Frauenmedizin – Männermedizin

frauenmedHätten Sie’s gewusst? Gereiztheit, Aggressivität, asoziales Verhalten oder übermäßiger Alkoholkonsum können auf eine Depression hindeuten – beim Mann. Und ein normaler Glukosewert, sofern er im Blutbild einer Frau auftaucht, schließt Diabetes keinesfalls aus; denn anders als bei Männern ist bei Frauen nur ein Glukosetoleranztest wirklich aussagekräftig.

Die Wissenschaftsjournalisten Annegret und Rolf Hofmann zeigen in „Frauenmedizin – Männermedizin“ anhand zahlreicher Beispiele auf, dass sich die gleichen Erkrankungen bei Frauen und Männern in unterschiedlichen Symptomen manifestieren. Dies führt dazu, dass so manch ein Leiden entweder gar nicht oder erst relativ spät diagnostiziert wird. Herzinfarkt bei der Frau ist ein klassisches Beispiel für eine oft unerkannte Krankheit, weil die Reaktionsweise des männlichen Körpers aus medizinhistorischen Gründen noch immer als allgemeingültiger Maßstab angelegt wird. Bei Männern wiederum unterläuft Osteoporose häufig den ärztlichen Radar – schließlich erkranken nur Frauen an Osteoporose, so die landläufige Meinung. Aus zahlreichen Studien wird deutlich, dass sich Männer und Frauen hinsichtlich ihres Immunsystems, Schmerzgedächtnisses, Lernverhaltens sowie des Umgangs mit emotionalen Belastungen unterscheiden.

Geschlechtersensible Medizin – also eine Medizin, die bei Diagnostik und Therapie die Geschlechterdifferenz ausreichend berücksichtigt – ist im Gesundheitswesen schon seit den 1980er-Jahren ein Thema, das immer mehr Beachtung findet; die Autoren haben es sich zur Aufgabe gemacht, das breite Publikum ins Boot zu holen. So liefert „Frauenmedizin – Männermedizin“ gesundheitsbewussten Leserinnen und Lesern einen unterhaltsam geschriebenen Einstieg in das Thema der Gendermedizin, es umreißt die Vielfalt der Differenzen, weist aber auch darauf hin, dass noch vieles erforscht werden muss und dass vorhandene Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht monokausal auf die genetische Ausstattung zurückführbar sind, sondern dass auch soziale, ökonomische und individuelle Faktoren eine Rolle spielen. Darüber hinaus appellieren die Autoren an die Leser, das Thema Gesundheit nicht der Ärzteschaft zu überlassen, sondern sich selbst zu informieren, um mit behandelnden Medizinern ein Gespräch auf Augenhöhe führen zu können – oder sie mit neuen Erkenntnissen zu überraschen. Tipps zu Gesundheitsstrategien verleihen dem Buch konkreten, praktischen Nutzen.

„Frauenmedizin – Männermedizin“ geht mehr in die Breite als in die Tiefe; man sollte daher keine systematische Abhandlung erwarten, die das jeweilige Thema bis ins letzte Detail verfolgt, sondern ein Werk, das bei der Auswahl der Informationen den Unterhaltungsfaktor nicht außer Acht lässt.

Annegret & Rolf Hofmann
Goldegg Verlag

206 Seiten
ISBN: 978-3-990602-13-3
€ 17,–

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