Molekularbiologe analysiert Alien-DNA

alienAnfang Juli taucht ein bizarres Posting in einem englischsprachigen Internetforum auf: Ein Mann, der sich als Mikrobiologe bezeichnet, will für die Regierung in einem Privatlabor den Körper eines „exo-biosphärischen Organismus“ – kurz: EBO – untersucht haben. Die Nutzer sind skeptisch und stellen fachspezifische Fragen, die der unbekannte Insider aber zu ihrem Erstaunen überzeugend beantwortet.

Und noch etwas ist seltsam: Die Moderatoren der Untergruppe des Forums stellen fest, dass die Kommentare des Insiders automatisch entfernt werden und sein Account als „shadowbanned“ gekennzeichnet ist – eine Funktion, zu der sie selbst keinen Zugang haben. Der Account ist inzwischen gelöscht.

Anmerkung des australischen Herausgebers Duncan Roads

Die Chatforen der sozialen Medien werden häufig von Insidern und sogar von Whistleblowern genutzt, um Informationen zu verbreiten, die schwer auf ihrem Gewissen lasten. In diesem Fall nutzte der Insider die Plattform Reddit, ein Forum, das für die meisten Menschen, die etwas gegen die staatlichen Narrative zu irgendeinem Thema einzuwenden haben, mittlerweile zu woke und übermäßig zensiert ist. Der Insider legte Anfang Juli mit seinem ersten Post los und ließ anschließend Fragen zu. Doch zu diesem Zeitpunkt begann Reddit die Antworten, manchmal sogar zusammen mit den Fragen, zu löschen. Selbst die Moderatoren des Reddit-Forums waren offenbar geschockt über das Ausmaß an nicht nachverfolgbarer Zensur, von der sie bisher nichts wussten. Mir gelang es, den überwiegenden Teil der besten Texte zu sichern.

Der Bericht des Insiders

Von Ende der 2000er- bis Mitte der 2010er-Jahre arbeitete ich als Molekularbiologe für einen nationalen Sicherheitsdienstleister und nahm an einem Programm zur Erforschung exo-biosphärischer Organismen (EBO) teil. Das Ziel dieses Programms bestand darin, die genetische und proteomische Ausstattung solcher Organismen in Erfahrung zu bringen. Obwohl die Erforschung der organischen und biomolekularen Chemie (OBC) bereits seit Jahrzehnten im Rahmen anderer Programme betrieben wird, gaben in den späten 1990er-Jahren die neuen DNA-Sequenzierungstechnologien mit hoher Durchsatzleistung der stagnierenden Forschung in diesem Bereich neuen Schwung. Seit dieser Zeit haben mehrere Durchbrüche zu deutlichen Fortschritten bei der Entschlüsselung des Genoms und des Proteoms solcher Wesenheiten geführt. Unsere Erkenntnisse bringen einige beunruhigende Aspekte bezüglich unseres Platzes im Universum ins Spiel. Kurz: Wir konnten herausfinden, dass das Genom dieser EBO als Schimäre aus Genomen unserer eigenen Biosphäre und einer anderen uns unbekannten Biosphäre entstanden sein muss. Diese Organismen sind künstlich, kurzlebig und leicht zu ersetzen. Für welchen Zweck sie geschaffen wurden, wissen wir noch immer nicht genau. Ich werde meine Behauptungen nach einer kurzen Einführung näher begründen.

Der Grund, warum ich diese Geheimnisse offenlege, ist ganz einfach: Ich glaube, dass jeder Mensch das Recht hat, die Wahrheit zu erfahren, und dass die Menschheit, wenn sie voranschreiten will, sich von bestimmten Institutionen und Organisationen trennen muss. Denn die werden solche Enthüllungen vermutlich auf lange Sicht ohnehin nicht überleben. Mir ist klar, dass ich darauf nur wenig Einfluss habe; dennoch glaube ich, dass kleine Enthüllungen notwendig sind, um den Damm der Fehlinformationen zu diesem Thema zu brechen.

