Wood Wide Web – das Internet der Wälder

WoodsDer gebürtige Bonner Peter Wohlleben, 51, seines Zeichens Förster und Buchautor, hat sich durch kritische Bücher zu Themen wie ökologisch orientiertem Waldbau oder Jagd und Umweltschutz einen Namen machen können. Sein Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ (München: Ludwig Verlag, 2015) führt nun ungeahnte Fähigkeiten von Bäumen ins Feld – und damit das Wissen um eine verborgene Welt, das auch für unsere Zukunft wichtig sein könnte.

Die Nachhaltigkeitsexpertin Dr. Alexandra Hildebrandt hat in einem Artikel für die Huffington Post die wichtigsten Erkenntnisse Wohllebens zusammengefasst:

Bäume sind soziale Wesen, die ihre Nahrung mit Artgenossen teilen und sich manchmal sogar gegenseitig gesundpflegen können. Ihr gemeinsames Ökosystem federt Wetterextreme genauso ab wie es Wasser speichert und sehr feuchte Luft erzeugt. Bäume können in diesem intakten Umfeld geschützt leben und sehr alt werden. Das erklärt auch, warum gepflanzte Forste – die meisten Nadelwälder unserer Breitengrade – kaum mehr zu Netzwerken zusammenfinden und ihre Bäume als Einzelgänger auftreten: Ihre Wurzeln wurden durch die Pflanzung bereits dauerhaft beschädigt.

Die weitreichenden Wurzeln scheinen dem Baum als eine Art Gehirn zu dienen. Sie verbreiten in Windeseile Nachrichten und sorgen so für die Kommunikation der Bäume.

Daher rührt der Begriff des „Wood Wide Web“: Mithilfe von Pilzen, die wie die Glasfaserleitungen des World Wide Web agieren, tauschen Bäume Informationen auf olfaktorischer, optischer und elektrischer Ebene aus. Letztgenanntes geschieht vermutlich durch eine Art Nervenzellen an den Wurzelspitzen. Unseren gezüchteten Kulturpflanzen ist diese Kommunikationsfähigkeit größtenteils abhandengekommen.

Wohllebens Erkenntnisse haben es bereits über den großen Teich geschafft. So wird etwa in einem Bericht der New York Times ergänzt:

„Die gerade in Deutschland übliche Methode ist es, Bäume mit reichlich Abstand zueinander zu pflanzen, damit sie mehr Sonnenlicht abbekommen und schneller wachsen. Dies scheint die Bäume laut Naturforschern aber wiederum von ihrem Netzwerk abzuschneiden und naturgegebene Abwehrmechanismen auszuschalten.“

Die langfristigen Folgen dürften schwache, kränkliche Bäume und ein beschädigter Lebensraum Wald sein.

In einem Wood Wide Web hingegen warnen sich Baumnachbarn durch elektrische Signale sogar vor Gefahren und befreundete Waldpaare achten darauf, keine zu dicken Äste in Richtung des anderen auszubilden. Sie sind so innig über das Wurzelwerk miteinander verbunden, dass sie oft sogar gemeinsam sterben. Das soziale Baumnetzwerk reflektiert damit eine Lebensphilosophie, derer uns die Geschichten diverser indigener Kulturen gemahnen: Wer zu gierig ist und zu viel nimmt ohne selbst zu geben, beraubt sich seiner eigenen Lebensgrundlage und stirbt aus.

Warum dann sogar Baumstümpfe von längst gefällten Kameraden stellenweise über Jahrhunderte am Leben gehalten werden, ist bislang unergründet. Ermöglicht wird das Weiterleben durch eine Zuckerlösung, die ein Baumstumpf von seinen noch intakten Baumnachbarn über die Wurzeln verabreicht bekommt.

Die weitreichenden Netzwerkkenntnisse könnten zu einem umfassenderen Naturverständnis und einer sensibleren Betrachtung von Eingriffen in den natürlichen Lebensraum beitragen – vorausgesetzt, eine langfristig gesunde Umwelt wird als ein vielschichtiges, zentrales Thema für unsere Zukunftssicherung erkannt und der Wert eines Baumes wird nicht mehr nur nach seinem Ertrag auf dem Holzmarkt bemessen.

Quellen: NYTimes.com, 29.01.2016, http://tinyurl.com/jvyy4ch; Huffingtonpost.de, 05.03.2016, http://tinyurl.com/z3674gn

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