Geldgeber klinischer Studien werden selten offengelegt

gelWie eine neue Studie zeigt, wird ein erheblicher Teil der Zahlungen der Pharmaindustrie an Autoren von klinischen Onkologiestudien nicht offengelegt. Untersucht wurden publizierte klinische Studien, in denen es um neue Krebsmedikamente geht. Für die Studie wurde die Open-Payments-Datenbank herangezogen, um herauszufinden, welche Zahlungen an Onkologen gingen, die ihre Ergebnisse in bedeutenden Fachzeitschriften veröffentlicht haben.

Die Zahlungen wurden dann auf ihre Offenlegung durch die Autoren in den betreffenden Fachzeitschriften überprüft. Dabei ergab sich, dass je nach Zeitschrift beinahe die Hälfte der Gesamtfinanzierung nicht offengelegt wurde.

„Das ist der Ehrenkodex“, sagt Dr. Erick Turner, Mitautor der Studie, außerordentlicher Professor für Psychiatrie an der School of Medicine der Oregon Health & Science University (OHSU) in Portland und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Ethik im Gesundheitswesen der OHSU.

„Die Zeitschriften ersuchen die Autoren zwar um eine Offenlegung, aber solche Anfragen haben keine Rechtsverbindlichkeit.“

Die erwähnte Studie ist die erste, die sich mit dem finanziellen Interessenkonflikt bei der Publikation jener klinischen Studien befasst, mit denen die Genehmigung neuer Krebsmedikamente durch die amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA untermauert werden soll.

Wie laut den Forschern bereits nachgewiesen wurde, ändern Zahlungen von Pharmafirmen die Verschreibungspraxis von Ärzten.

„Wir wissen, dass Pharmafirmen klinische Studien ihrer eigenen Medikamente finanzieren – das ist keine Überraschung mehr“, sagt Dr. Cole Wayant, der Hauptautor der Studie, der an der Oklahoma State University forscht.

„Überraschend und besorgniserregend ist jedoch die Tatsache, dass diese Finanzierung bei der Publikation der betreffenden klinischen Studien oft nicht offengelegt wird. Dabei dienen genau diese Studien als Grundlage für FDA-Genehmigungen und Richtlinien zur klinischen Praxis.“

Die Forscher ermittelten 344 Onkologie-Autoren, die über ihre klinischen Studien zu Krebsmedikamenten schrieben, die im Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis 31. August 2017 zugelassen wurden. Insgesamt erhielten diese Onkologie-Autoren Zahlungen von 216 Millionen US-Dollar in folgenden vier Kategorien: Vortragshonorare und andere allgemeine Zahlungen, Forschung zur Studienkoordination, Forschungsstipendien und Gewinne aus einschlägigen Wertpapieren.

Danach verglichen die Autoren die Offenlegung finanzieller Interessenkonflikte bei klinischen Studien, die in sechs bedeutenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften erschienen waren: New England Journal of Medicine, Lancet, Lancet Oncology, Lancet Haematology, Journal of Clinical Oncology und JAMA Oncology. Wie die Studie ergab, legte fast ein Drittel der Onkologie-Autoren (genauer gesagt: 110) die entsprechenden Zahlungen nicht vollständig offen.

Die Studienergebnisse sollen als Forschungsbrief in der Zeitschrift JAMA Oncology erscheinen.

Quelle: ScienceDaily.com, 30.08.18, http://tinyurl.com/yb8pf42a

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