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NEXUS Magazin 57, Februar-März 2015

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Black Goo: Im Labyrinth der Wirklichkeit

Im InternBlack Goo Teaseret kursieren seit Längerem Gerüchte über eine höchst eigenartige Substanz, die als „Black Goo“ oder auch „sentient oil“ – „intelligentes“ bzw. „empfindsames Öl“ – bezeichnet wird. Das Thema macht vor keiner noch so wilden Verschwörungstheorie halt – und hat unsere Autoren in einen öligen Sumpf aus Geheimforschungen, artifiziellen Hintergrundmächten, unerklärlichen Krankheiten, Kindesmissbrauch und nanotechnischer Beeinflussung geführt, in dem sie fast versunken wären. Ein kleines Lehrstück über die Natur der Realität.

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Doch versuchen wir, die Spur des Black Goo weiterzuverfolgen. Um zu zeigen, welche Ausmaße die Spekulationen um die geheimnisvolle Substanz angenommen haben, müssen wir noch etwas weiter ausholen und uns mit einem historisch-mythologischen Thema auseinandersetzen, das Betroffene – etwa Rachel Adams – und einschlägige Forscher immer wieder in ihre Überlegungen zur Natur des Black Goos mit einbeziehen: die Archonten.

Wer oder was sind die Archonten?

Der Begriff Archonten (engl.: archons) stammt aus dem Altgriechischen und hat je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen. Eine ist „Herrscher“; das „Erz“ im deutschen „Erzengel“ ist vom englischen arch-angel abgeleitet. Den Nag-Nammadi-Schriften15 zufolge, die als wichtige Zeugnisse der frühchristlichen Gnostik gelten, sind jedoch keine menschlichen Herrscher gemeint, sondern anorganisch-artifizielle Wesen mit Tierköpfen, die in einer frühen Phase der Schöpfungsgeschichte die Erde geentert haben und sich seitdem im Hintergrund als unsere Erschaffer aufspielen. Im Hintergrund deswegen, weil sie meist von einer Geistebene aus agieren, also keine materiell-realen Wesen im üblichen Sinne sind. Zu diesen Aktionen gehören zum Beispiel auch Entführungen von Menschen durch ihre Diener, die als „kleine graue Wesen“ beschrieben werden. Die Archonten selbst werden von den frühen Gnostikern als „Geistwesen des Bösen“ bezeichnet, die sich zumindest zeitweise auch auf unserer Realitätsebene manifestieren können.

Trotz dieser existenziellen Beschränkungen verkündet selbstbewusst der höchste Archont (der zudem noch blind ist; er wird in anderen Texten auch Demiurg genannt): „Es gibt keinen Gott außer mir!“

Die Aussage deckt sich mit der aus dem Alten Testament, wo JHWH bekanntlich sinngemäß das Gleiche behauptet. Sie taucht auch in einer neueren Entführungsgeschichte in einer Traumvision auf, wo das weibliche Opfer von einem ihrer Peiniger zu hören bekam: „Ich bin der einzige und wahre Gott, und du bist mein Eigentum.“16 Auch dass die Archonten den Menschen befallen, indem sie den menschlichen Geist besetzen, ist in den alten Texten bereits beschrieben. Ihr Ziel besteht laut dem Mysterienforscher John Lash17 darin, das originäre menschliche Schöpfungsbewusstsein (griech.: ennoia) zu erforschen und auszuschalten, weil sie dieses als artifizielle Intelligenz nicht selbst besitzen. Demzufolge werden sie in den Texten auch als Täuscher und Betrüger bezeichnet, zu deren Masche unter anderem gehört, der Menschheit einen kommenden Erlöser zu suggerieren – eine messianische Masche, die uns sowohl in den fundamentalistischen Ausprägungen der drei großen monotheistischen Religionen begegnet als auch in zahlreichen New-Age-Strömungen.

