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Der Geist im Grünzeug

gruenSchon schräg: Als empfindungsfähige, bewusste Wesen sind wir aus einem organischen Geflecht aus Flora und Fauna hervorgegangen, aber irgendetwas hat uns dazu bewogen, diesen Organismus in seine Einzelteile zu zerlegen. Das mechanistische Dogma sitzt tief: Noch immer zerschießen wir Atome, um der ersten Ursache näher zu kommen, forschen an Tieren, als wären sie gefühllose Bioroboter und halten Pflanzen für bloße Nahrungs- und Sauerstofflieferanten.

Dass das zu reduktionistisch ist, wird immer deutlicher. Neuere Forschungsarbeiten zeigen nun, was jedem intuitiv klar sein sollte: Auch das grüne Netzwerk um uns kann mehr als nur wuchern. Lässt sich sogar von Bewusstsein sprechen?

Jahrhundertelang galten Tiere und Pflanzen in der westlichen Weltanschauung als des Denkens nicht mächtige, lebende „Maschinen“. René Descartes, Wissenschaftler und bekannter Philosoph des 17. Jahrhunderts, war prominenter Vertreter dieser Überzeugung und hielt fest, alle nicht menschlichen Lebewesen besäßen keinerlei Vernunft und würden keinen Schmerz fühlen. Sie seien bloß eine Art Roboter, der rein impulsgesteuert agiere.1

Inzwischen hat die moderne Forschung jedoch nachgewiesen, dass Tiere hochintelligente Wesen sind, die logisch denken können und über komplexe Emotionen verfügen. Die Überlegung, auch Pflanzen besäßen eine ähnliche Art von Intelligenz, lehnt die Wissenschaft allerdings weitgehend ab. Begründet wird dies mit der Aussage, Pflanzen besäßen kein Gehirn und könnten daher keine bewussten Erfahrungen machen. Nichtsdestotrotz haben Goethe und andere große Denker der Vergangenheit beobachtet, dass Pflanzen eine intelligente Lebensform sind, die symbiotische Beziehungen mit anderen Organismen eingeht und auf komplexe Veränderungen ihrer Umwelt reagiert. Die Wissenschaft erklärt das intelligente Verhalten der Pflanzen im Allgemeinen als simple elektrische und chemische Reaktionen auf Außenreize. Andere Forscher sind hingegen überzeugt, Pflanzen könnten uns wertvolle Erkenntnisse über eine andere Art von Bewusstsein liefern.

Charles Darwin und das „Pflanzenhirn“

Zu den bekanntesten Wissenschaftlern, die sich mit Pflanzenintelligenz beschäftigt haben, zählt der britische Naturforscher, Geologe und Biologe Charles Darwin.2 Berühmt wurde Darwin vor allem für seine Evolutionstheorie. Fasziniert vom Verhalten der Pflanzen, leistete er jedoch auch einen nicht unwesentlichen Beitrag zur modernen Botanik. Anders als seine Zeitgenossen betrachtete Darwin Pflanzen nicht als Bioroboter ohne eigenständiges Denkvermögen, sondern als äußerst komplexe und aufnahmefähige Organismen. In einem seiner letzten Werke, dem 1880 veröffentlichten „Das Bewegungsvermögen der Pflanzen“, stellte Darwin die Theorie auf, die Pflanzenwurzeln würden ähnlich funktionieren wie die neuronalen Netzwerke niederer Tiere. Mit den Wurzelspitzen würden Informationen über die Umgebung gesammelt und dann an andere Bereiche des Wurzelgeflechts weitergeleitet:

„Zu behaupten, das Ende des Wurzelkeims sei so etwas wie das Gehirn niederer Tiere, [mit Empfindungsvermögen] ausgestattet und in der Lage, die Bewegungen der angrenzenden Pflanzenteile zu steuern, ist keineswegs übertrieben. Ein solches Gehirn ist am unteren Ende des Körpers angesiedelt, empfängt die Wahrnehmungen der Sinnesorgane und steuert verschiedene Bewegungen.“3

Unglücklicherweise wurden Darwins Beobachtungen von den führenden Wissenschaftlern der damaligen Zeit zurückgewiesen, insbesondere vom bedeutenden Pflanzenpsychologen Julius Sachs. Sachs bezeichnete Darwin als Amateurwissenschaftler, der seine Experimente nachlässig durchführe und zu irreführenden Ergebnissen komme.

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