„Fast alles lebt ewig“

Sein Leben lang läuft Robert Temple in Wirken und Werken dem Mainstream voraus – wenn überhaupt, kommt der Jahre später hinterher. In seinem jüngsten Buch „A New Science of Heaven“, das im englischsprachigen Raum auch in Fachkreisen heiß diskutiert wird, widmet er sich einer hintergründigen Wissenschaft: der Plasmaforschung. 99,9 Prozent des Universums bestehen aus Plasma, dem vierten Aggregatzustand der Materie – die Standardphysik beschäftigt sich also nur mit 0,1 Prozent der Realität. Dabei hat Plasma originelle Eigenschaften, die neue Technologien verheißen und eine Brücke zwischen Materie, Geist und Bewusstsein schlagen. Ist das der Grund, warum man so wenig davon hört?

RT: Die erwähnten unterschiedlichen Dinge, die Sie erwähnen, können in voneinander getrennten Zellen, Segmente oder Klümpchen, die als Plasmoide bezeichnet werden, isoliert sein. Alle Plasmoide sind von doppellagigen Grenzschichten umgeben, die den Inhalt der unterschiedlichen Plasmoide höchst effizient isolieren. Es ist erstaunlich, wie gut sie das zustande bringen. Innerhalb einer riesigen Plasmawolke könnte beispielsweise ein Plasmoid voll mit heißem Gas neben einem Plasmoid bestehen, das mit einer kalten Flüssigkeit gefüllt ist. Sie können sich nicht miteinander verbinden, also kann die Wärme von einem Plasmoid nicht in das andere übergehen. Entropie ist strengstens verboten. Diese Entitäten sind „weit entfernt von einem Gleichgewicht“, wie Prigogine sagen würde. Dazu kommt, dass es in den Plasmawolken unerlässliche Voids oder Leerräume gibt. Dabei handelt es sich um leere Plasmoide, die aus bisher noch unerforschten Gründen in irgendeiner Hinsicht notwendig sind. In einem anderen Buch habe ich mich lange über die Bedeutung solcher Leerräume ausgelassen. Die meisten Leute wissen nicht, dass Voids keine Nicht-Dinge sind, sondern Dinge. Es gibt zum Beispiel so etwas wie Hohlraumgitter, die erstmals von dem genialen Geochemiker und Kristallografen Victor Goldschmidt nachgewiesen wurden.

NEXUS: Wo ist Plasma auf der Erde zu finden?

RT: Blitze sind Plasma. Wenn man einen Blitz am Himmel sieht, hat man es mit Plasma zu tun. Gelegentlich werden auch Kugelblitze beobachtet, die ebenfalls aus Plasma bestehen. Das Zentrum einer Neonröhre verwandelt sich zu Plasma, wenn sie eingeschaltet wird. Und natürlich brauchen Sie nur einen Blick auf die Sonne zu werfen, um etwas zu sehen, das zur Gänze aus Plasma besteht.

NEXUS: Ist auch das Plasma in unseren Neonröhren intelligent? Oder gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Plasmaarten wie „natürlichen“ und „künstlichen“, also menschengemachten?

RT: Das Plasma in Neonröhren existiert nicht lange genug, um sich selbst zu organisieren und Intelligenz zu entwickeln. Wenn man den Lichtschalter betätigt, ist es verschwunden. Doch nicht nur natürliche, sondern auch manche menschengemachten Plasmen können intelligent werden. Das ist dem russischen Wissenschaftler Professor Vadim Tsytovich mehrmals im Labor gelungen, wie in meinem Buch erwähnt.

NEXUS: Sie schreiben auch über Plasmakristalle. Wie unterscheiden sich solche Kristalle von den allgemein bekannten mineralischen?

RT: Ein Plasmakristall entsteht, wenn die Teilchen bzw. Staubkugeln oder -körner sich in einer geometrischen Anordnung ausrichten oder entsprechend der am dichtesten gepackten Kugeln zusammenfügen. In einer Laborumgebung kann man mit dem Elektronenmikroskop Fotos von Plasmakristallen anfertigen, die eine absolut umwerfende Kristallstruktur aufweisen. Wie ich in meinem Buch anmerke, können Plasmakristalle auch auf Makroebene existieren – es gibt fotografische Beweise dafür, dass manche Kugelblitze kristallin sind. Wenn wir die beiden kordylewskischen Wolken richtig sehen und ihre Umrisse festlegen könnten, würde sich wahrscheinlich auch erweisen, dass sie gigantische Plasmakristalle sind.