Die gnostische Schöpfungsgeschichte mit den Archonten zieht sich seit der Frühzeit wie ein roter Faden durch alle möglichen Mysterienschulen, Verkündungen und sonstigen esoterischen und religiösen Schriften. Ein prominentes Beispiel in der neuzeitlichen Literatur ist der amerikanische Dichter H. P. Lovecraft, der besonders in seinem Cthulhu-Mythos von den „großen Alten“ auf die Archonten Bezug nimmt. Sein bekanntestes Werk ist das „Necronomicon“.18 Auch David Icke spricht in seinen neueren Werken nicht mehr von Reptiloiden, sondern von ebenjenen Wesenheiten. Die moderne Filmindustrie hat den Faden ebenfalls aufgenommen: Sowohl eine schwarze ölige Flüssigkeit als auch eine mächtige, hochtechnisierte fremde Spezies als Schöpfer der Menschheit bilden die Basis einiger Filmgeschichten. Jüngstes Beispiel ist der Hollywood-Blockbuster „Prometheus“ von „Alien“-Regisseur Ridley Scott. Wie stark der Mythos selbst in die Wissenschaftskultur hineinreicht, zeigte der 2006 ausgeschriebene „Archon Genomics XPRIZE“, der zehn Millionen Dollar für die Erfindung einer Technik zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms auslobte.

Was das Black Goo angeht, so scheint Rachel Adams die Erste zu sein, die eine Verbindung zwischen ihm und den Archonten hergestellt hat. Im oben erwähnten Interview spricht sie davon, dass das Black Goo „mit den gnostischen Lehren über die Archonten verknüpft ist […]. Auch sie sollen tiefschwarze Augen haben“. Adams vermutet, dass die Wesen mit Black Goo angefüllt sind oder gar teilweise daraus bestehen. Offenbar geht sie davon aus, dass das Goo den „geistigen“ Archonten als eine Art Trägersubstanz dient, um in der stofflichen Welt zu wirken und den Menschen ihre Energie abzuzapfen. Sie spricht davon, dass die Archonten – respektive das Black Goo – einen Wirtskörper mit einem sauren pH-Wert benötigen und über Löcher in der Aura bzw. dem Energiekörper in diesen gelangen. Das alles klingt reichlich schräg – aber offenbar nicht schräg genug, um nicht von anderen aufgegriffen und weitergesponnen zu werden …

Die Morgellons-Verbindung

Einer davon ist Harald Kautz-Vella,19 ein deutscher „Privatforscher“, Autor und Unternehmer, der versucht, paranormale und umstrittene „grenzwissenschaftliche“ Phänomene mit naturwissenschaftlichen Ansätzen zu verbinden.

Zu diesen Phänomenen zählt auch das sogenannte Morgellons-Syndrom: Eine rätselhafte Erkrankung, bei der Fasern und anderes Fremdmaterial unter der Haut der Betroffenen erhebliche (auch psychische) Irritationen hervorrufen. Unter Schulmedizinern gilt das Syndrom mehrheitlich als „Dermatozoen-Wahn“; erst seit einigen Jahren ist es zumindest in den USA als rare disease gelistet, also als seltene, aber immerhin anerkannte Krankheit.20 Über die Ursachen ist – zumindest offiziell – nichts bekannt.

Kautz-Vella schließt aus den Symptomen und Empfindungen Morgellons-Betroffener, dass die grundlegenden Ursachen des Syndroms feinstofflicher Natur sind. Angeblich handele es sich um „Besetzungen“ durch nicht-irdische Wesenheiten – die Archonten –, die den Menschen als Energiereservoir nutzen. Das Black Goo soll – siehe Rachel Adams – die Trägersubstanz des Archontenbewusstseins sein.21 Kautz-Vella bringt an dieser Stelle eine zweite Art des Black Goos ins Spiel, die angeblich von NS-Wissenschaftlern in Millionen Jahre alterÖlschiefer gefunden wurde. Erschreibt dieser zweiten Art eine „bösartige“ Qualität zu und assoziiert sie mit einem primitiven, „reptiloiden“ Bewusstsein –seine Vorstellungen und Behauptungen in Gänze wiederzugeben würde jedoch weit über den Rahmen dieses Artikels hinausgehen.22 Andere private Morgellons-Forscher wie der Deutsche Marc Neumann23 hingegen erklären das Syndrom eher konventionell und klingen dabei durchaus plausibel.

Insgesamt bleiben, was das Thema Morgellons, Black Goo und Archonten angeht, mehr Fragen als Antworten. Statt uns in Spekulationen zu verirren, versuchen wir lieber, die Black-Goo-Saga weiter aufzurollen. Das „intelligente Öl“ nämlich stand nach dem Falklandkrieg angeblich ein zweites Mal im Zentrum eines internationalen Konflikts.

