Fehlerhafte Klimadaten im HadCRUT4 – ernste Bedenken oder naive Zweifel?

HadCRUT4-TeaserDer australische Wissenschaftler John D. McLean beklagt seit Längerem, dass der HadCRUT-Datensatz, ein wichtiges Utensil der internationalen Klimaforschung, seltsame bis unmögliche Klimadaten enthält. Bestätigt McLeans Arbeit, dass das offizielle Narrativ zum Klimawandel in Zweifel gezogen werden kann?

Der HadCRUT ist ein Datensatz, in dem historische Erdoberflächentemperaturen den entsprechenden Werten eines Referenzzeitraums gegenübergestellt sind. Der aktuelle HadCRUT4 basiert auf den Oberflächentemperaturmessungen der Meere – bereitgestellt vom britischen Wetteramt Met Office – sowie denen des Bodens, kompiliert von der Universität East Anglia.

Der HadCRUT ist ein wichtiges Werkzeug der internationalen Klimaforschung. Trotzdem finde man in der wissenschaftlichen Literatur nur wenige Veröffentlichungen zu Fehlern und Unsicherheiten, bemerkt der australische Wissenschaftler John D. McLean. Bei einer eigenen Überprüfung im Rahmen seiner Doktorarbeit seien ihm Daten aus der Zeit vor 1950 aufgefallen, die nicht nur lückenhaft wären, sondern in vielen Fällen wahrscheinlich auf falsch justierten Stationsmessungen beruhten, so McLean. Die Datendichte nach 1950 wäre zufriedenstellend, doch das Problem der fehlerhaften Justierung bestünde weiterhin. So lag laut HadCRUT4 die Durchschnittstemperatur der Karibikinsel St. Kitts im September 1981 bei 0°C – sonst sind es 26 –, und von einem Ort in Columbia, USA dürfte nur Asche übrig sein, nachdem die Durchschnittstemperatur ein Jahr lang 81°C betragen haben soll – offensichtlicher Unfug.

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Der Datensatz des HadCRUT4, bereitgestellt von der Climatic Research Unit, University of East Anglia (Open Database License).

Dass der Datensatz ob seiner Komplexität nicht frei von Fehlern sei, räumt auch das Met Office in einer öffentlichen Reaktion auf McLeans Arbeit ein: Der HadCRUT berücksichtige eine große Menge ungesicherter Circa-Werte beim Einschätzen der globalen Temperatur, so ein Sprecher der Behörde. Bereits 2016 habe man Fehler korrigiert, die McLean gefunden habe.

In seinem Audit adressiert McLean 70 fehlerbehaftete Problembereiche, erklärt den HadCRUT für unzureichend und präsentiert eigene Erklärungen zur globalen Erwärmung. Das Met kündigt an, McLeans Beanstandungen bei der nächsten Aktualisierung des HadCRUT zu berücksichtigen, beschwichtigt jedoch, die Korrekturen würden das Gesamtbild wahrscheinlich nicht signifikant verändern. Der langfristige Anstieg der globalen Temperatur sei eindeutig und decke sich mit den Prognosen ähnlicher relevanter Datensätze.

Derweil erfährt McLeans These Rückenwind auf einschlägigen Websites. „Wenn sie [Met Office] derart sorglos mit den Daten umgehen, wie können wir ihnen dann überhaupt vertrauen?“ klagt ein Info-Blogger. Und die Wissenschaftlerin Jo Nova fragt, wieso ein Doktorand Fehler finden könne, die einem millionenschweren Institut mit über 2.000 Mitarbeitern entgangen seien. Im Statement des Met Office will sie „den üblichen PR-Nebel“ erkennen – in diesem Teil des Internets wurden der HadCRUT, der IPCC und die gesamte etablierte Klimawissenschaft längst zur Farce erklärt. Bestätigt McLeans Arbeit, dass ernsthafte Zweifel am offiziellen Narrativ zum Klimawandel angebracht sind?

Aus den Reihen etablierter Klimatologen klingt es danach nicht. Prof. Steven Sherwood von der New South Wales University gibt zu bedenken, McNeals Arbeit enthalte „wenig bis gar nichts Neues […] und scheint aus der spezifischen Motivation entsprungen zu sein, die Erderwärmung in Zweifel zu stellen. Ihre naiven Behauptungen über alternative Ursachen der Erderwärmung berücksichtigen weder die relevanten Gesetze der Physik, noch ergeben sie einen Sinn.“

Und Prof. Nerlilie Abram von der Australian National University erklärt:

„Ob die These einen Wert hat oder nicht sei dahingestellt, aber die Behauptung, sie widerlege die Erkenntnisse des IPCC, ist falsch.”

Quellen: JCU.edu.au, 17.01.2018, http://bit.ly/nex80-klima-1; The Australian (via thegwpf.com), 15.10.2018, http://bit.ly/nex80-klima-2; Mashable.com, 15.10.2018, http://bit.ly/nex80-klima-3; ABC.net.au, 15.10.2018; http://bit.ly/nex80-klima-4

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