Wenn die Regierungen letztendlich diese Geheimnisse enthüllen, wird es zweifellos gesellschaftliche Unruhen geben. Doch je länger wir warten, umso schlimmer werden die Dinge meiner Meinung nach. Ich habe mich entschlossen, das, was ich weiß, anonym zu enthüllen, und zwar aus dem selbstsüchtigen Motiv heraus, meine Familie und mich zu schützen. Mir ist klar, dass diese Vorgehensweise die Reichweite und Glaubwürdigkeit meiner Botschaft beschränkt, doch das ist der äußerste Schritt, den zu gehen ich bereit bin. Dieses Forum habe ich gewählt, weil es einen guten Kompromiss zwischen Anonymität und Popularität bietet. Um meine Anonymität zu wahren, äußere ich mich absichtlich nur vage oder widersprüchlich über Informationen, die zu meiner Identifizierung führen könnten (Datum, Ausbildung, Rolle etc.). Ich lege sogar ein paar falsche Fährten, möchte jedoch klarstellen, dass dies nicht für die Informationen zum Thema selbst gilt. Bevor Sie weiterlesen, möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen, falls Sie meinen Erklärungen nur schwer folgen können. Einige Abschnitte meines Textes sind sehr fachspezifisch – es ist schwierig, einen Mittelweg zwischen einer populärwissenschaftlichen und einer wissenschaftlichen Herangehensweise zu finden.

Doch zunächst möchte ich noch mehr über mich selbst erzählen – aber wozu, wenn Sie doch bereits wissen, dass meine Ausführungen notwendigerweise irreführend sein werden? Ich möchte lediglich die Art von Menschen vorstellen, die solcher Arbeit nachgehen – es sind ganz normale Wissenschaftler. Ich habe einen Abschluss als Doktor der Molekularbiologie. Um die Teilnahme an dem Programm habe ich mich nicht aktiv bemüht, vielmehr verdanke ich es einem Glücksfall, dass ich einen der leitenden Wissenschaftler kennenlernen konnte. Ich begegnete ihm bei einer Konferenz, bei der ich ein Poster über die Forschungen für meine Doktorarbeit präsentierte. Im Nachhinein glaube ich nicht, dass meine Präsentation ihn wirklich beeindruckt hat, denn, offen gesagt, handelte es sich um ein Projekt, das ins Nichts führte. Im Spiel war wohl eher der wichtigste Aspekt einer professionellen Karriere, nämlich die Offenheit und Leichtigkeit, mit der man Kontakte knüpft. Kurz nachdem ich meinen Abschluss erworben hatte, rief er mich an, um mir eine Stelle anzubieten. Damals hatte ich eher erwartet, in einem ganz normalen Labor zu arbeiten.

Ich hatte drei Vorstellungsgespräche an verschiedenen Orten, eines dubioser als das andere. Mein wissenschaftlicher Hintergrund spielte dabei eine zunehmend untergeordnete Rolle. Das erste Vorstellungsgespräch führten zwei der leitenden Wissenschaftler, das zweite und das dritte hatte ich mit Leuten, die ich danach niemals wiedersah und die ganz offenkundig keinerlei Interesse an Wissenschaft hatten. Irgendwann nach diesem Gespräch wurde ich aufgefordert, einen vierten Ort aufzusuchen, wo mir ein Unternehmensanwalt eine Geheimhaltungsvereinbarung vorlegte. Er gab sich Mühe, mir jede Einzelheit zu erklären und sicherzustellen, dass ich mir über die Konsequenzen klar wurde, die eine Nichteinhaltung nach sich ziehen würde.

Die ersten Wochen an dieser Arbeitsstelle waren mit Abstand die denkwürdigsten, obwohl ich die meiste Zeit in einem deprimierenden Archiv verbrachte. Meine Tätigkeit bestand fast ausschließlich darin, mich in das Forschungsthema einzulesen und mich über den Stand der Dinge zu informieren. Es gab keine geheime Wikipedia-Enzyklopädie und nicht einmal ein Fachbuch, an dem ich mich hätte orientieren können. Es gab nur trockene Berichte, Memos, Präsentationen sowie Verfahrens- und Standardarbeitsanweisungen. Bei den Dokumenten ging es fast ausschließlich um die Biologie der EBO, einige befassten sich jedoch auch mit deren Ernährung, Religion oder Kultur. Zu ihrer Technologie fand ich keine Unterlagen.

