Die Heilung der Wetiko-Psychose

weDer Wahnwitz, von dem die Menschheit befallen ist, und für den die amerikanischen Urvölker den Begriff „Wetiko“ geprägt haben, hat seinen Ursprung im Materialismus des Newtonschen Weltbilds. Heilung ist erst möglich, wenn wir das Trugbild auflösen, das zwischen Subjekt und Objekt unterscheidet.Ich bin der Meinung, dass Wetiko – eine kollektive Psychose, die die Wurzel aller menschlichen Unmenschlichkeiten darstellt – das derzeit wichtigste Konzept der Welt ist. Warum ich das denke? Nun, wenn wir uns dieser Krankheit nicht gewahr werden, könnte das dazu führen, dass es bald keine Welt mehr gibt.

Dafür gibt es mehr als genug Beweise, denn die menschliche Spezies rast ungebremst den Pfad der Selbstzerstörung entlang. Die Menschheit steht vor der größten Frage ihrer Geschichte: Wird es auch weiterhin menschliches Leben geben? Wir begegnen dieser Frage zumeist mit politischen Maßnahmen und kollektivem Verhalten, das uns nur noch schneller auf allerlei Katastrophen zurasen lässt – als befänden wir uns in einem wahnwitzigen Wettrennen, in dem es darum geht, wer als Erster die nächstbeste Klippe hinabstürzt. Es ist, als würde eine hypnotische Trance uns verblenden, als treibe uns eine dämonische Kraft in die Selbstzerstörung. Um den angesehenen Theologen David Ray Griffin zu zitieren:

„Wir kämpfen anscheinend lieber gegen unser eigenes ‚Fleisch und Blut‘ als gegen eine dämonische Kraft, die die menschliche Zivilisation in ihren Fängen hält.“1

Diese „dämonische Kraft“ meint genau das, was die amerikanischen Ureinwohner Wetiko nennen.

Mein Buch „Dispelling Wetiko: Breaking the Curse of Evil“ dreht sich um diese virale Erkrankung des Geistes. Wetiko operiert verdeckt, bedient sich der blinden Flecken des Unterbewusstseins der menschlichen Psyche und macht die Menschen blind gegenüber ihrem eigenen Wahnsinn. Auf diese Weise geschützt, kann der Wahnsinn ungehindert wachsen – und schließlich dazu führen, dass die Menschen ihren ureigenen Interessen zuwiderhandeln. Als eine Art Krebserkrankung unserer Seele steuert und verfälscht Wetiko unsere Wahrnehmung durch Tarnen und Täuschen, sodass es durch uns agieren kann und uns gleichzeitig daran hindert, das zu erkennen. Wetiko stellt unsere Welt auf den Kopf und wendet unser geniales Talent, Realität zu schaffen, gegen uns, sodass wir buchstäblich von unserem Hang zur Projektion verhext werden. Als stünden wir unter jemandes Bann, berauschen wir uns an unseren inneren Gaben und Talenten, uns eine Welt zu erträumen, hypnotisieren uns unwissentlich selbst und untergraben dadurch unsere Möglichkeiten zur individuellen und kollektiven Weiterentwicklung. Diesem Thema habe ich mich bereits in meinem Artikel „Erwachen aus der Wetiko-Psychose“ (NEXUS 77) gewidmet.

Das Wetiko-Virus hat uns alle verhext, doch wir ahnen nichts von unserem Leiden. Aus unserer Perspektive haben wir selbst daher kein Problem – das Problem scheint immer außerhalb von uns zu liegen. Der Science-Fiction-Autor Philip K. Dick schreibt dazu:

„Es gibt eine Art von allgegenwärtiger Fehlfunktion des Denkens, die gerade von den Betroffenen selbst unbemerkt bleibt. Das ist auch das Erschreckende daran: Die Selbstkontrollmechanismen einer Person werden von genau jener Fehlfunktion in die Irre geleitet, die sie überwachen sollten.“2

Dick fügt hinzu:

„Dieser bösartige Virus steuert uns, indem er uns in uns selbst einschließt (er lässt uns in eine Art Halbschlaf versinken), sodass wir die lebendige Beschaffenheit unserer Welt nicht erkennen […] Diese Isolation erhält sich auf ewig selbst aufrecht, wir bemerken sie nicht einmal.“3

Wetiko schneidet uns auf eine Weise von der Realität ab, dass uns die fehlende Verbindung zu dieser gar nicht bewusst wird. Dick nennt diese Situation die „bedrohlichste Art von Isolation“. Da sie selbsterhaltend ist, löst sich dieses Abgeschnittensein unseres Bewusstseins auch nicht von selbst auf. Vielmehr wirkt es als eine Feedbackschleife, die immer und immer wieder aus sich selbst heraus entsteht, bis der Bann gebrochen ist. Die Mehrheit der Menschen befindet sich tatsächlich in einer Art Halbschlaf – kein Wunder, dass in letzter Zeit alles, was mit Zombies zu tun hat, die Massen fasziniert.

