Im Labyrinth der Körperchemie: Das große Gesundheitsinterview

KoerperchemieKeto, Paläo oder Low Carb? Vitamin- und Mineralstoffergänzung – ja oder nein? Wenn ja: Wie viel, wovon und in welcher Menge? Haben den Hormonumbruch in den Wechseljahren nur Frauen? Und wie war das mit der Schwer­metallausleitung?

H. C. Fricke stand vor einem Wust an Fragen, als sein Körper nicht mehr ganz so wollte wie er. Studie um Studie, Molekül um Molekül, Selbstversuch um Selbstversuch hat er sich an die Antworten herangetastet.

Von dem, was er herausgefunden hat, kann womöglich auch Ihr Arzt oder Heilpraktiker noch etwas lernen. Wir haben seine Erkenntnisse in einem Interview zusammengefasst.

Hier sollte man dann wohl noch zwei Begrifflichkeiten klären, die eng mit der Rechtslage verknüpft sind:

  • Nahrungsergänzungsmittel sind dazu gedacht, die normale Ernährung zu ergänzen. Ihr (regulatorischer) Hauptzweck ist es, Nährstoffmängel zu verhindern oder auszugleichen, die allgemeine Gesundheit zu unterstützen und das Wohlbefinden zu fördern. Diese sollen jedoch nicht „heilen“.
  • Arzneimittel sind dafür vorgesehen, Krankheiten zu „heilen“, zu verhindern, zu lindern oder zu diagnostizieren. Sie enthalten Wirkstoffe, die eine spezifische pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung haben, um diese Ziele zu erreichen.

Sobald ein Vitamin „heilt“ bzw. dosisbezogen pharmakologisch als wirksam für etwas angesehen wird, wird aus der Nahrungsergänzung ein Arzneimittel. Das kann auch ein Graubereich sein. Zum Beispiel ist Benfotiamin, eine besonders effektive Version des Vitamins B1, in Deutschland ein Arzneimittel.

Lithium, ein Mineral bzw. Spurenelement, ist nach Studienlage eigentlich essenziell für den Menschen. Mangelt es an ihm, hat das Auswirkungen auf die Psyche und wohl auch auf den Vitamin-B12-Stoffwechsel. In Deutschland ist es jedoch ein Arzneimittel – in jeder Dosierung, wobei einige (legale) Heilwässer pro Liter eine gute Tagesdosis davon enthalten. Lithium wird unter anderem zur Behandlung von psychischen Störungen eingesetzt … weil es wirkt. Das Gleiche gilt für Melatonin. Ein Milligramm als Tagesdosis ist in Deutschland unter Umständen noch in Ordnung, weil diese Dosis als pharmakologisch nicht wirksam gilt. Was nicht wirksam ist, kann kein Arzneimittel sein, weswegen es hier eine Lücke gibt. Natürlich könnte nun jemand auf die Idee kommen, drei Tabletten mit je einem Milligramm Melatonin einzunehmen, sodass Gerichte auch zuungunsten eines Nahrungsergänzungsmittelherstellers entscheiden könnten.

Bei all diesen Einschränkungen geht es aus meiner Sicht um den Schutz von Interessen, jedoch nicht denen der Patienten bzw. der Menschen.

NEXUS: Bleiben wir noch kurz bei Melatonin, über das Sie ebenfalls lange Artikel im Blog haben. Die Substanz scheint ja wirklich segensreiche Eigenschaften zu haben. Können Sie uns Ihre eigenen Erfahrungen mitteilen – wie sind Sie darauf gekommen und was hat es gemacht?

HCF: Zu Melatonin bin ich selber über das Thema Bruxismus gekommen: Zähneknirschen. Die Studienlage zeigt ziemlich klar, dass Melatonin, auch wenn man nichts merkt, die Tiefschlafqualität verbessert. Deswegen hatte ich es selbst ausprobiert und nichts weiter gemerkt, aber irgendetwas war doch anders. Nach einigem Hin und Her merkte ich: Mit Melatonin habe ich nicht mehr geknirscht! Das Thema ist nicht zu unterschätzen, speziell weil das Knirschen die Zähne, Implantate und Brücken zerstören kann. Die Knirschschienen lösen dann das Problem auch nicht an der Wurzel, sondern verringern nur den Schaden. Die Studienlage dazu ist, auch bei Kindern, für mich eindeutig und überzeugend. Heutzutage ist die Thematik noch brennender, weil EMF-Belastungen aus Mobilfunk, Smartphone und WLAN die Melatoninproduktion senken.