NEXUS: Ihre Plasmaforschung hat Sie zu der Schlussfolgerung gebracht, dass es „Plasmawesen“ wirklich gibt. Wie unterscheidet sich deren Existenzform von der unseren?

RT: Da wir wissen, dass staubige komplexe Plasmen sich wenige Tage nach ihrer Erzeugung im Labor selbst organisieren und intelligent werden können, ist anzunehmen, dass alle kalten Plasmawolken im All superintelligent sein müssen. Auch die Galaxis ist eine intelligente Wesenheit, ebenso wie alle Sterne und das Universum selbst. Ich würde sogar behaupten, dass das Universum Gott ist und Gott das Universum. Solche Plasma-Wesenheiten wären im Grunde genommen unsterblich – und das gilt auch für uns. Anders ausgedrückt: Fast alles lebt und fast alles lebt ewig. Ich glaube auch, dass der Tod unmöglich ist, dass man beim besten Willen gar nicht sterben kann. Wie das Leben aussieht, wenn man keinen physischen Körper hat? Nun ja, es wäre ein Leben ohne Krankheiten und Behinderungen. Und da im Prinzip alles lebt, sind Plasmawesen eigentlich überall. Schließlich sind auch Sie selbst eins.

NEXUS: Eine Ihrer interessantesten Beobachtungen ist die, dass die Struktur des Universums mit jener der neuronalen Netze in unserem Gehirn vergleichbar ist. Sehen Sie da eine Verbindung? Gibt es physikalische Mechanismen, die eine solche Verbindung erklären könnten?

RT: Die Tatsache, dass dem so ist – wie ja auch die Bilder in meinem Buch zeigen –, bedeutet, dass dieselben grundlegenden Strukturprinzipien in jeder Größenordnung funktionieren. Diese Strukturen sind also „skalenfrei“. Es muss in jeder Größenordnung verbindende Filamente geben, ebenso wie Knoten und geladene Strömungen. In jedem Maßstab bestehen Harmonie, Zweckhaftigkeit und Struktur.

NEXUS: Was ist ein Plasmoid eigentlich? Wie kann es Informationen und vielleicht sogar ein Bewusstsein enthalten?

RT: Plasmoide wurden vom brillanten amerikanischen Wissenschaftler Winston Bostick entdeckt. Sie sind nicht nur zusammengehörende Einheiten, umgeben von ihren schützenden Randschichten, sondern können auch superaktiv sein, sich drehen, fortbewegen und auf äußerst wendige Weise verhalten, als wären sie lebendig. Und wie wir heute wissen, leben manche von ihnen ja auch wirklich. Von den kleinen Plasmoiden, die wir erforscht haben, bis zu ganzen Galaxien ist es zwar ein großer Sprung – doch Bostick selbst hat darauf hingewiesen, dass die Spiral- und Balkenformationen, die er in seinen Miniplasmoiden gesehen hat, den Formen von Galaxien sehr ähnlich sehen, wie wir sie durch unsere Teleskope wahrnehmen. Daher glaubte er, dass es sich bei Galaxien um gewaltige Plasmoide handeln könnte und dass in beiden ähnliche Prozesse ablaufen. Heute wissen wir, was er damals ausdrücken wollte, wofür es aber noch keine Begriffe gab: Beide Strukturen sind Beispiele für Selbstähnlichkeit, wie fraktale Formen in höchst unterschiedlichem Maßstab. Zu Bosticks Lebzeiten hatte man Fraktale noch nicht entdeckt, daher konnte er das Phänomen auch noch nicht so erklären wie wir heute.

NEXUS: In einem Kapitel Ihres Buches gehen Sie näher auf „Bioplasma“ ein – etwas, von dem die meisten Menschen noch nie gehört haben. Was sind unsere „Bioplasmakörper“?

