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NEXUS Magazin 72, August-September 2017

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Die Roboterwirtschaft wird kommen

RobDies ist die „künftige Wirtschaft“ – und ob wir dafür bereit sind oder nicht, sie wird doppelt so schnell kommen, als es das mooresche Gesetz erahnen lassen würde. Durch diese rasante Beschleunigung der vierten industriellen Revolution wird die apokalyptische Vorstellung von der „Zukunft der Arbeit“ – dass 47 Prozent aller Jobs in den USA durch die Automatisierung in den nächsten zwei Dekaden verloren gehen werden – rasch zu einer feierlichen Grabinschrift werden, die auf dem Grab der schnell verblassenden Ära der herstellungsbasierten, verbrauchsgesteuerten Wirtschaft thront.

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Wir sprechen von einer Wirtschaft, in der ein höherer Schulabschluss notwendig sein wird, um einen Job im Fertigungsbereich ausführen zu können, künstliche Intelligenz (KI) administrativ tätige Arbeitnehmer ersetzt, automatisierte Kioske Arbeitnehmer im Bereich der Gastronomie verdrängen und selbstfahrende Fahrzeuge den Lebensunterhalt von bis zu zehn Millionen Amerikanern bedrohen, die zum Lenkrad greifen, um davon zu leben.

Die Rede ist von einer „Industrie 4.0“ – einer Wirtschaft, in der Amazons Verteilungszentren in Luftschiffen über den Städten schweben, von wo aus Drohnen mühelos Waren anliefern, die von Robotern oder 3D-Druckern oder von beiden hergestellt wurden.

Offen gesagt leben wir bereits mitten im Amazon-Dschungel. Der Plan, den Lebensmittel-Einzelhandel mit fast menschenleeren Geschäften „zum Erliegen zu bringen“, ist nur die nächste Phase von Amazons andauernder „Handels-Apokalypse“, die mit Menschen ausgestattete, konventionelle Geschäfte ausradieren soll. Amazon beherrscht mit seinem selbstlernenden, verdächtig gespenstischen persönlichen Assistenten namens Alexa ebenfalls den Markt für KI-unterstützte Systeme, und nun steht Amazon auch im Begriff, seine immer stärker automatisierten Lagerhallen mit dem Vorhaben zu verknüpfen, führend bei den künftig selbstfahrenden Lkws und Transportfahrzeugen zu werden.

Auch niedrig bezahlte landwirtschaftliche Erntekräfte auf amerikanischen und europäischen Feldern könnten durch geschickt agierende Obstpflück-Roboter komplett ersetzt werden. Roboter ersetzen bereits schlecht bezahlte Wanderarbeiter, die durch einwanderungsfeindliche Bestimmungen ausgeschlossen sind. Mit Robotern ausgestattete Fabriken produzieren modulare Fertighäuser, während Maurer-Roboter im Baugewerbe wohl das anrichten werden, was die Automatisierung im Bergbau getan hat.

Im Jahr 2015 konnte die Oxford Martin School in Zusammenarbeit mit Citi GPS ein vollständigeres Bild von der globalen Arbeitsplatzbedrohung entwerfen. Laut dem gemeinsam veröffentlichten Zukunftsbericht „Technology at Work“ fanden die beteiligten Forscher heraus, dass 75 Prozent der weltweit eingesetzten Roboter in nur fünf Ländern „geografisch konzentriert“ sind: China, Deutschland, Japan, Korea und den USA.

Dabei ist es nicht etwa nur die Automatisierung, die etwa in China immer schneller vollzogen wird, sondern auch die 3D-Drucktechnologie, die unsere Herstellungsverfahren revolutionieren wird. Während wir gerade damit beginnen, uns eine Zukunft vorzustellen, in der Waffen mit 3D-Druckern hergestellt werden, bewegen sich Forscher bereits weiter in Richtung 4D-Drucktechniken, die aus sich weiterentwickelnden Materialien bestehen, die sich selbst montieren, reparieren und nach Belieben erneuern können.

Das eindrücklichste Beispiel aber ist wohl, dass inzwischen auch Hochschulabsolventen in nicht-handwerklichen Berufen, von denen man bisher dachte, sie könnten nicht automatisiert werden, von künstlicher Intelligenz ersetzt werden. Hier sind einige Beispiele für gehobene Tätigkeiten, die der Roboter-Apokalypse zum Opfer gefallen sind:

  • Goldman Sachs „beschäftigt“ Marcus, eine voll automatisierte Plattform, die Teil einer industrieweiten Runderneuerung durch KI ist und menschliche Arbeitsplätze im Verkauf, Handel und Forschung ersetzt.
  • Die Fukoku Mutual Life Insurance Company verwendet bei der Ausschüttungspolitik den Supercomputer Watson von IBM, der 6.000 Firmenkunden bedient, von Hilton Hotels über Whirlpool bis hin zu Visa.
  • Der Global Senior Digital Director von Coca-Cola plant, dass KI-Roboter am laufenden Band Werbeanzeigen mit „automatisch generierten Texten“ erstellen. Künstliche Intelligenzen erschaffen bereits kommerzielle Musik und Jingles.
  • Der Smart Tissue Autonomous Robot (STAR) „übertraf“ im letzten Jahr einen menschlichen Chirurgen in einem Geschicklichkeitstest. Dieser Durchbruch verheißt für die nahe Zukunft eine Welt, in der Roboter bei verschiedenen chirurgischen Verfahren assistieren bzw. diese auch selbst durchführen.

So wie es gerade andernorts geschieht, werden medizinische Roboter letztlich beweisen, dass sie ihre Aufgaben schneller, effizienter und ohne menschliches Burn-out ausführen können. Der hohe Lohn für Ärzte wird gegenüber den Kosten für Roboter abgewogen werden, die bei tausenden von Operationen ohne Beschwerden und Fehler funktionieren, besonders seit die „selbstlernende“ künstliche Intelligenz den Menschen bei der Vorhersage von Herzinfarkten und bei der Diagnose von Hautkrebs übertrifft. So wie im Fertigungsbereich könnte dies eine umfassende Revolution im Gesundheitswesen zur Folge haben, die die Kosten senkt und mehr Menschen mit hoch spezialisierten Behandlungen versorgen kann.

Es ist eine unerbittliche, „Terminator“-ähnliche Effizienz, mit der sämtliche bestehenden Wirtschaftsmodelle außer Kraft gesetzt werden – von Einzelhandel über Restaurants bis hin zu Bildung und Kriegsführung.

Quelle: Truth-Out.org, 07.05.2017, http://tinyurl.com/mb4nyao

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