In jedem Fall existiert da etwas in unserem kollektiven Unterbewusstsein, das wir ausgeblendet haben und das uns, solange es weiter dort bleibt, dazu bringt, in unseren eigenen Untergang zu investieren. Man könnte auch sagen: In uns existiert etwas, das unbedingt will – ja, geradezu darum bettelt –, dass wir uns seiner bewusst werden.

Newtonscher Wahnsinn

Im Newtonschen Weltbild vor der Entdeckung der Quanten lieferte uns die klassische Physik ein falsches, begrenztes und sehr verschwommenes Sichtfenster für das Verständnis unseres Universums. Dieses Verständnis bildet genau die Rahmenbedingungen, unter denen Wetiko wachsen und gedeihen kann. Es ermöglicht eine rasche Vermehrung und Ausbreitung des Virus über die gesamte Menschheit, denn die inhärente Logik, Konsistenz, scheinbare Stimmigkeit und faszinierende Macht des mechanischen und deterministischen Weltbildes der klassischen Physik nährt und pflegt Wetiko. Diese Macht ist umso verführerischer, als die klassische Physik der Menschheit einen gewaltigen technischen Fortschritt beschert hat und damit die Beherrschung der physischen Welt ermöglicht.

Die Newtonsche Sichtweise, nach der die Welt ein gegenständlich existierendes und von unserem Inneren unabhängiges Außen ist (auch bekannt als „wissenschaftlicher Materialismus“), ist Basis und Leitbild der modernen Wissenschaft. Tatsächlich ist diese Betrachtungsweise aber nur eine „optische Täuschung“, Ausdruck eines erkenntnistheoretischen blinden Flecks im Zentrum der vorherrschenden wissenschaftlichen Sicht der Dinge. Der weitaus größte Teil unserer Gesellschaft ist sich dieser allgegenwärtigen Blindheit nicht bewusst, die Philip K. Dick als „unsere materialistisch-atomistische Blindheit“ bezeichnet.

Für den Umgang mit der makroskopischen Welt funktioniert die Newtonsche Perspektive außerordentlich gut und ermöglicht ein bisher nie dagewesenes Maß an Kontrolle über die physische Welt. Doch während wir auf der physischen Ebene die Herrschaft ergriffen haben, hatte der menschliche Geist versteckte Kosten zu tragen. Durch die mechanistische Betrachtung des Lebens wird genau das, was das Leben zu einem heiligen Wunder macht – das menschliche Bewusstsein – immer häufiger ignoriert, marginalisiert und sogar als Illusion abgetan. Das heißt, das materialistische Weltbild droht die kostbare Essenz, die den Menschen erst menschlich macht, zu zerstören.

Das Newtonsche Weltbild besitzt revolutionäre Kraft, enthält aber trotzdem einen verdeckten Fehler: den Gedanken, die Welt würde objektiv existieren. Dieser Fehler schlug sich in einem weitverbreiteten Trugbild nieder, das im Laufe der Zeit zur Pandemie wurde – einer starren und nicht zu hinterfragenden Ideologie. Das wiederum hat wesentlich zum Entstehen des kollektiven Wahnsinns beigetragen, an dem die Menschheit momentan leidet. Jung schreibt, „der bloße Versuch, sich so etwas vorzustellen“, die „einseitige, absichtlich materialistische Sichtweise“, die das Newtonsche Weltbild prägt, „ist an sich schon verrückt und hat zu jeder Zeit in den Wahnsinn geführt, wann auch immer sie ernst genommen wurde“.4 Das Newtonsche Weltbild ist nicht nur als solches verrückt, sondern lässt alle wahnsinnig werden, die sich seiner Sicht der Dinge unterwerfen. Dennoch bleibt der Wahnsinn von den Betroffenen unbemerkt, da dieses Weltbild einen überzeugenden Filter für die Interpretation der Realität liefert, der alles, was durch ihn betrachtet wird, in den Kontext setzt, eingepasst in einen Rahmen aus nicht zu hinterfragenden Annahmen. Dadurch entsteht eine unsichtbare Blindheit – anstatt zu erkennen, dass der Filter uns die Sehkraft raubt, sind wir unserer Verblendung gegenüber blind.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 79 lesen. Die Ausgabe können Sie hier erwerben.

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