Es geht auch ohne Pille

Pille„Es geht auch ohne Pille“ – ein Mantra, das man in den letzten Jahren immer häufiger hört, scheint es sich doch in der jüngeren (und damit meiner) Generation zu einem Trend zu entwickeln, auf hormonelle Verhütung zu verzichten. Im Grunde bin ich ein Musterbeispiel für die Zielgruppe des Ratgebers von Dr. Jolene Brighten: weiblich, Twenty-Something, seit einigen Jahren „auf Pille“.

Irgendwann wird auch für mich der Zeitpunkt kommen, an dem ich intensiver über ein Absetzen der Pille nachdenke – warum also nicht gleich damit anfangen?

Dr. Brighten, das gleich vorab, will nicht per se von der Entscheidung für die Pille abraten. Vielmehr versucht die Ärztin für funktionelle Medizin und Naturheilkunde, Alternativen aufzuzeigen und ihren jungen Leserinnen konkrete Argumente für und wider hormonelle Verhütung an die Hand zu geben. Obwohl ich mich in dieser Hinsicht für gut aufgeklärt halte, beschließe ich, mich auf Brightens Buch einzulassen.

Ich starte meine Lektüre mit dem fünfseitigen „Hormontest“. Dabei bin ich sehr streng mit mir und entscheide mich in Zweifelsfällen eher für die Antwortvarianten, die für eine Hormonstörung sprächen. Das Ergebnis für mich beruhigend: Offenbar geht es mir ziemlich gut. Wäre dem nicht so und sähen meine Ergebnisse anders aus, hätte ich gleich zu Beginn schon einen Hinweis, welche Hormone für diverse Beschwerden verantwortlich sein könnten: Östrogen, Progesteron, Testosteron, Cortisol oder Schilddrüsenhormone.

Im Folgenden arbeitet Brighten zahlreiche mögliche Komplikationen ab, die mit der Anti-Baby-Pille in Verbindung gebracht werden können, von Darm- und Leberbeschwerden über Schilddrüsenunter- und -überfunktionen bis hin zu psychischen Symptomen. Die Autorin erklärt allgemein verständlich, aber wissenschaftlich fundiert, welche Auswirkungen ein Ungleichgewicht des Hormonspiegels im Körper haben und mit welchen Maßnahmen man diesem Ungleichgewicht entgegentreten kann – egal, ob man die Pille schon abgesetzt hat oder nicht. Dazu dient ihr „30-Tage-Brighten-Programm“, bestehend aus einem Ernährungsplan und begleitenden Nahrungsergänzungsmitteln, die auf den eigenen Bedarf abgestimmt werden können. Ergänzt wird dieser Plan durch einen Rezeptteil und eine Liste alternativer Verhütungsmittel. Nebenbei räumt die Autorin mit gängigen Gerüchten und „alternativen Fakten“ zum weiblichen Zyklus, der Menstruation und der Pille auf und verhilft den Leserinnen damit zu einem Basiswissen, das meines Erachtens selbstverständlich sein sollte. Leider ist es aber, wie ich in den letzten Jahren in diversen Gesprächen mit Altersgenossinnen merken musste, oft nicht einmal im Ansatz vorhanden.

Die Lektüre von Brightens Buch hat mich zwar nicht ad hoc zum Absetzen der Pille gebracht und mich nicht vollends überzeugt, da einige ihrer Ansätze mir eindeutig zu spirituell sind und ich sicherlich weder Brightens empfohlene Menge an Nahrungsergänzungen noch ihren „Frühstücks-Rosenkohl“ ausprobieren werde. Empfehlen kann ich das Buch dennoch jeder Frau, die mit dem Gedanken spielt, die Pille zu nehmen oder abzusetzen, von ihrer Frauen­ärztin aber nicht mehr als ein lapidares „Okay, alles klar, machen wir so“ hört. Bei mir wandert „Es geht auch ohne Pille“ ins Regal – wer weiß, wann man es vielleicht braucht.

Dr. Jolene Brighten
Unimedica

388 Seiten
ISBN: 978-3-962571-84-9
€ 23,80

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