Planet of the Humans

planetWohl nicht ohne Grund erinnern Titel und Schriftzug der Dokumentation an den cineastischen Klassiker „Planet der Affen“. Schließlich sorgt sich der Filmproduzent Jeff Gibbs seit seiner Jugend und der Gründung eines nachhaltiges Hofgutes in den Wäldern Michigans um den Fortbestand der Menschheit, die er durch die Verschmutzung der Umwelt existenziell bedroht sieht. Daher werden gleich zu Beginn des Films zufällig ausgesuchte Passanten auf der Straße mit einer grundlegenden Frage konfrontiert, die Gibbs antreibt: Wie lange wird die Menschheit auf diesem Planeten existieren?

Während manche Bürger eine „unendliche“ Zeitspanne im Sinn haben, geben manche Skeptiker der Menschheit nur noch zehn Jahre. Wie der enorme Zulauf zu den „Fridays for Future“-Protesten gezeigt hat, machen sich gerade viele junge Menschen aufgrund des Klimawandels Sorgen um die Zukunft. Als probates Mittel gegen den Klimawandel werden erneuerbare Energien ins Feld geführt.

Anhand mehrerer Beispiele zeigt der Dokumentarfilm auf, dass die regenerativen Energien keine wirkliche Lösung für die ökologischen Pro­bleme der Menschheit sind. So ist die Produktion von Batterien für Elektroautos extrem energieintensiv und umweltschädlich – und da Wind- und Sonnenergie nicht konstant lieferbar sind, muss bei der Herstellung auf fossile Brennstoffe zurückgegriffen werden. Selbst auf Festivals, die angeblich nur mit Sonnenenergie betrieben werden, kommen Dieselaggregate zum Einsatz, sobald es zu regnen beginnt, wie ein Blick hinter die Kulissen zeigt. Mit dem Thema Biomasse schneidet der Film ein besonders heikles Thema an, da die Rodung von Wäldern zur Energiegewinnung alles andere als „klimaneutral“ sein dürfte. Und da die erneuerbaren Energien meist nicht effizient genug sind, werden Kohlekraftwerke heimlich, still und leise durch Gaskraftwerke ersetzt.

Deutlich wird: Nicht der Schutz von Mensch und Natur steht im Vordergrund, sondern das Gewinnstreben von Investoren. Aufschlussreich wird es in der Doku, wenn die Geldströme zwischen bestimmten Umweltschutzgruppen, der Rockefeller-Stiftung, der Bank Goldman Sachs und Konzernen wie Bloomberg oder BlackRock aufgedeckt werden. So haben Al Gore, der renommierte Klima­freund, und der ehemalige Goldman-Sachs-Mitarbeiter David Blood im Steuer­paradies auf den Kaimaninseln einen gemeinsamen Investmentfonds gegründet. Für Jeff Gibbs ist die Übernahme der Umweltbewegung durch den „krebsartigen Kapitalismus“ abgeschlossen. Von den eigentlichen Problemen wie Überbevölkerung, enthemmter Konsum und suizidales Wirtschaftswachstum wird durch die Propagierung erneuerbarer Energien geschickt abgelenkt.

Für die ehemaligen Weggefährten von Gibbs spielt der Film der Öl- und Kohleindustrie in die Karten. Das Problem der Übervölkerung sollte auch nicht davon ablenken, dass ein Zehntel der Weltbevölkerung für rund die Hälfte des globalen Treibhausgas­ausstoßs verantwortlich ist. Leider präsentieren Michael Moore und Jeff Gibbs keinen adäquaten Gegenentwurf zur jetzigen Lage. Bis Mitte Mai hatte der Film dennoch über 7,6 Millionen Aufrufe im Internet und löste in den USA eine erbitterte Debatte aus. Immerhin wurde der im Film kritisierte Aspiration Fund unmittelbar nach der Filmveröffentlichung vom Markt genommen. Letztlich liegt es wohl an unserer Generation, ob die Erde auch in den kommenden Dekaden ein Planet der Menschen bleibt.

Michael Moore/Jeff Gibbs
100 Minuten
Engl. mit dt. Untertitel
PlanetOfTheHumans.com

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