Russland und die neue Vernetzung Eurasiens: Wer mischt die Karten in der Geopolitik?

RusslandF. William Engdahl
Kopp Verlag

256 Seiten
ISBN: 978-3-864452-68-0
€ 16,95

Der deutsch-amerikanische Publizist und Ökonom F. William Engdahl ist ein führender Geopolitikexperte und hat schon mit einigen lesenswerten Büchern wie „China in Gefahr“, „Krieg in der Ukraine“ oder „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“ Aufsehen erregt. Engdahl ist ein heftiger Kritiker der US-Außenpolitik und in diese Kritik reiht sich auch sein neu erschienenes Buch ein. Er versucht zu beweisen, dass die USA heimlich einen Feldzug gegen Russland und China führen. Ziel der USA ist nach Engdahl die Sicherung der eigenen Vormachtstellung und die Schwächung der anderen Länder. Die provokative Überschrift der Verlagsbeschreibung des Buchs trifft seine Kernaussage sehr genau: „Die Russen draußen halten, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten …“

Um der zerstörerischen Absicht der USA zu entkommen, hat Russland ein Gegengewicht in China gefunden und baut die Beziehungen nach Asien stark aus. Putin treibt die Eurasische Wirtschaftsunion voran, in der sich derzeit Russland, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und Kirgisistan befinden.

China hat sehr großes Interesse an einer Erweiterung dieser Union und beteiligt sich deshalb wirtschaftlich daran, was nicht zuletzt in dem gigantischen Projekt einer neuen Seidenstraße gipfeln soll. Mit dem Ausbau der Eurasischen Wirtschaftsunion würde ein starkes Gegengewicht zur Europäischen Union und den USA geschaffen. Ziel sind gemeinsame Regeln für den Handel sowie einheitliche Zollbestimmungen. Ein gemeinsamer Energiemarkt soll aufgebaut und ein einheitliches System der Devisenkontrollen eingeführt werden. Damit würde sich die Eurasische Union vom Dollar lösen.

Im Gegenzug zu Chinas Unterstützung würde Russland sich an der neu geplanten Seidenstraße beteiligen, die durch etliche Staaten führen soll: auf der Landroute von der alten Kaiserstadt Xi’an über Xinjiang nach Zentralasien, über den Iran und den Irak bis in die Türkei und weiter nach Europa, auf der Seeroute von der südostchinesischen Provinz Fujian über Hainan und Sri Lanka nach Kenia, um das Horn von Afrika herum und über Athen nach Venedig. Ferner ist eine Hochgeschwindigkeitszugstrecke zwischen Peking und Moskau geplant, die eine Länge von 7.000 Kilometern haben und die enorme Distanz zwischen den beiden Städten in 48 Stunden überbrücken soll. Diese Zugstrecke würde sage und schreibe 4,4 Milliarden Menschen miteinander verbinden.

Wenn man Engdahl folgt, so werden alle diese Pläne dazu führen, das Gewicht weg von den USA und dem Westen nach Osten zu verlegen. Er nennt eine Vielzahl derartiger Pläne, die alle auf eine Verlagerung der Weltmacht nach Osten hindeuten. Allerdings berücksichtigt Engdahl in seinem Buch zu wenig, dass China derzeit wirtschaftlich schwächelt und dass Russland und China sich noch in anderen Punkten uneins sind.

Engdahl empfiehlt den Politikern in Deutschland, sich mehr nach Osten zu orientieren und sich vom westlichen Bündnis loszusagen, um im neuen wirtschaftlichen Aufschwung des Ostens eine wichtige Rolle spielen zu können.

Das Buch bringt einige sehr interessante Aspekte zur Sprache, die in den Medien und der Berichterstattung eindeutig zu kurz kommen oder gar keine Erwähnung finden. Sicherlich spielt zu einem Teil Engdahls Wunschdenken mit hinein. Sein Buch ist aus vielen einzelnen Artikeln aufgebaut, dadurch kommt es leider zu sehr vielen Wiederholungen. Auch sind ein paar Dinge nicht mehr auf dem neuesten Stand, etwa Engdahls Einschätzung der Türkei. Die Artikel sind innerhalb von zwei Jahren entstanden und wurden anscheinend für die Drucklegung nicht mehr verändert, was etwas schade ist, da die veralteten Aspekte beim Lesen stören.

Auch wenn man nicht immer mit Engdahl einer Meinung ist, kann man sich anhand seiner Darstellungen auf jeden Fall ein gutes Bild von den geopolitischen Mächten machen.

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