Wie bereits erwähnt, zielte das Projekt darauf ab, ein besseres Verständnis für das Genom und das Proteom der EBO zu gewinnen. Ein Team von etwa 20 Wissenschaftlern, vier leitenden Wissenschaftlern und einem Direktor arbeitete an dem Projekt. Die Wissenschaftler, zu denen ich gehörte, waren in erster Linie für die fachlichen Arbeiten zuständig. Da jeder meines Wissens über einen Doktortitel verfügte, waren alle etwas überqualifiziert für diese Art von fachlicher Arbeit. Die leitenden Wissenschaftler dagegen, die Versuchsanordnungen konzipierten und Aufsicht führten, konnten ihre Diplome voll einsetzen. Sie waren auch für die Schulung der neuen Mitarbeiter verantwortlich und legten mitunter bei den fachlichen Arbeiten selbst Hand an. Natürlich hatte der Direktor das Sagen. Er setzte die Prioritäten für die Tätigkeit der leitenden Wissenschaftler. Im Haus war er nur selten, und wenn, dann nur, um an Sitzungen teilzunehmen. Neben den wissenschaftlichen Mitarbeitern gab es Sicherheitskräfte, die für den einen oder anderen Subunternehmer arbeiteten. Es gab kein unterstützendes Personal wie Hausmeister oder Wartungspersonal. Diese Aufgaben fielen den Wissenschaftlern zu. Aufgrund logistischer Einschränkungen war es ohnehin notwendig, dass alle Wissenschaftler alle Arten von fachspezifischen Arbeiten auszuführen in der Lage waren.

Das Labor selbst befindet sich in Fort Detrick, Maryland, in einem Gebäude, das für reguläre biomedizinische Forschung genutzt wird. Geheime Operationen werden in einem abgetrennten Teil des Untergeschosses durchgeführt, zu dem keiner der regulären Mitarbeiter Zutritt hat. Anders als man vielleicht erwarten würde, ist die biologische Schutzstufe für diese Art von Forschung nicht maximal hoch. Tatsächlich unterliegt das Labor, in dem Proben von EBO oder daraus gewonnene Zellkulturen aufbewahrt werden, nur der Schutzstufe BSL-3, und das Labor, in dem Versuche durchgeführt werden, lediglich der Schutzstufe BSL-2. Zum BSL-3-Bereich der Anlage gehören ein Kühlraum und ein Zellkulturlabor, die nur über einen Vorraum im BSL-2-Bereich zugänglich sind. Die Leichen der EBO werden in horizontalen Kühlräumen bei einer Solltemperatur von minus 80 Grad aufbewahrt. Um die Haltbarkeit dieser Leichen zu verlängern, werden sie in Vakuumsäcken bei kontrollierter minimaler Luftfeuchtigkeit gelagert. Es gibt nur vier Leichen, und keine davon ist vollständig. Ganz offenkundig sind diese Wesenheiten aufgrund eines schweren Traumas gestorben. Ich habe nie das Opfer eines Motorradunfalls zu Gesicht bekommen, vermute aber, dass es ähnlich aussehen würde. Mir ist bekannt, dass es an anderen Orten weitere Körper von EBO gibt. Im Zellkulturlabor werden, wie der Name schon sagt, Zelllinien aus EBO gezüchtet und damit verbundene Arbeiten durchgeführt. Über diese speziellen Zelllinien werde ich in Kürze Näheres ausführen. Der BSL-2-Bereich wird in erster Linie für Versuche, Immunhistochemie, Gentechnik, Immuncytochemie, Lagerung etc. genutzt. Auch hier gibt es ein Zellkulturlabor, in dem jedoch eher traditionelle Zelllinien gezüchtet werden. Abgesehen von den Labors sind alle Einrichtungen vorhanden, die man in einem Büro erwarten würde. Internetzugang haben jedoch nur die leitenden und die höheren Mitarbeiter. Es gibt allerdings ein Intranet für Zwecke der Bioinformatik.
Ehe ich mich der Biologie dieser Wesenheiten zuwende, möchte ich zunächst ihre Genetik und Anatomie erklären und schließlich ihre biologischen Systeme in groben Zügen präsentieren. Ich möchte klarstellen, dass ich meine Erkenntnisse durch eigene Beobachtungen und durch Lesen gewonnen habe. Ich werde häufig auf Vergleiche mit der menschlichen Anatomie zurückgreifen, denn sie bietet sich als Referenzrahmen an.

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