RT: Das Wort „Bioplasma“ wurde zur Beschreibung biologisch aktiven Plasmas erfunden. Plasma fließt tagein, tagaus über alle Zell- und Mitochondrienmembranen in unserem Körper. Größere Plasmaströme bewegen sich entlang jener Kanäle im Körper, die die Chinesen „Meridiane“ nennen, weil sie irgendwann vor langer Zeit – möglicherweise durch Ausprobieren – entdeckt haben, dass das Einstechen von Nadeln (wahrscheinlich handelte es sich anfangs um scharfe kleine Knochensplitter) den Fluss von Körperenergien beeinflussen kann. Daraus entwickelte sich dann die Wissenschaft der Akupunktur. In meinem Buch finden Sie mit moderner Technik aufgenommene Fotos, auf denen man die Energie entlang dieser Kanäle strömen sieht. Die Chinesen nennen diese Energie „Chi“. Es ist biologisches Plasma oder „Bioplasma“. Unser essenzielles Selbst ist ein Plasmaselbst, und vieles deutet darauf hin, dass dieses Plasmaselbst etwas größer ist als unser physisches Selbst. Unsere physischen Körper sind von Plasmawolken umgeben, die sensible Menschen manchmal um den Kopf anderer Leute wahrnehmen können; sie werden als „Aura“ oder „Nimbus“ bezeichnet, leuchten schwach und sind sehr lebendig.

NEXUS: Haben die Biophotonen, die unsere Körper und Organe abgeben, mit Plasma zu tun? Und wenn ja – wie?

RT: Unsere Körper geben ein ultraschwaches Licht ab, das man mit bloßem Auge nicht wahrnehmen kann. Diese Emissionen bezeichnet man als „Biophotonen“, wobei „Bio“ auf ihren biologischen Ursprung hindeutet. Sie wurden in den 1920er-Jahren entdeckt. Seit der Erfindung der Fotovervielfacher in den 1950er-Jahren können wir diese ultraschwachen Photonen in völlig abgedunkelten Räumen und mit langer Belichtungszeit aufzeichnen. In meinem Buch ist diesem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet. Die Photonen hängen mit unseren Plasmaprozessen zusammen; die Analyse von Änderungen in ihren Niveaus lässt sich zur Früherkennung von Krebs einsetzen, bevor noch andere Zeichen der Krankheit feststellbar sind.

NEXUS: Können unsere Plasmakörper uns unsterblich machen? Würden Sie sie mit der „Seele“ gleichsetzen?

RT: Unsere Plasmakörper sind unsterblich. Allerdings können sie unsere physischen Körper nicht unsterblich machen, obwohl sie deren Lebensspanne in mancher Hinsicht – auch in noch zu entwickelnder Hinsicht – verlängern können. Die beste Betrachtungsweise ist vielleicht die Erkenntnis, dass sich der physische Körper im Plasmakörper befindet, der ihn unsichtbar umgibt. Und das bedeutet, dass sich das Gehirn im Geist befindet. Der Geist ist in jedem Fall größer als das Gehirn. Das heißt, dass wir alle durch unseren Geist viel mehr wissen, als unser Gehirn verarbeiten kann. Daher ist es auch so wichtig, der Intuition mehr Beachtung zu schenken, weil sie oft eine Methode ist, wie der größere Geist dem kleineren Gehirn etwas mitteilen will.

NEXUS: Ihr Buch ist mittlerweile seit drei Jahren in englischer Sprache erhältlich. Was hat es für eine Wirkung erzielt? Haben auch Mainstreamwissenschaftler sich dadurch angeregt gefühlt, tiefer in die Plasmaforschung vorzudringen?

RT: Das Buch hat vor allem in den USA Wirkung gezeigt, obwohl sich sein Erscheinen dort um etwa ein Jahr verzögert hat. Vor Kurzem gab es eine private internationale Konferenz, auf der über das Werk diskutiert wurde. Obwohl die Veranstaltung in England stattfand, waren die meisten Teilnehmer aus Amerika angereist. Der Tagungsband soll nächstes Jahr erscheinen. Ich habe in mehr als 30 Podcasts – vor allem amerikanischen – über das Buch gesprochen, die insgesamt von Hunderttausenden begeisterten Menschen gehört wurden. Ich wurde auch für eine amerikanische Fernsehdoku-Serie gefilmt, die aber noch nicht ausgestrahlt wurde.