Die Dosis ist jedoch oft stark altersabhängig und je nach Dosis hat Melatonin andere Wirkungen, speziell auch bei Dosierungen im Grammbereich.

NEXUS: Bekommt man Melatoninpräparate überhaupt auf dem deutschen Markt?

HCF: Ja, es gibt seit einiger Zeit niedrig dosierte Melatoninpräparate in Deutschland, die als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Den Hintergrund habe ich schon geschildert: Wenn etwas als pharmakologisch unwirksam definiert ist, kann es kein Arzneimittel sein. Dazu gibt es einige anhängige Verfahren. Das ist eine Lücke, die aktuell genutzt wird. Allerdings gibt es keine mir bekannten Varianten von Melatonin in höherer Dosis auf dem deutschen Markt, auch nicht solche mit zeitverzögerter („Time-Release“-)Freisetzung. Hierbei geht es insbesondere um das Durchschlafen.

Vielen hilft allerdings schon die Aminosäure GABA, die am Abend eingenommen wird. Genau das ist es auch, warum Baldrian, Hopfen und Passionsblume beruhigend und ausgleichend wirken: All diese pflanzlichen Substanzen erhöhen den GABA-Spiegel im Körper, entweder dadurch, dass die Produktion gesteigert bzw. der Abbau gehemmt wird.

NEXUS: Noch eine Frage zu den „Wechseljahren“. Hat diese hormonelle Umstellung einen evolutionären Sinn? Sind wir ab 50 von Natur aus einfach fertig? Wie sehen Sie das?

HCF: Die Umstellung hat den Sinn, dass kein Nachwuchs mehr geboren werden soll. Ich denke, es ist allgemein unbestritten, dass das Risiko für Fehlbildungen des Nachwuchses und auch Risiken bei der Schwangerschaft mit dem Alter steigen. Allerdings endet bei der Frau mit dem Ende der Periode auch diese Art der Entgiftung bzw. der natürliche Aderlass.

Das alles muss jedoch nicht bedeuten, dass mit 60 oder 70 Jahren mit dem guten Leben Schluss ist. Ich sehe da eher die Probleme in unserer heutigen Umwelt und bei den Frauen speziell in der hormonellen Verhütung. Diese potenziert die Probleme nach den Wechseljahren, falls es überhaupt so lange dauert. Im alten China zum Beispiel haben ältere Männer den Urin von Jünglingen getrunken – denn der war unter anderem gesättigt mit den Steroidhormonen und ihren Metaboliten. Für solch eine Lösung braucht man nicht einmal eine Pharma­industrie. Vielleicht wusste das auch schon Methusalem und ist deswegen so alt geworden, wie es in der Überlieferung heißt?

NEXUS: Sie selbst haben eindrückliche Erfahrungen mit Schilddrüsenhormonen gesammelt. Wie kam es dazu – was ist passiert?

HCF: Alles, was ich die ersten Jahre umgesetzt hatte, gab mir ein Gesundheitsplus: mehr Energie, bessere Haut, deutlich weniger Krankheiten. An einem bestimmten Punkt ging es jedoch mit der Energie in den Rückwärtsgang. Ich war ratlos. Ich hatte meine Schilddrüse im Verdacht, aber keine Ahnung, welche Werte nun wirklich gut und das sinnvolle Mindestmaß sind. Aber selbst wenn ich das gewusst hätte, wären mir die weiteren Schritte nicht klar gewesen.

Dass die Referenzwerte keine Gesundheitswerte sind, hatte ich schon lange begriffen. Ein Kontakt in einem Gesundheitsforum führte dann zur Beantwortung meiner damaligen Fragen. Ich machte einen Ultraschall, und der ergab, dass meine Schilddrüse nicht die größte war, jedoch keine weiteren Probleme vorlagen. Nun, ein Motor mit wenig Hubraum kommt eben irgendwann an seine Grenzen. Die Einnahme der Schilddrüsenhormone startete ich dann aber sehr bedacht: Zunächst testete ich meine DHEA-S- und Cortisol-Werte – das hat mit der Funktion der Nebenniere zu tun, die okay sein sollte, bevor mit solchen Hormonen gestartet wird. Deshalb nahm ich Hydrocortison und DHEA zur Unterstützung der Nebenniere. Wobei Hydrocortison wieder einmal nicht das ist, was die meisten als „Cortison“-Tablette (etwa Prednisolon) bezeichnen – Letzteres ist in seiner chemischen Struktur verändert, Ersteres entspricht dem körper- bzw. bioidentischen Cortisol, und man trägt es vorzugsweise auf die Innenarme auf.

