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NEXUS Magazin 52, April-Mai 2014

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Giftcocktail Körperpflege - Der schleichende Tod aus dem Badezimmer

KoerperpflegeMarion Schimmelpfennig
J. K. Fischer Verlag
312 Seiten
ISBN: 978-3-941956-01-8
€ 21,95

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Das Bestreben, den Körper mit Haut und Haar möglichst lange dem gerade angesagten Schönheitsideal anzupassen, und den erreichten Zustand zu erhalten, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Kulturen und Epochen. Er treibt gar wunderliche Auswüchse: Ein sehr bekanntes Beispiel waren die Lotosfüßchen der Chinesinnen, über die die Europäer erstaunt den Kopf schüttelten. Ebenso dürften sich die Damen Arabiens in ihren den Körper umschmeichelnden Gewändern mit Sicherheit über die Sinnhaftigkeit des Korsetts Gedanken gemacht haben. Wenn man sich etwas mit der Geschichte der „Kosmetik“ befasst, liest man in alten Büchern staunend von z. B. Bleiweiß, bedauert die armen Geschöpfe, die um der Mode Willen Schönheit und Gesundheit opferten, vor der Zeit alterten, blind wurden, ja, sogar wegen diverser Mittelchen gestorben sind.

Das war einmal, möchte man meinen, wir leben ja in aufgeklärten Zeiten – doch weit gefehlt. Schönheit ist ein Produkt mit Vermarktungsstrategie geworden, es hat neue Berufe hervorgebracht und Arbeitsplätze geschaffen, global versteht sich. Längst stehen hinter bekannten Herstellern große Konzerne, die in erster Linie eines sind: gewinnorientierte Unternehmen, denen es gänzlich egal zu sein scheint, dass ihre Produkte ganz und gar nicht den Aussagen gerecht werden, mit denen sie die aufwändig designten Packungen schmücken. Eine ganze Armada von Spezialisten tüftelt die wirksamsten Psychofinten aus, um den nichtsahnenden „Verbraucher“ hinters Licht zu führen, ihm etwas vorzugaukeln.

Dass es schlimm ist, wusste ich. Abersoschlimm? Nein, solche Ausmaße hätte ich nicht erwartet. Was Marion Schimmelpfennig da so mutig recherchiert und publiziert hat, wächst mit jeder Seite des Buchs zu einem monströsen Irrsinn heran. Und: Alles ist gründlich belegt. Man vergiftet uns täglich, stündlich, in jeder Minute, nur um die äußere Hülle angeblich jung, vital, schön und gesund zu erhalten. Nicht einmal vor den Kleinsten macht der Pflegewahn Halt. Da redet man davon, die empfindliche Haut schützen zu wollen, präsentiert Produkt auf Produkt mit zweifelhaftester Zusammensetzung, immer schön an das Gewissen der Eltern appellierend. Die getäuschten Mütter und Väter, die ja alles richtig machen wollen, glauben den Versprechungen. Als ob Mutter Natur in ihrer Trickkiste nichts hätte, um den Unbilden der Witterung zu trotzen, wirdaggressivsteChemie zusammengepanscht, obwohl man von der Toxizität, der karzinogenen oder allergieauslösenden Wirkung weiß. Täglich werden Haare, Haut und Nägel zugeschmiert, angemalt, gefärbt, gebleicht, gepudert, mattiert, besprayt, desodoriert und weiß der Teufel was sonst noch, nur um eins zu bedienen: das Bankkonto der Hersteller, die sich nicht darum scheren, ob der arme Verbraucher irgendetwas in seinem Körper anreichert und dieser sich dann mit Krankheit und Siechtum revanchiert.

Es gab in der Vergangenheit bereits Publikationen zu diesem Thema, und man sollte meinen, es habe sich etwas getan – von wegen. Und wenn man auch nur einem Bruchteil des Buchs Glauben schenken will, reicht der immer noch, um das, was man zu wissen geglaubt hat, aus den Angeln zu heben. Und ist es erst einmal ausgehoben, kann man es zusammen mit den ganzen buten Plastikpackungen gleich in die Mülltonne werfen.

Dr. Rüdiger Dahlke, Arzt, Psychotherapeut und Autor, hat ein umfangreiches Vorwort zu Frau Schimmelpfennigs Buch geschrieben, das die Wichtigkeit ihres Werks nochmals verdeutlicht.

Sehr hilfreich ist die Übersichtstabelle, die ganze 30 Seiten umfasst, und das Nachschlagen leicht macht.

Jeder, der mehr ist als ein „Verbraucher“; jeder, der sich Gedanken um die Zusammenhänge von Umwelt und Gesundheit macht, kommt um die hier eindrucksvoll beschriebenen, schrecklichen Wahrheiten nicht herum. Doch wir alle haben es selbst in der Hand, diese gemeinsam zu ändern: Zeigen wir den Herstellern, dass wir ihren Pfusch nicht wollen, lassen wir das Zeug da, wo es steht –dann können sie sich selbst damit krank und womöglich zu Tode pflegen. Ich möchte wetten, sie lassen an ihre Haut nur Wasser … und sonst nichts. Danke für dieses Buch!

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