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Omega: Der transzendentale Punkt am Ende der Zeit

omegaEs ist naturwissenschaftlich unbestreitbar, dass die Evolution zu immer komplexeren Zellverbindungen und höheren Lebewesen neigt. Genauso Fakt ist, dass die Neuschöpfungen im Verlauf der Zeit in immer kürzeren Abständen auf den Plan treten. Doch die wenigsten Forscher stellen sich die Frage: Wo steuert das alles eigentlich hin?

Dass die Evolution zu immer komplexeren Zellverbindungen und höheren Lebewesen neigt, ist unumstritten. Wenn im Bauplan der irdischen Biologie nicht höhere Hirnfunktionen vorgesehen wären, würden Sie diesen Text nicht lesen. Aber wo steuert das alles hin?

Wie wir heute wissen, strebt die Evolution der irdischen Biosphäre danach, Neues zu schaffen, das Chaos zu zähmen und in Struktur zu verwandeln. Dabei lernen die lebendigen Systeme, sich selbst und ihre Beziehungen zur Umwelt immer besser zu organisieren. Die uns bekannte Evolution auf Planet Erde lässt sich in dieser Hinsicht durch zwei wesentliche Merkmale charakterisieren:

  1. Die Evolution strebt danach, nie da gewesene Formen des Lebens zu schaffen. Dabei erhöhen sich Komplexität und Verbundenheit.
  2. Die Neuschöpfungen treten in immer kürzeren Zeitabständen auf den Plan.

Im Verlauf dieser Entwicklung treten regelmäßig Prozesse auf, die es nie zuvor gegeben hat. Zu Beginn der Evolution waren das so grundlegende Dinge wie die Entstehung der Einzeller, der Fotosynthese und der Eukaryoten – in späteren Phasen dann die Ausdifferenzierung der höheren Lebewesen von Wirbeltieren über Amphibien und Säugetiere bis hin zum Menschen. Diese evolutionären Prozesse in der Zeit lassen sich auf eine logarithmische Skala projizieren. Nimmt man den Logarithmus zur Basis 10, so ergibt sich die unten gezeigte Tabelle 1, in der sich die Dauer der Stufen jeweils um den Faktor 10 verkleinert. Wenn man bedeutsame evolutionäre Ereignisse auf der entsprechenden logarithmischen Zeitstufe einträgt, dann zeigen sich auf jeder nachfolgenden Stufe Entwicklungen, die einen höheren Grad an Komplexität aufweisen. Aus der Tabelle lässt sich deutlich ablesen, dass die evolutionären Neuerungen – auch Erstmaligkeit genannt – in immer kürzeren Zeitabständen auftreten.1

Die kulturellen und technologischen Entwicklungen der Hominiden kann man als Fortsetzung und Front der biologischen Evolution betrachten. Daher lässt sich auch an Beispielen aus der Technologiegeschichte der Menschheit überzeugend aufzeigen, dass sich das Auftreten von technologischen Durchbrüchen in der Zeitdimension sukzessive verkürzt. So brauchte es von der Entdeckung und Anwendung des Rades bis zur ersten Dampfmaschine (1712) circa 4.700 Jahre. Zwischen der Erfindung der Dampfmaschine und dem ersten elektrischen Kraftwerk von Edison (1882) vergingen etwa 170 Jahre. Und von der Nutzung der Elektrizität bis zur Nutzung der Kernenergie (bezogen auf die erste Kernspaltung 1938) sind es nur 56 Jahre. Die Beschleunigung der technischen Neuerungen lässt sich am Beispiel der Computerevolution fortsetzen: Vom ersten Personal Computer (1980, IBM) bis zu den Anfängen des Internets (1991, Start des WWW) sind es gerade einmal elf Jahre (Tabelle 1).

progression

Tabelle 1: Einteilung der Evolution in Stufen, wobei jede nachfolgende Stufe um den Faktor 10 zeitlich verkürzt ist. Die  Angaben über die Zeitfenster der evolutionären Durch­brüche sind nicht in allen Publikationen und Lexika iden­tisch, aber das Grundschema ist in den Wissenschaften unstrittig.

Dieses nachweisbare beschleunigte Auftreten von technologischer Erstmaligkeit lässt vermuten, dass sich die Abstände der auf uns zukommenden technologischen Durchbrüche von Jahrzehnten auf Jahre, Monate und Tage verkürzen werden. Die exponentiell fortschreitenden Entwicklungen von Speichergröße und Rechenkapazitäten, aber auch in Bereichen wie Robotik, Nanotechnologie, Gentechnik und künstlicher Intelligenz produzieren einen Ereignishorizont von Erstmaligkeit, den wir mit unseren Prognosen nicht mehr durchdringen können. Ein Grund dafür ist, dass das exponentielle Wachstum der Technologie nicht mit unserer Art und Weise, die Welt wahrzunehmen, kompatibel ist. Unsere biologischen Gehirne sind so strukturiert, dass sie die Welt lokal und linear wahrnehmen. Das beobachtete Auftreten von unvorhersehbarer Erstmaligkeit führt leider dazu, dass der Mensch wenig Vertrauen in seine Projektionen von zukünftigen Entwicklungen hat. Doch es gibt genügend wissenschaftliche Gründe, eine künftige Konvergenz der evolutionären Kräfte anzunehmen, obwohl die Konsequenzen dieser Annahme für unser Vorstellungsvermögen nur schwer fassbar sind.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 88 lesen. Die Ausgabe können Sie hier erwerben.

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