Editorial Ausgabe 7

Liebe Leser! Man sagt, daß eine Zeitschrift, die das erste Jahr überlebt hat, die kritische Phase überwunden habe. Und was machen wir? Statt hier die Sektkorken knallen zu lassen, schrauben wir schon die nächste Ausgabe für Sie zusammen, pflügen durch den ständig anwachsenden Strom des Wissens und der Halbwahrheiten, trennen Spreu von Weizen, formulieren unerschrocken das Undenkbare, greifen nach den Sternen oder vielleicht auch nur in die … Nun gut, es ist ein harter Job, aber irgend jemand muß ihn schließlich tun.

Wären nicht Sie da draußen, die uns mit Tausenden von Telefonanrufen und Leserbriefen Mut zusprechen und täglich unsere Namen preisen, dann hätten wir sicher schon längst die Flinte ins Korn und die Tastatur aus dem Fenster geworfen. Erst gestern kam beispielsweise ein herzerwärmendes Fax, es betraf eine Serie von Anzeigen, die wir in der letzten Ausgabe abgedruckt hatten: „Schämt Ihr euch denn nicht, eine solche Anzeige zu veröffentlichen? Jeder kann sehen, daß es sich hier um eine Sekte handelt. Oder geht es euch nur ums Geld? Wo kann ich die australische Ausgabe abonnieren? Ich hoffe, daß die solchen Unsinn nicht abdrucken.“

Nun, während ich hier die Geldbündel wegstaple, mache ich mir natürlich auch hin und wieder ein paar grundsätzliche Gedanken. Bekanntlich bemüht sich unsere Redaktion, in weltanschaulichen Fragen keinen exklusiven Standpunkt zu vertreten (außer dem einen, daß wir allen Menschen ein interessantes und gleichzeitig friedliches Leben wünschen). Aber soll man deshalb anderen, die sich spirituell mehr festgelegt haben, den Mund verbieten? Des einen Glaubensfreiheit ist des anderen Sektenmentalität. Und: Wenn wir anfangen, hier zu zensieren, wo hören wir dann damit auf? Sind wir nicht aufgebrochen mit dem Vorsatz, mehr Gedankenfreiheit zu schaffen, anstatt weniger?

Um die Angelegenheit von möglichst diversen Standpunkten aus zu beleuchten, fragte ich auch in der australischen Redaktion an: Von dort schrieb mir Duncan Roads, dieselbe Anzeige sei in Australien, Neuseeland, USA und Großbritannien erschienen – ohne eine einzige Leserbeschwerde. Dann fragte ich bei den Kollegen in Frankreich an: Die antworteten mir, da die Leserschaft in Frankreich doch sehr stark vom kartesianischen Denken geprägt sei und man auf Objektivität und Sachlichkeit achten wolle, hätten sie sich entschieden, weltanschauliche Anzeigen generell nicht zuzulassen. Als letzten fragte ich meinen Freund Siegfried Tischler in Indonesien, der immerhin Professor für Ethikfragen in der Wissenschaft ist. Er antwortete mir sibyllinisch, es sei eben eine sehr dünne Linie zwischen den beiden Polen, mit Interesse gelesen zu werden und in bigotter Verdammnis zu leben. Und schloß ab mit den Worten: „Ich weiß nicht, ob es ein guter Rat ist, Dir zu empfehlen, stark zu sein und zu sagen, daß es die Mission von NEXUS ist, ALLE Ideen zuzulassen.“

Eine Zeitlang war ich fest entschlossen, Dr. Tischlers Rat zu befolgen. Doch dann kamen weitere Protestschreiben und -anrufe. Mindestens zwei dieser Leser waren vorher selbst Mitglieder bei der betreffenden Organisation gewesen. Auf ihr Drängen hin haben wir uns entschloßen, die Anzeige vorerst nicht länger zu veröffentlichen. Ganz wohl fühle ich mich dabei nicht, doch ich brauche eine
Denkpause.

Mittlerweile möchte ich nun auch die anderen Leser bitten, uns hierzu ihre Meinung kundzutun. Und um gleich zwei nützliche Dinge miteinander zu verbinden, haben wir für diese Ausgabe eine Leserumfrage vorbereitet, die wir ohnehin schon lange einmal starten wollten. Wieso? Weil wir uns dringend wünschen, ein wenig genauer zu wissen, wer eigentlich unsere Leser sind. Abgesehen von unserer Neugier erhoffen wir uns dadurch auch ein paar Impulse, um NEXUS in Zukunft noch besser und lesenswerter für Sie gestalten zu können. Ist es vermessen, Sie hier um Ihre Hilfe zu bitten? Ich hoffe nicht. Schließlich geben wir wirklich alles, um Sie zu informieren und zu unterhalten. Ein wenig Gegenleistung von Ihrer Seite wäre an dieser Stelle genau das, was wir brauchen. Wir würden hinten im Heft, bei den heraustrennbaren Postkarten. Das Ergebnis unserer Befragung werden wir uns freuen, wenn Sie diese Aktion unterstützen. Die dazugehörige Antwortkarte findet sich weiterin einer der nächsten Ausgaben bekannt geben.

So, aber jetzt geht es mal wieder richtig in die Vollen. Gerade auf diese Ausgabe von NEXUS bin ich besonders stolz, denn ich finde, ein praller gefülltes Heft haben wir bisher noch nicht abgeliefert. Auf den nächsten Seiten erwartet Sie also die mittlerweile notorische Mischung aus Hintergründen, Abgründen und Unergründlichem. Bitte anschnallen!


Guten Flug wünscht Ihnen

Ihr

Thomas Kirschner

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