Editorial Ausgabe 4

Liebe Leser! In letzter Zeit erreichen uns immer wieder Zuschriften, in denen wir gefragt werden, ob wir denn keine Angst hätten, eine solche Zeitschrift herauszugeben? Andere schreiben: Ich bewundere Ihren Mut, solche Themen anzupacken. Das schmeichelt uns zwar, doch im Grunde sind wir gar nicht so mutig. Wir stellen uns lediglich auf den Standpunkt, daß Bürgerrechte, wie zum Beispiel das Recht auf Pressefreiheit, nur dann wirklich existieren, wenn wir sie auch wahrnehmen.

Je mehr Leser NEXUS schätzen und weiterempfehlen, desto mehr Legitimation empinden wir, unsere Art weiterzuführen. Daneben gibt es natürlich auch die wirtschaftliche Realität: Noch existiert das NEXUS Magazin nur, weil wir in der Redaktion bereit sind, weitaus mehr an Geld und Arbeitskraft in diese Zeitschrift zu stecken, als wir durch die Erlöse erwirtschaften können.

Warum tun wir das überhaupt, wo wir doch keine Helden sind? Vielleicht, weil wir wirklich nicht genug Mut besitzen, dabei tatenlos zuzusehen, wie unsere Welt in den Abgrund getrieben wird. Weil wir zu feige sind, um die stetig näherkommende Vision einer totalitären, schönen neuen Welt Wirklichkeit werden zu sehen. Wir haben große Angst  um uns selbst genauso wie um unsere Mitmenschen, wenn wir von geheimen Foltergefängnissen überall auf der Welt hören, von CIA-Jets, die weltweit Menschen einsammeln, damit ihnen dann in irgendeinem namenlosen Loch die Fingernägel abgerissen werden können. Wir schlottern vor Entsetzen, wenn wir über einen vielleicht kurz bevorstehenden atomaren Schlag in Bezug auf den Iran munkeln hören oder wenn wir Beiträge lesen, wie den in dieser Ausgabe, in der wir über die wichtigsten, weltweit unterschlagenen Pressethemen berichten. Über diese Dinge zu wissen, ohne etwas dagegen zu unternehmen  DAFÜR fehlt uns der Mut.

Mir fällt an dieser Stelle ein Zitat von Martin Niemöller ein, der schrieb: Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Letztendlich sind es wir selbst, die unseren Regierungen immer wieder erlauben, uns zu beherrschen anstatt unsere Interessen zu vertreten; wenn wir zulassen, daß diese Regierungen der Industrie gegenüber loyaler sind als uns, ihren Bürgern. Wir selbst sind es, die zulassen, daß dieser Planet in eine waffengespickte Müllhalde verwandelt wird, auf der es kaum mehr natürliche Nahrung zu finden gibt und statt dessen immer mehr Konsumgüter, die keiner wirklich braucht aber dennoch kauft; auf dem Spiritualität ausgetauscht wird gegen fanatismus-gesteuerte Religionen oder apathische Konsumhaltung. Erfahren wir in den Medien wirklich, was abgeht oder würden wir nicht mehr über unsere nahe Zukunft lernen, indem wir uns genau ansehen, woran schon andere Zivilisationen zugrunde gegangen sind? Wir in der NEXUS Redaktion können nicht anders, als bestimmte Fragen immer aufs Neue aufzuwerfen. Wir wünschen uns, diese Themen mit immer mehr Menschen diskutieren zu können, ohne dabei um unsere Freiheit fürchten zu müssen.

Vor Jahren nahm ich als Tourist in San Francisco an einer Tour durch das ehemalige Hochsicherheits-Gefängnis Alcatraz teil. Dort spielte man uns die Stimmenaufzeichnungen ehemaliger Häftlinge vor. Einer davon sagte sinngemäß: Auf Alcatraz konnten sie dir deine Bürgerrechte wegnehmen, dir das Herz brechen und dich über Monate in eine dunkle, ungeheizte Einzelzelle sperren. Aber egal, was sie dir antaten  eins konnten sie dir nicht nehmen: Deinen Wunsch, ein freier Mensch zu sein.Leben Sie wohl, bis zur nächsten Ausgabe!

Ihr
Thomas Kirschner

Kommentare

06. Juli 2010, 22:28 Uhr, permalink

chris

Sehr geehrter Herr Kirschner, endlich tut mal jemand etwas gegen die Unwissenheit der Menschen.

Eine Frage: Könnte der Film "Iron Sky" etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben?

Und machen Sie weiter so, der Bewusstseinswandel wird kommen.

Kommentar schreiben

Folgende Art von Kommentaren sind unerwünscht und werden von uns entfernt:

  • (Schleich-)Werbung jedweder Art
  • Kommentare die nichts zum Thema beitragen
  • Kommentare die der deutschen Sprache nicht gerecht werden
  • Geplänkel mit anderen Kommentarschreibern
  • Kontaktanfragen an die Redaktion (benutzen Sie hierfür bitte das Kontaktformular)

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise

Weitere Artikel dieser Ausgabe

Der Autor

Artikel herunterladen

Download starten Format: PDF
Größe: 5 KB
Download starten

hier werben

NEXUS Suche

NEXUS Magazin Artikel Feed

Alle Artikel-Veröffentlichungen auf nexus-magazin.de

 RSS-Feed abonnieren