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NEXUS Magazin 71, Juni-Juli 2017

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Europas Krieg gegen Bargeld bedroht unsere Freiheit

bargeZentrale Stellen in Europa haben soeben die bis heute bedeutsamste Offensive in ihrem mehrjährigen Krieg gegen das Bargeld gestartet. Der neue Schlag ging direkt von der Europäischen Kommission, der Exekutive der Europäischen Union, aus, als diese ihre Absicht verkündete, im Hinblick auf die Einführung gebietsübergreifender Maßnahmen im Jahr 2018 „die Relevanz möglicher Obergrenzen für Barzahlungen zu erkunden“.

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In den meisten europäischen Ländern gelten bereits Grenzwerte für Bargeldtransaktionen, wobei der Trend solcher Grenzwerte generell nach unten verläuft. Im letzten Jahr führten Spanien und Frankreich eine Barzahlungsgrenze von 1.000 Euro ein. Griechenland setzte noch eins drauf und senkte die Höchstgrenze für Bargeldtransaktionen von 1.500 auf 500 Euro. Das bedeutet konkret, dass jederlegaleKauf von Waren oder Dienstleistungen im Wert von über 500 Euro mit Plastikgeld oder durch mobile Geldüberweisung getätigt werden muss.

In einigen Ländern liegen die Höchstbeträge für Bargeld deutlich höher. In Deutschland, Europas größter Wirtschaftsmacht, stießen vor Kurzem erfolgte Vorstöße der Regierung zur Festsetzung einer Grenze von 5.000 Euro auf den erbitterten Widerstand der Bevölkerung. Die deutsche Boulevardzeitung Bild veröffentlichte einen scharf formulierten, offenen Brief mit dem Titel: „Hände weg von unserem Bargeld“, und auch ein breites Spektrum von politischen Parteien verurteilte die vorgeschlagenen Maßnahmen als einen Angriff auf Datenschutz und Privatsphäre.

„Bargeld erlaubt es uns, bei unseren täglichen Geschäften anonym zu bleiben. In einer konstitutionellen Demokratie muss diese Freiheit geschützt werden“,

twitterte der Abgeordnete der Grünen Konstantin von Notz.

Sogar Bundesbankpräsident Dr. Jens Weidmann kritisierte die Regierungsvorschläge und äußerte gegenüber Bild (Hervorhebung hinzugefügt):

„Es wäre fatal, wenn die Bürger den Eindruck bekämen, man würde ihnen das Bargeld nach und nach wegnehmen.“

Österreich, Deutschlands südlicher Nachbar, hat ähnliche Vorbehalte gegen die EU-Pläne zur Unterdrückung des Bargelds. Der Minister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Dr. Harald Mahrer erklärte, dass die Österreicher das verfassungsmäßig verbriefte Recht auf die Wahrung ihrer Privatsphäre haben müssen.

„Wir wollen nicht, dass irgendjemand digital nachverfolgen kann, was wir kaufen, essen oder trinken, welche Bücher wir lesen und welche Filme wir sehen“,

sagte Dr. Mahrer in einer Sendung des staatlichen Radiosenders Ö1.

„Wir werden an allen Fronten gegen entsprechende Regelungen ankämpfen, auch gegen Obergrenzen für Bargeldkäufe“,

meinte er.

Mit anderen Worten, jeder Versuch der Europäischen Kommission, kontinentweit zwingende Grenzen festzulegen, dürfte auf heftigen Widerstand stoßen – zumindest in einigen Ländern. Andere Länder dagegen sind auf dem Pfad zu einer bargeldlosen Gesellschaft bereits so weit vorangeschritten, dass ihnen der Unterschied kaum noch auffallen dürfte.

Das Finanzberatungsunternehmen A. T. Kearney sagte voraus, dass im Jahr 2022 in Europa mehr bargeldlose als bargeldbasierte Transaktionen stattfinden werden.

Laut einem Bericht von Fung Global Retail & Technology befinden sich neun der 15 führenden „digital-freundlichen“ Länder in Europa. Viele Leute wetten darauf, dass Schweden die erste vollkommen bargeldlose Wirtschaft der Welt werden wird, was bereits im Jahr 2030 der Fall sein könnte.

Einige Experten fürchten die Entstehung einer dystopischen „Zweischichtengesellschaft in den Städten“, in der die Ärmsten vom Hauptstrom des wirtschaftlichen Lebens abgeschnitten werden, weil ihnen nur die herkömmlichen Währungsformen zur Verfügung stehen und sie deshalb gezwungen sind, sich auf den Handel untereinander zu beschränken. Der Finanzjournalist Dominic Frisby erklärte:

„Das Schöne am Bargeld ist, dass es direkte, einfache Geschäfte zwischen unterschiedlichen Menschen ermöglicht, ganz gleich, ob diese arm oder reich sind.“

Vor allen Dingen hat keine Zwischeninstanz ihre Hände im Spiel. Die eine Partei bezahlt die andere Partei in einer allgemein akzeptierten Währung, und die Zahlung kann in keiner Weise zurückverfolgt werden. Wenn wundert es da, dass Banken, Finanztechnologieunternehmen, Kreditkartenanbieter, Zentralbanken, staatliche und regionale Behörden und die Organisationen der Vereinten Nationen der physischen Währung den Strom abdrehen wollen?

Wichtige technologische Trends, auf die besonders bestimmte Generationen anspringen, spielen ihnen dabei bereits in die Hände. Aus diesem Grund könnten die Tage des Bargelds als allgemein genutztes Zahlungsmittel ohnehin gezählt sein. Die entsprechenden Mächte profitieren darüber hinaus von einem weitverbreiteten Wissensmangel sowie von Apathie und Desinteresse. In jedem Fall wollen sie diesen Prozess in aller Eile vorantreiben, hauptsächlich durch die Einführung von zunehmend restriktiveren Gesetzesbestimmungen, die es dem gesetzestreuen Bürger immer schwerer machen, mit Bargeld zu bezahlen.

Derzeit wird uns als Vorwand für diesen eskalierenden Angriff auf die physische Währung der Krieg gegen den Terror verkauft, aber auch vertraute Schreckgespenster wie organisiertes Verbrechen, Steuerflucht oder Schwarzmarkt beschwört man gerne herauf.

Solche Rechtfertigungen dienen einzig und allein dem Zweck, das wahre Endziel zu verschleiern: die vollständige – oder nahezu vollständige – technokratische Kontrolle über den Geldfluss. In einer Welt, in der jede Transaktion elektronisch (d. h. nachverfolgbar) abgewickelt werden muss und in der biometrische Authentisierungssysteme gang und gäbe sind, wäre der Einfluss der Großbanken, Großunternehmen, Technologieunternehmen und Regierungen auf unser Leben schier unbegrenzt.

Ein weiterer wichtiger Vorzug des Bargelds besteht darin, den Zentralbanken einen Riegel vorzuschieben, die immer noch dabei sind, mithilfe ihrer Negativzinspolitik (NIRP) den größten finanziellen Raubzug unseres modernen Zeitalters durchzuführen.

Solange Bargeld existiert, besteht keine Möglichkeit, Kontoinhaber daran zu hindern, das einzig Logische zu tun: ihr Geld von der Bank abzuziehen und es dort zu parken, wo es von den erodierenden Wirkungen der Negativzinspolitik nicht erreicht werden kann.

Quelle: WolfStreet.com, 28.01.2017, http://tinyurl.com/zjc7xxv

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