Kommentare

07. Februar 2015, 22:58 Uhr, permalink

ms

objectivität und subjectivität existieren sehhr wohl bezügliich konkreter raum-zeit-koordinaten ...

castaneda beschreibt in seinem don-juan-cyclus interessanterweise den archonten ähnliche interdimensionale schattenwesen, 'voladores' genannt, die sich ebenfalls von negativer energie ernähren

erweitert man das spektrum der wahrnehnung, indem man die anzahl der zugrundeliegenden parameter erhöht, kann man dem canon konventioneller realität einige phänomenale facetten hinzufügen (oder auch unendlich viele)

also, schönen dank für die sensation - die relativierung im letzten abschnitt war nach meiner auffassung nicht nötig ...

ps.: god save the queen

07. Februar 2015, 23:44 Uhr, permalink

Joe R.

@ ms

Was soll das sein: konkrete raum-zeit-koordinaten?

Es gibt weder Zeit noch Raum an sich. Zeit entsteht ebenso wie Raum durch Objekte, besser: Manifestationen, und ihre Beziehungen zueinander. Ohne "Objekte" keine Zeit und kein Raum. Objekte wiederum "entstehen" durch Abgrenzung/Zuschreibung, die der "Geist" vornimmt.

Nach meiner Auffassung und Erfahrung/Einsicht in die Natur der Realität ist die Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt ebenso wie die zwischen Innen und Außen, Bewusstsein und Materie rein konzeptionell; auf der letzten Wirklichkeitsebene gibt es also keine. Im Sanskrit heißt das Tat Swam Asi.

Deshalb handelt der Artikel im Kern eigentlich von unserem Wirklichkeitsmodell. Doch können solche Fragestellungen natürlich in dem Kontext nicht behandelt werden, obwohl sie für das Verständnis der Phänomene eigentlich unerlässlich sind.

Um es auf eine andere Art und Weise zu sagen: Archonten und sonstige Erfahrungen sind real in dem Sinne sind, dass sie "Erfahrungsinhalte" sind. Solche Erfahrungen können aus unser Perspektive verschieden "dicht" sein und von größeren Gruppen (verschiedenen "Subjekten" also) gemacht werden. Überschreiten Dichte und Anzahl der die Erfahrung machenden Menschen einen bestimmten Grenzwert, wird das erfahrene Phänomen auch aus konventioneller Sicht als "real" angesehen. So funktioniert Schöpfung. Und so funktioniert Welt.

08. Februar 2015, 13:03 Uhr, permalink

Schlauberger

Wirklichkeit? Irrgarten?
Die alten Storries ziehen wohl nicht mehr, man muß also Neue erfinden.
Im Text gibt es jede Menge Links zu Büchern. Und natürlich wurden die alle von den totalen Experten geschrieben.

Ich glaube kein einziges Wort von diesem Zeug!

09. Februar 2015, 16:07 Uhr, permalink

Wunderer

Kann ich dieses Black-Goo kaufen?

www.biopure.eu/nahrungsergaenzungen/morgellon-prophylaxe/8291/black-goo-1-3g

13. Februar 2015, 00:11 Uhr, permalink

ms

@joe.r

'' Überschreiten Dichte und Anzahl der die Erfahrung machenden Menschen einen bestimmten Grenzwert, wird das erfahrene Phänomen auch aus konventioneller Sicht als "real" angesehen. So funktioniert Schöpfung. Und so funktioniert Wel t''

quod erat ... (demonstrandum)

ps.loosh-story bekannt ? (sufu)

13. Februar 2015, 00:15 Uhr, permalink

ms

@schlau?berger

dann lies es halt nicht , das zeug, dummberger !

ps.no offense ...

13. Februar 2015, 00:47 Uhr, permalink

ms

@joe.r

.. So funktioniert Schöpfung. Und so funktioniert Wel t'' = mediamarkt werbesprech, nicht dein niveau ..

... mußte noch gesagt werden :)

16. Februar 2015, 22:52 Uhr, permalink

Joe R.

