen bei Heilungsprozessen ausgetauscht werden, machen Arbeiten deutlich, laut denen Patienten mit entzündlichen Erkrankungen während der Körperarbeit, der Massage oder Sitzungen mit angewandter Energiemedizin den Therapeuten tatsächlich Elektronen entziehen.9 Der Barfußkontakt mit der Erde hat demnach das Potenzial, derartige Prozesse abzumildern und akute und chronische Entzündungen zu lindern.9

Die verlorene Kunst der Erdung

In den modernen Industriegesellschaften haben wir unsere grundlegende Verbindung zur Natur aufgegeben, schwingen nicht mehr im Einklang mit den natürlichen Zyklen und haben die heilige Ehrfurcht vor den Tag-Nacht-, den kosmischen, jahreszeitlichen und interstellaren Kräften verloren. Stattdessen fühlen wir uns der Natur überlegen und betrachten sie als etwas, das ausgebeutet und erobert werden muss. Dieser Verlust der Harmonie mit den natürlichen Rhythmen schadet nicht nur der menschlichen Psyche, sondern auch unserer Gesundheit, die untrennbar mit Sonnenstrahlung, Naturgeräuschen und der Erdung verbunden ist.

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