Machtbeben: Die Welt vor der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten

machtbebenIch hatte Ihnen ja schon begeistert vom Interview mit Dirk Müller bei KenFM berichtet (siehe Ausgabe 81); nun habe ich auch sein Buch gelesen. Letztlich ist es die Langversion seiner dort getätigten Aussagen, sozusagen das Interview mit Endnoten zum Nachhaken. Müller schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und das spricht an: Irgendwie schafft er den Spagat zwischen populistisch und populär, Verschwörungstheorie und -fakt, Idealismus und Realismus.

Was unsere Zukunft betrifft, gibt er sich keinen Illusionen hin – das verkündet ja schon der Untertitel. Wenn man sich den weltweiten Anleihenmarkt anschaut, so Müller, wartet da die „Mutter aller Blasen“ mit einem Wert von 150 Billionen US-Dollar prall gefüllt auf die Nadel (Vergleich: alle Dow-Jones-Unternehmen sind 5 Billionen Dollar wert). Und auch China, das verzweifelt den Klauen des Imperiums zu entrinnen versucht, sieht er als Gefahrenherd, denn über den Zinshebel und die Dollardruckmaschine haben immer noch die USA alles in der Hand. Die aktuelle Nullzinspolitik ist gesamtwirtschaftlich so etwas wie ein Nachbrenner, der zu stottern beginnt, sobald irgendjemand beschließt, die Zinsen wieder anzuheben. (Was die USA getan und damit China in die Bredouille gebracht hat.)

Auch wenn Müller immer wieder die Macht des Einzelnen und freier Bürgerzusammenschlüsse betont, gibt er sich auch hier keinen Illusionen hin: Aus der kommenden Krise werden die heutigen Global Player als Sieger hervorgehen, und diese werden unsere Zukunft diktieren, die aus Kryptowährungen, Internethandel, selbstfahrenden Autos und Automatisierung bestehen wird. Der Eliteplan läuft, und auch die Migrationsbewegungen sind Teil einer Agenda, an deren Ende eine Weltgemeinschaft mit Weltregierung stehen wird.

Was ist daran eigentlich so schlimm? Nun, im Grunde ist eine geeinte Welt, die ihre Territorialzwiste hinter sich lässt, ein völlig natürlicher Prozess, vielleicht sogar Bedingung für eine interplanetare Zukunft – nur forciert die Elite diesen Prozess halt und manipuliert ihn in ihrem Sinne.

Man kann Müller ankreiden, dass er bei seinem eigens aufgelegten Fonds, der die Wirtschaftskrise überdauern soll und auf Langfristigkeit angelegt ist, genau mit diesen Global Playern ins Bett steigt – aber am Ende spiegelt es nur sein Denken wider. Schaut man der Elite nämlich auf die Finger, merkt man, dass die Weichen für die Zukunft längst gestellt sind – und ob da nun ein Knall kommt oder nicht, die Flaggschiffe dieses Plans werden weitersegeln.

Was Müllers Prognosen zu China angeht, bin ich inzwischen skeptischer, denn die Machtgefüge verschieben sich derzeit stärker, als den USA lieb ist. Aber es sind nicht unbedingt die geopolitischen Erwägungen, die in mir nachwirken: Es sind die originellen Mikrofakten und Müllers rundweg humanistischer Ansatz, der nicht nur über politische, sondern auch gesellschaftliche Lager hinwegdenkt. Realistisch betrachtet kommen wir nämlich auch nicht weiter, wenn wir ständig „gegen“ die Elite sind, sondern müssen auch hier ganzheitlich denken … und selbst wenn Müller es nicht so explizit ausdrückt, ist das ein Gedanke, den ich bis heute wälze.

Dirk Müller
Wilhelm Heyne Verlag
349 Seiten
ISBN: 978-3-453-20489-8
€ 22,-

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