The Autism Vaccine: The Story of Modern Medicine’s Greatest Tragedy

autismZum Leidwesen der Freunde gepflegter Literatur meint ja heute jeder Zweite, er könne ein Buch schreiben und müsse das auch tun. BoD und Amazon machen es einem leicht – und so wühlt sich jemand wie ich, der gern abseits der erschlossenen Minen gräbt, durch viel Schotter, bis er auf Edelmetall trifft.Maready liefert glänzend ab, denn er hat die Grundlagen des Storytelling verinnerlicht: Protagonisten, Faden, Details, Aufbau – es passt einfach. Die Themen, die er derzeit bearbeitet, haben mich auf ihn aufmerksam gemacht: Infektionskrankheiten, Medizingeschichte und Impfungen.

„The Autism Vaccine“ ist der zweite Teil einer Trilogie, die mit einer Recherche und Hintergrundgeschichte zu Polio begann. Der Titel sagt es: Es geht um den Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus.

Als Protagonisten hat er sich die Dionne-Fünflinge ausgesucht – fünf eineiige Mädchen, die ersten bekannten überlebenden Fünflinge der Moderne. Die allein sind schon eine Geschichte wert, wurden sie doch mit Trara als wissenschaftliche Versuchskarnickel wie in einem Zoo groß. In dem bekamen sie natürlich auch öffentlichkeitswirksam die damals frisch entwickelten Impfstoffe gegen Diphtherie mit der neuen Wunderbeigabe Aluminiumhydroxid injiziert – dreimal.

Als wir in der Storyline so weit sind, haben wir diverse Abstecher hinter uns: Wir waren in den Laboren von Emile Roux und Emil von Behring, haben Antitoxine aus literweise Pferdeblut gewonnen und Kinder mit zugepelzter Kehle an Diphtherie ersticken sehen. Die damals grassierende Kinderkrankheit war so ekelig, dass man sich fragt, wie man wohl als Elternteil heute reagieren würde, gäbe es sie noch in dieser Ausprägung. Gegenüber den brandneuen Impfstoffen waren die meisten jedenfalls zu Recht skeptisch, da sie schlecht aufgereinigt waren und zur Serumkrankheit führen konnten, einer schweren Impfreaktion auf artfremdes Protein.

Alles änderte sich mit der Entdeckung der Aluminiumsalze als Wirkverstärker: Die Impfstoffe hatten weniger – zumindest unmittelbare – Nebenwirkungen und wurden auch deshalb besser angenommen, weil nur noch ein einzelner Schuss notwendig war. Das war 1932. Als drei Jahre später, 1935, die großen Impfkampagnen gegen Diphtherie ins Rollen kamen, beschrieb der Psychiater Leo Kanner den ersten Autismusfall. Bis dahin war die Symptomatik nicht bekannt; außerdem wollte sie sich nicht in die gängigen Theorien zu sozialen Milieus und Erbgut einfügen – unerklärlicherweise waren auch Akademikerkinder betroffen. Ärzte und Eltern standen vor einem Rätsel, das bis heute nicht gelöst ist.

Kann Maready den Missing Link liefern? Hat es auch die Fünflinge erwischt? Nun, wie es sich für gut präsentierte Sachbücher gehört, erfährt man noch einiges mehr als das.

Forrest Maready
Feels Like Fire

289 Seiten
ISBN: 978-1090448200
$ 18,99

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