Knotenpunkt Kinderhandel: Etwas ist faul im Staate Arizona

Eins von hundert Kindern holt der Staat Arizona aus ihren Familien. Den Kindern geht es dadurch nicht automatisch besser – vielleicht erinnern Sie sich an den Fall David Frodsham: Der staatlich geprüfte Pflegevater missbrauchte und vergewaltigte seine Schutzbefohlenen wiederholt und steht im Verdacht, Teil eines kriminellen Pädophilenrings zu sein. Frodsham ist offenbar kein Einzelfall. Missbrauch, Folter und Vergewaltigungen von Pflegekindern sind in Arizona häufig aktenkundig, was die Frage aufwirft: Steckt System dahinter?

Manches spricht dafür. Zum Beispiel die Tätigkeit und Untätigkeit der Maria Hoffman. Seit 1990 ist Hoffman Direktorin des Legislativbüros Familienanwaltschaft in Arizona. Diese Stelle soll Eltern, Kindern und anderen Geschädigten helfen, die Probleme mit dem Pflegesystem haben. Allerdings ist nach Recherchen der Website MedicalKidnap.com das Gegenteil der Fall: Frau Hoffman blocke, leugne, drohe und schüchtere ein, berichten Betroffene.

So undurchsichtig wie ihr Verhalten sei auch Hoffmans Posten: Niemand scheint zu wissen, was sie eigentlich tut, wer sie dafür bezahlt, ob ihre Arbeit kontrolliert wird und was sie für ihren Posten qualifiziert. Klar scheint nur: Hoffman behindert die Aufklärung von Missbrauchsfällen in Pflegeverhältnissen, statt sie zu erleichtern.

Profitiert haben davon Netzwerke wie das, in dem sich Michael Lacey und Jim Larkin bewegen. Die aus Arizona stammenden Männer sind Gründer der 2018 gesperrten Website Backlist.com. Backlist startete als Kleinanzeigenbasar, wobei der Anteil an Sex- und Escortanzeigen mit der Zeit überproportional anstieg. In jahrelangen Ermittlungen und Gerichtsprozessen entpuppte sich die Website schließlich als bedeutendstes Instrument für den US-Menschenhandel – auch mit Minderjährigen. Eine Untersuchung des US-Senats im Jahr 2017 ergab: 73 Prozent aller Fälle von Kinderhandel in den USA wurden über Backlist abgewickelt. Deren Betreibern sei das bewusst gewesen, sie „erleichterten wissend den Kinderhandel“, heißt es im Senatsbericht. Das neue Verfahren im Fall Backlist soll im Jahr 2020 starten.

Dabei scheint die Website nur ein Knoten eines größeren Netzes gewesen zu sein. Den Eindruck bestätigt auch ein Blick auf Laceys und Larkins Portfolio: Als Gründer der Village Voice Media Holdings gaben sie zahlreiche Lokal- und Stadtteilzeitungen wie die LA Weekly heraus. Außerdem investierten sie Millionensummen in Wohltätigkeitsorganisationen für Pflegekinder und in Unternehmen wie Perkins Coie, eine internationale Anwaltskanzlei, die an der Ausgestaltung diverser Gesetze zur Kinder- und Jugendpflege beteiligt war – auch in Arizona.

Gerichtsakten zu den US-Ermittlungen gegen organisierten Menschenhandel lassen den Schluss zu, dass ein Teil der Kinder, die mithilfe des staatlichen Pflegesystems gekidnappt wurden, zuvor unbegleitet über die Grenze in die USA gekommen waren. 125.000 gelangten allein zwischen 2011 und 2016 in die Staaten – und waren dort leichte Beute für Schlepper und Entführer, wie der US-Senat 2016 offiziell feststellte: Das zuständige Office of Refugee Resettlement, heißt es in einem Senatsbericht, habe in seiner Aufgabe versagt, diese Kinder vor Menschenhandel und Missbrauch zu schützen.

Das alles ergibt das Bild eines widerlichen Geschäfts mit Kinderleben, dessen Einfluss zumindest in Arizona kaum zu leugnen ist. Handfest beweisen lassen sich freilich nur Ausschnitte. Die Hoffnung aber bleibt, dass die neuen Anstrengungen der US-Regierung gegen Kinder- und Menschenhandel mehr nach sich ziehen als zähe Gerichtsprozesse und Websitesperren. Für jene, die in diesem makabren Spiel auf der Opferseite stehen, zählt jeder Tag.

Quellen: MedicalKidnap.com, 05.02.19; https://bit.ly/ariz-1; AZCentral.com, 13.04.18; https://bit.ly/ariz-2

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