Dann machte ich einen 24-h-Urintest auf eine HPU, die ich unter anderem mit Zink, B6und Bindemitteln behandelte. Da zudem Ergänzungen wie Selen, Tyrosin oder Jod die Situation nicht verbesserten, fing ich mit der Einnahme der Schilddrüsenhormone nach einem Schema an, das die physiologischen Grundlagen des Körpers beachtet.

Ab diesem Zeitpunkt ging es für mich steil bergauf. Ich konnte das damals an meinen Schwimmzeiten für 1.000 Meter im Wochentakt verfolgen! Die Schilddrüsenhormone, speziell T3 (Thybon), sind der metabolische Schrittmacher des Körpers. Fast jede Zelle hat einen T3-Rezeptor. Ohne genug T3 geht nichts richtig: Alles, der ganze Stoffwechsel, inklusive der ATP-Produktion, läuft mit angezogener Handbremse. Läuft der Stoffwechsel nicht, dann wird Gewicht zugelegt, der Cholesterinspiegel steigt, Wortfindungsstörungen setzen ein und so weiter.

Wenn ich vor diesem Hintergrund auf die ständig sinkenden Normwerte für die freien Schilddrüsenhormone (fT3, fT4) schaue, dann gruselt es mich. Was noch irrer ist: Anstatt fT3 und fT4 wird in der Regel nur TSH gemessen, was nicht einmal ein Schilddrüsenhormon ist und absolut keine quantitativen Aussagen über die Werte bzw. Spiegel der Schilddrüsenhormone erlaubt. Absolut keine.

NEXUS: Das klingt alles fürchterlich detailliert und aufwendig. Wie lange haben Sie selbst gebraucht, um all das zu erfassen? Und was würden Sie Menschen raten, die gar nicht die Zeit haben, sich so intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen – zumal das Wissen ja auch an den meisten Ärzten vorbeigegangen sein dürfte?

HCF: Rückblickend habe ich angefangen, mich mit allem zu beschäftigen, bevor ich für mich Probleme festgestellt hatte. Das kam mir zugute, als es mir schlechter ging. Weiterhin muss ich sagen, dass ich das alles nur machen konnte, weil ich in Teilzeit arbeitete. Als es mir schlechter ging, nahm ich zudem eine längere Auszeit. Deswegen kann ich schlecht abschätzen, wie viel Zeit ich in alles gesteckt habe. Auf jeden Fall sehr viel.

Mir fällt es schwer, hier anderen etwas zu raten, weil die individuellen Probleme, Ansprüche und Ziele verschieden sind. Darüber hinaus ist es auch eine finanzielle Frage.

Ich für mich habe mich an einem Punkt gefragt, was meine Prioritäten sind und wo ich meine Zeit mit Dingen verschwende, die Lebensenergie bzw. Essenz kosten, aber nichts Positives bewirken oder zurückgeben. Ich hatte dann zum Beispiel meinen Nachrichtenkonsum stark reduziert. Zudem nutze ich seit Jahren kein Smartphone mehr. Diese Zeit- und Essenzdiebe aus dem Leben zu verbannen, zumindest bis die anstehenden Aufgaben bewältigt sind, schaffen neuen Freiraum. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, aber an einem bestimmten (Leidens-)Punkt ist die Frage, was Priorität hat und was nicht.

NEXUS: Führen Sie auch selbst Beratungen durch, etwa für Multiplikatoren wie Heilpraktiker oder individuell Betroffene?

HCF: In einem sehr beschränkten Rahmen kann ich auf Anfrage individuelle Coachings zu den Themen und Artikeln geben, die ich im Blog veröffentliche. Allerdings ist mein Fokus eher die Auftragsrecherche. Menschen, die mich über HCFricke.biz kontaktieren, sollten sich in jedem Fall schon vorab mit den freien Informationen im Blog auseinandergesetzt und konkrete Fragen zu ihrem Anliegen haben.

NEXUS: Wir haben jetzt viel über Körperchemie gesprochen, vor allem über Substanzen, die dem Körper zugeführt werden sollten, damit er optimal funktioniert. Nun ist das ja auch alles ein Geschäft und geht auch an den Geldbeutel … schon die ganzen Bluttests kosten ein Heidengeld. Sind Sie der Meinung, dass man vieles davon nicht auch auf natürlichem Weg klären kann – mit naturnaher Ernährung mit Wildkräutern und nährstoffreicher Biokost, ausreichend guter Luft, Bewegung und geistigen Übungen? Hat die Natur, Gott, oder wie man es nennen will, nicht dafür gesorgt, dass wir optimal funktionieren?