NEXUS: Gibt es seit Erscheinen Ihres Buches irgendwelche Plasmaforschungen, die zu neuen Erkenntnissen geführt haben? Womit befasst sich die Plasmaforschung derzeit hauptsächlich?

RT: Die Plasmaforschung wird immer stiller und geheimnistuerischer. Die großen Konzerne verheimlichen ihre Ergebnisse aus kommerziellen Gründen, die Wissenschaftler der Regierung haben andere, bedeutendere Gründe dafür. Die Plasmaforschung, in der es um die kontrollierte Fusion geht, ist meiner Ansicht nach die am wenigstens interessante, zieht aber leider etliche Plasmaforscher von viel interessanteren Projekten ab. Viele Plasmaforscher sind für Unternehmen tätig, die an der stetigen Verbesserung von Nanochips arbeiten, und haben dort Vertraulichkeitsvereinbarungen unterzeichnet. Da sich bessere Nanochips nur mithilfe von plasmaunterstützter chemischer Gasphasenabscheidung herstellen lassen, ist Plasma in Sachen IT und KI entscheidend für die Zukunft der Welt. Aus diesem Grund wird immer weniger öffentlich publiziert, da die Plasmaforschung heute ein Billionen-Dollar-Geschäft ist. Auch für die Tarnkappentechnik von Militärflugzeugen ist Plasma unverzichtbar; das heißt, dass es mit jeder neuen Flugzeuggeneration mehr an Bedeutung gewinnt, wenn man die technologische Überlegenheit behalten will.

NEXUS: Wie haben Ihr Interesse an Plasma und Ihre Erkenntnisse zum Thema Ihr Leben und Ihre Denkweise beeinflusst? Hat Plasma Sie verändert?

RT: Nun, es konnte mich zumindest nicht zu einem Plasma verändern, weil ich ja schon ein Plasma bin, so wie alle anderen Menschen. Ich habe jedoch existierende Beweise entdeckt und herausgefunden, dass eine bestimmte Idee fraglos wissenschaftliche Gültigkeit besitzt: Wir alle sind Plasmawesen, die sich vorübergehend in physischen Körpern und Gehirnen aufhalten, die oft zu klein für uns sind – also werden wir eher hineingezwängt. Mittlerweile ist es für mich zur Gewissheit geworden, dass es eine Plasmawelt gibt, dass wir Plasma­menschen sind und dass die physische Welt wie ein Schwimmbecken ist, in das wir eintauchen, aus dem wir aber auch irgendwann wieder auftauchen. Und das tun wir vielleicht viele, viele Male, wobei wir jedes Mal besser Brustschwimmen lernen.

NEXUS: Welche nächsten Schritte in der Plasmaforschung wären Ihrer Meinung nach am wichtigsten?

RT: Wir benötigen wesentlich mehr Mittel für die Plasma­forschung im Allgemeinen – und zwar für Forschung ins Blaue, ohne vorher festgelegte Ziele. Und diese Forschung muss öffentlich gemacht werden, sodass Wissenschaftler in aller Welt die Ergebnisse begreifen und weiterverfolgen können. Wir müssen Plasma einfach besser verstehen. Und zu diesem Zweck brauchen wir mehr offene Wissenschaft.

Thema vertiefen:

Einen Einstieg ins Plasmauniversum bieten unsere Artikel „Elektrisches Universum: Kosmologie fürs 21. Jahrhundert“ (Wallace Thornhill, NEXUS 107 & 108), „Ein neuer Blick aufs Plasmauniversum und Max Plancks musikalische Raumzeit“ (Matthew Ehret, NEXUS 90) sowie „Elektrisches Plasma vs. Big Bang“ (Dr. Mae-Wan Ho, NEXUS 64). Ob das Plasma, das Robert Temple hier beschreibt, mit dem quasiintelligenten Geschehnissen in Wagos „Plasmabett“ und den Forschungen der Keshe-Stiftung zu tun hat – das werden wir herausfinden.

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