@ms

Das Loosh-Konzept (also Monroes Erfahrung) entspricht im Prinzip dem im Artikel beschriebenen.
Dazu fand ich die (richige) Anmerkung:

The idea that man must sacrifice (must kill something or be killed in order to appease the gods) is apparently intrinsic to all the world’s root religions. We find blood ritual, including human sacrifice, in the Druidic tradition, Tibetan Buddhism, among the Indians of the Americas, in Greece and Rome, Africa, China, Arabia, Germany, Phoenicia and Egypt. Even the Old Testament (Judges 11:31-40) has a little-advertised story of human sacrifice, with the Israelite judge Jephthah ritually slaughtering his own daughter to fulfill a vow he made to Jehovah.

Das passt zu dem, was der Artikel impliziert: Die Lichtwesen, Aliens, Archonten & Götter mit ihrem Loosh, Spice, Mimimnium usw. sind Manifestationen tieferer Geistesebenen (wo die unbewussten Ängste, Konzepte, Hoffnungen usw. angelegt sind).
Da aber Geist (auch unbewusster) und Welt identisch sind (G. Benn nennt die Trennung "die abendländische Schiksalsneurose"), sind diese Manifestationen letztendlich genauso real (wenn auch nicht so "dicht") wie unsere Körper, Autos und Nachbarn...

Die eigentlich intereressantere Frage ist deshalb die, was man mit solchen Erkenntnissen anfangen kann oder soll?
Sollte man in die Archonten-, Loosh- und BlackGoo-Storys einsteigen?
Gar gegen Aliens, Reptos und Energieabsauger kämpfen?
Das Problem: Je mehr man sie als "real" annimmt, desto "dichter", also realer, also mächtiger werden sie.
Da scheint es mir klüger, sich da rauszuhalten und lieber eine schönere Story zum Manifestieren zu suchen; irgendwas mit bedürftigen Engelinnen z.B. ;-)

17. Februar 2015, 01:45 Uhr, permalink

Harald Kautz-Vella

Zur Ergänzung/Richtigstellung: ich sage es gibt zwei Arten von Black Goo, das Ausserirdische mit Archontenbezug und eine irdische Form, die das Kollektivbewusstsein von Mutter Erde trägt. Damit erhebe ich das Goo zu einem allgemeingültigen biologischen Prinzip in dem sich immer eine Biosphäre und das zu dem Planeten gehörige und vom planeten-eigenen Black Goo getragene kollektive Planetenbewusstsein als holofraktaler Bewusstseinsspiegel gegenüberstehen. Jede Spezies die auf Dauer das All bereisen will muss ihr eigenes Goo mit auf Reise nehmen, wenn sie einen Planeten bevölkern wollen brauchen sie entsprechend grosse Mengen.
Das wird im wesentlichen gedeckelt durch die Thesen in dem "Alien-Interview", d.h. durch die Protokolle der Gespräche mit dem Roswell-Alien, die 2007 veröffentlicht wurden. Es ist kongruent aber nicht von dort entnommen, ich habe die Interviews erst entdecket nachdem ich diese Thesen formuliert hatte. Auch der Bezug zu dem Lebensbaum mit den beiden schwarzen Stelen wird dort erwähnt, etwas abweichenden meinen Thesen primär als interstellare Kommunikationsantenne, d.h. als Verbindung zwischen dem Heimat-Goo und dem exilierten auf dem Kolonie-Planeten.

06. März 2015, 10:08 Uhr, permalink

Wimpl

Mich erinnert die Geschichte ein wenig an "Akte-X"...da gibt es dieses "öl" das alle menschen infiziert und zu willfähriigen Dienern der Aliens macht...Kennzeichen: Kohlrabenschwarze Augen!

nette Story, aber doch eben nur ein Film...

08. Mai 2015, 07:52 Uhr, permalink

Thorsten

Ich habe die Black Goo Globuli von biopure mal probiert, allerdings nicht so, wie vorgeschrieben, sondern immer mal wieder unregelmäßig 8 oder 10 Globulis. Ich probiere einfach, habe aber keine Änderung in mir feststellen können.
Aber jeder ist halt anders, und ich denke, dass ein Glaube eben auch viel der Wirkung ausmacht.

12. Juli 2016, 08:02 Uhr, permalink

Romy

Viel geht einher mit der Angst vor etwas Fremden. Ich hab mal in einer Doku gesehen wie ein brasilianischer Schamane ein schwarzes Öl von einem Baum immer wieder mit einem Stock zu sich nahm um wie er sagt "Den richtigen Weg zu finden durch den Regenwald". Also war das auch so etwas wie intelligentes Öl. Die Verbindung mit dem Ursprünglichen?

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