HCF: Der „natürliche Weg“ war das, womit ich angefangen hatte. In dieser Zeit, wo es mir dann auch immer besser ging, hatte ich die Hybris entwickelt, auf diesem natürlichen Wege alle Probleme lösen zu können. Wenn ich meinem Körper genug Gutes zuführe, dann erledigt der schon irgendwie magisch den Rest. Logo!

Allerdings ist die Realität, speziell die heutige, eine andere. Wer Amalgam in den Zähnen verbaut hat, einen Tinnitus nach MRT-Kontrastmitteln bekam, chronisches Erschöpfungssyndrom nach Fluorchinolonen in Antibiotika, Hormonstörungen nach der Nutzung der hormonellen Verhütung, der wird das in der Regel nicht mehr „natürlich“ reguliert bekommen. Dass unsere Umwelt, speziell mit all dem Elektrosmog und auch dem Mikroplastik heutzutage, nicht mehr die ist, für die wir geschaffen wurden, brauche ich nicht weiter auszuführen. Dass eine zu kleine oder sich selbst zerstörende Schilddrüse (wie im Fall von Hashimoto) nicht automatisch wieder heile nachwächst, sollte auch klar sein.

Und vor allem: Wer führt denn regelmäßig das von Ihnen geschilderte Basisprogramm durch? Wer lebt noch in der Natur und hat täglich Zugriff darauf? Wer bewirtschaftet einen eigenen Garten? Wer isst seinen eigenen Salat und nicht einen, der – mag es auch Demeter-Salat sein – viele Tage Transport und Kühlung im Dunkeln hinter sich hat? Dass die Biophotonenaktivität in der Nahrung nach jedem Lager- und Verarbeitungsschritt sinkt, hat Popp ja nachgewiesen.

Ich will nicht sagen, dass Nahrungsergänzungsmittel das Allheilmittel sind. Viele sind teuer oder enthalten teils unsinnige Zusatzstoffe und einige eher ineffektive Wirkstoffe mit für mich zweifelhaftem Nutzen. Man kann damit jedoch Dinge machen, die über die Ernährung so nicht möglich sind. Im Blog gehe ich diesbezüglich vielen Fragen nach. Irgendwann muss man sich für einen Kompromiss entscheiden, denn perfekt, speziell für den individuellen Anspruch bzw. Bedarf, gibt es in diesem Bereich nicht.

Zur anderen Frage: Ich selbst habe noch keine Alternative zu Blut-, Haar-, Urin- und Speicheltests gefunden. Manche mögen es mit hoher Trefferquote „sehen oder austesten“ können. Ich kann es nicht. Und selbst wenn jemand von sich behauptet, dass er es kann, weiß ich nicht, ob dieser Jemand der ist, der es wirklich kann. Ich gehe schon davon aus, dass manche so etwas können – aber es werden selten die sein, die damit werben.

Dann gibt es noch technische Geräte, die alle möglichen Werte ermitteln wollen. Ich denke sogar, dass dies theoretisch möglich ist, allerdings wollen die Hersteller solcher Geräte – zumindest die, die ich angefragt habe – in der Regel nicht erklären, was sie da grundlegend machen. Ich will ja nur wissen, was ich als Elektroniker, Nachrichtentechniker und Informatiker mit Schraubendreher, einem Cuttermesser, Messgeräten und ein bisschen Knobeln in 24 Stunden selber rausfinden kann, wenn ich so ein Gerät vor mir liegen hätte. Wer das geheim halten will, tja, was soll ich dazu sagen?

NEXUS: H. C., wir danken für das ausführliche und erhellende Gespräch. Wer die hier angesprochenen Themen vertiefen will, kann das mithilfe der Suchfunktion auf Ihrem Blog HCFricke.com. Dort sind Sie ja weiterhin aktiv und veröffentlichen regelmäßig Updates zu Ihren Recherchen.

Kommentare

13. Februar 2024, 12:38 Uhr, permalink

Ilka Fischer

Vielen Dank für das wunderbare Interview, HC! Die ganze Familie ist stolz auf dich und dankbar für deine langjährige Unterstützung. Deine Schwester aus Hamburg!

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