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Editorial Ausgabe 50

Liebe Leser, seit 50 Ausgaben schreibe ich Ihnen nun schon zweimonatlich diese Editorials. Dass wir ohne Verbindungen zu den richtigen Leuten und ohne soliden finanziellen Hintergrund überhaupt so lange durchgehalten haben, ist für mich schon ein kleiner Triumph, denn die Schwierigkeiten waren von Anfang an massiv und lagen auf den verschiedensten Ebenen.

Die erste Schwierigkeit ist höchst genereller Natur, und sie ist so grundsätzlich, dass sie den berühmten „Elefanten im Wohnzimmer“ darstellt, der jedem im Weg steht, den aber gleichzeitig keiner mehr wahrnimmt: Ich rede von der Pressefreiheit – die in Deutschland zwar besteht, natürlich, aber eben in gewissen Bereichen doch etwas mehr glatteis-gefährdet ist als in anderen „freien“ Ländern. Das betrifft Themen, die einen Revisionismus der deutschen Vergangenheit bedeuten würden, zum Beispiel die Schuldfrage der Deutschen, die immer mehr Menschen in diesem Land inzwischen anders zu beantworten scheinen, als uns die Meinungsmacher der Nation das immer vorsagen. Aber solche Themen anzupacken kann für einen Verleger in Deutschland schnell das Ende bedeuten.

Und eigentlich geht es mir ja auch nicht um Politik. Erstens bin ich als Herausgeber der Lizenzausgabe des australischen NEXUS-Magazins ohnehin gehalten, die Finger von der Politik zu lassen. Zweitens entspricht das auch ganz meiner eigenen Präferenz, denn ich bin im Grunde ein vollkommen unpolitischer Mensch. Ich könnte fast keinen unserer Minister beim Namen nennen und strafe die Politik, die ich ganz grundsätzlich als unnötig und vom Volk nicht gebraucht ansehe, seit Jahren durch Nicht-Teilnahme. Ich habe keine politischen Ansichten. Ich bin weder für noch gegen Obama. NObama wäre mir eigentlich am Allerliebsten, genauso wie No-Merkel oder No-Sonstwer, der angeblich in meinem Namen hier die Entscheidungen trifft. Ich will das alles nicht und habe es auch nie beauftragt. Insofern kann ich die Leute verstehen, die zur Zeit massenweise ihre BRD-Ausweise abgeben und aus diesem System austreten wollen. Mir selber ist das allerdings fast schon wieder zu viel Politik. Ich definiere mich als Libertarier, und jede politische Meinungsäußerung meinerseits wäre hier nur ein Widerspruch. Es dennoch 50 Ausgaben lang geschafft zu haben, mit dieser Zeitschrift immer wieder – wie ich glauben will – subversive und bahnbrechende Informationen ins System eingeschleust zu haben, ohne dass man mir den Laden dicht gemacht oder mich in Schwierigkeiten gebracht hätte … das gibt mir Mut, mir die nächsten 50 vorzustellen.

Was mich derzeit auch beflügelt, ist die Entwicklung im technischen Bereich unseres Metiers: Endlich scheint das digitale Publizieren bei der großen Masse der Endkunden angekommen zu sein. Ab jetzt werden die Karten ein wenig neu gemischt: Für Kleinverleger wie mich sinkt der Kapitalbedarf, denn man muss weniger auf Papier drucken und erreicht gleichzeitig einen größeren Kundenkreis. Meinen Lesern, die sich vielleicht erst kürzlich wieder über die neue Preisanpassung geärgert haben, werde ich bald verkünden können, dass man uns auch auf jedem elektronischen Lesegerät kaufen kann – bequemer als an jedem Kiosk und um circa ein Drittel günstiger als die Print-Ausgabe. Bisher hatten wir ja seit Jahren schon die Epapers im PDF-Format angeboten, aber es war klar, dass das Leseerlebnis sowie die Benutzerfreundlichkeit im Shop-Interface nicht optimal waren. Die neue Technik könnte das alles jetzt sehr schnell ändern. Auch die australische NEXUS-Redaktion bastelt übrigens derzeit an einem neuen Nachrichten-Service, der in den nächsten Wochen als App online verfügbar sein wird. Könnte sein, dass wir dann überlegen werden, uns in deutscher Sprache dranzuhängen.

Ein Glück, dass ich auch persönlich langsam wieder dran denken kann, neue Herausforderungen anzupacken. Nachdem ich die letzten Monate nur im Schongang und unter ständiger Schmerzmittel­zufuhr arbeiten konnte, habe ich jetzt schon ab und zu wieder gute Tage, an denen ich so etwas wie Schaffenskraft verspüre. Was Voraussagen aller Art angeht, werde ich zwar immer einen Teil Skepsis bewahren, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass drei Horoskope aus unterschiedlichen Schulen und Kulturen bei mir einen äußerst schwierigen Zeitaspekt angekündigt hatten, der dann quasi auf den Monat genau eintraf und mich wirklich voll aus den Latschen warf. Ich schätze mal, das sind die Gezeiten des Lebens, vor denen niemand gefeit ist. Dass wir trotzdem die 50. Ausgabe erreicht haben, ist mit Sicherheit vor allem meinem Team geschuldet, das mich nicht im Stich gelassen hat. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bedanken.

Herzlichst

Ihr Thomas Kirschner

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