Gefährlich! Band 2: Nutze die geniale Macht des Sog-Prinzips. Befreie Dich aus diesem Sklavensystem!

Gefaehrlich2Stephan Müller
Amadeus Verlag

240 Seiten
ISBN: 978-3-938656-62-4
€ 17,80

Empfindliche Ästheten nesteln bei den Buchumschlägen des Amadeus-Verlags mitunter nach der Sonnenbrille. Auch bei „Gefährlich! Band 2“ setzt es einen optischen Großangriff mit grellen Signalfarben und dicken Ausrufezeichen. Doch man soll ja nicht oberflächlich urteilen – zudem kann ein bisschen Trash-Faktor durchaus Spaß machen. Vielleicht soll das Layout auch einfach die Spießer- und Langweilerfraktion fernhalten? Die schaut bekanntlich sowieso selten hinter die Fassaden und hat meist kein Interesse, sich aus „diesem Sklavenystem zu befreien“. Genau darum geht es nämlich in diesem Buch: um die Selbstbefreiung aus beengenden gesellschaftlichen Prägungen, Machtstrukturen und unseren mehr oder weniger eigenhändig angelegten Bremsklötzen und Hemmschuhen. Autor Stefan Müller will uns helfen, endlich zu den „machtvollen Schöpfern“ zu werden, die wir eigentlich schon immer sind, um ein Leben nach authentischen, eigenen Vorstellungen und Zielen zu leben.

Können solche Verheißungen durch ein Buch eingelöst werden? Nein, können sie nicht – und Müller stellt früh klar, dass die Buchlektüre nur der Anfang und auch eher der leichtere Teil des Weges ist.

Um all das ging es auch schon in Band 1, der in NEXUS-Ausgabe 54 vorgestellt wurde. Der Fokus des zweiten Teils liegt auf dem sogenannten Sog-Prinzip und seiner Hervorhebung als zentrales Werkzeug. Es handelt sich dabei keineswegs um eine neue Spielart des Resonanzgesetzes, Schwingunsprinzips oder eines ähnlichen populären Schlagworts. Zwar gibt es einige Überschneidungen, doch Müller hat viel Neues hinzuzufügen – er fährt eine Mischung fernöstlicher und westlicher Sichtweisen und Techniken auf, die mir in den einschlägigen Literaturgenres noch nicht begegnet ist.

Soweit ich es erfasst habe, läuft Müllers Sog-Prinzip auf etwas Ähnliches hinaus wie das taoistische Wu wei, das Nicht-Tun. Solch ein spirituelles Konzept ist für verstandsbetonte Westler normalerweise eine anspruchsvolle bis unmögliche Verrenkung, ungleich schwieriger jedenfalls als Affirmationen, Visualisierungen und die anderen üblichen Selbstverbesserungs- und Wünsch-dir-was-Techniken. Wenn man „Gefährlich! Band 2“ konsequent durchdenkt und ernst nimmt, muss man für die erfolgreiche Anwendung des Sog-Prinzips eigentlich einen Bewusstseinszustand erreichen, in dem man fast alles kann und nichts will. Genauer: Um irgendetwas zu erreichen, muss man sich erst einmal von jedem Wunsch des Erreichens und von jeder Bindung an die eigenen Ziele, Wünsche und Träume lösen. Ein scheinbares Paradox, das vor einem spirituellen Weltbild aber absolut Sinn macht und im Buch praxisnah und alltagstauglich erklärt ist. Sehr hilfreich ist dabei Müllers Begriff der Wichtigkeit: jenes Zu-wichtig-nehmen von fast allem und vor allem von sich selbst, das eine Verkrampfung generiert, die mehr im Wege steht als hilft.

Müller zeigt auch die dahinter stehenden Mechanismen auf und wie das Ganze nicht nur psychologisch, sondern auch materiell und feinstofflich wirkt – denn die Situationen und Umstände der uns umgebenden Realität richten sich gern nach unseren Fixierungen und Obsessionen aus – dummerweise auch und gerade nach den verdrängten und unerwünschten.

Und jetzt der Haken an der Sache: Auf die Existenz und Wirksamkeit dieser Mechanismen bzw. der hermetischen kosmischen Gesetze muss man sich ebenso voll und ganz verlassen wie auf deren Beeinflussbarkeit. Ansonsten fällt Müllers Konzept in sich zusammen. Wohl dem, der hier genug der viel beschworenen spirituellen Tugenden des Vertrauens und der Hingabe aufbringt. Aber wie gesagt, Müller behauptet nicht, dass sein Konzept ein Sonntagsspaziergang wäre.

Schade ist, dass er mir als Leser manches unnötig schwer machte. So hält er sich für meinen Geschmack sehr lange mit diversen Fesseln und Hindernissen der Selbstentfaltung auf, obwohl diese selbst den jungen oder unbedarften Lesern aus genügend Erfahrungen, Büchern oder Medien bekannt sein dürften. Vor lauter wissenschaftlichen Erkenntnissen, uralten Wahrheiten, fernöstlichen Weisheiten, Zitaten und Anekdoten habe ich mehr als einmal den roten Faden verloren. Dabei scheinen mir die erklärten Zusammenhänge oder Botschaften selten so komplex, als dass solch lange Wege nötig wären.

Müller spricht verschiedene Zielgruppen an, die Teilweise schwer miteinander vereinbar sind: Mal erklärt er kleinschrittig, um auch Unbedarfte nicht zu überfordern; wenig später stellt er die mentale Ausdauer, Aufnahmekapazität und das Kurzzeitgedächtnis des fortgeschrittenen Lesers auf die Probe. Manchem Leser – mir etwa – könnten Müllers gelegentliche Polit-Statements aufstoßen, die das Buch nicht gebraucht hätte und die man statt „politisch inkorrekt“ und „unbequem“ auch einfach platt finden kann.

Trotz dieser Eindrücke handelt es sich bei „Gefährlich! Band 2“ um ein solides Grundlagenwerk, das vielen Lesern interessante Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen kann und deutlich mehr Substanz bietet, als es das Marktschreieroutfit vermuten lässt. Mit einer kleinen Entschlackungskur wäre es sogar ein richtig guter Wurf.

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