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NEXUS Magazin 62, Dezember-Januar 2016

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Im Tod das Leben: Die Essenz der Nahtoderfahrung

Nahtod 62Was erleben Menschen, die eine Nahtoderfahrung durchmachen? Wie empfinden sie das Jenseits, und welche Erkenntnisse bringen sie von dort zurück? Verändert sich ihr Leben? Und falls ja: in welche Richtung? Anhand tausender Erlebnisberichte von Nahtoderfahrenen erklärt P. M. H. Atwater, was Sterben und Tod eigentlich bedeuten – und warum sie wichtig sind, um das Leben und das Menschsein zu verstehen und wertzuschätzen.

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Die Welt ist voll von Menschen,

die seit ihrer Kindheit

einer offenen Tür nicht mehr

mit offenem Verstand

begegnet sind.

E. B. White

Das Wunder, lebendig zu sein, strahlt ein ganz eigenes Licht aus, das uns daran gemahnt, dass das ganz normale Alltagsleben unsere Ausgangsbasis ist, unsere Anzeigetafel, auf der alle Gewinne und Verluste verzeichnet sind – auf der wir sehen können, was wir aus dem Leben machen, das uns geschenkt wurde.

Nahtoderfahrungen führen uns zu dieser Ausgangsbasis zurück: Atem, Bewegung, Sehen und Hören, gesprochene Wörter und flüchtige Gedanken, Entscheidungen, Gelübde, Beziehungen, Versprechen, Berührung, Tränen, Gefühle, Träume.

Das Leben hat einen Wert. Das Leben hat einen Grund. Das Leben hat einen Zweck.

Die Ankunft im Mutterleib, wenn man die direkte Wahrheit des Begriffs „Mutter“ hört und spürt; die Geburt in eine luftige Welt, die uns zum Lernen befähigt; die Entwicklung der „Muskeln“, der Fähigkeiten und Kenntnisse, die zeigen, dass es einen Stundenplan gibt, einen Stundenplan, der anderswo für uns „ausgewählt“ wurde – all diese Phasen und Ereignisse sind bedeutender, als wir es uns vorstellen können. Wohin wir im Leben gelangen, das hängt davon ab, wo wir abbiegen oder wo wir zum Abbiegen veranlasst werden, von unseren Entscheidungen oder Nichtentscheidungen. Seltsamerweise ist das Wie des Lebens der Faktor, der diesen Stundenplan bereichert oder vernachlässigt. Aber es dreht sich immer um den Stundenplan. Ob wir ihn nun kennen oder nicht: Unser Beruf, unsere Aufgabe, der Grund für unsere Geburt sind Teil eines unendlich weitläufigen Feldes an Möglichkeiten, an Potenzialen – ein schillerndes Bewusstsein, das uns gleichzeitig enthält und transzendiert. Dieser Stundenplan hat uns auf die Erde gebracht, in diese „Schule“, die wir alle besuchen.

Die Fragen, die Nahtoderfahrenen auf der Anderen Seite am häufigsten gestellt werden, sind diese: Wem hast du geholfen? Wem hast du gedient?

Was soll man darauf antworten? Einfach die Namen von ein paar Menschen nennen, die einem sehr nahestehen? Oder von den Leuten, mit denen man gern zusammen ist? Ein freundlicher Nachbar? Passanten? Der Typ, der dich ausgeraubt hat? Die Oma? Deine Kinder? Menschen, die du hasst? Spielen solche Fragen wirklich eine Rolle, wenn man tot ist? Geht es tatsächlich darum, dass jeder jeden lieb haben soll?

Es kommt nur selten vor, dass im Jenseits ein Urteil gefällt wird. In dieser Phase steht man sich selbst gegenüber, betrachtet sich mit den weit geöffneten „Augen“ der Seele. Ja, es geht um Liebe, nicht nur auf dieser, sondern auch auf der Anderen Seite.

Wer vom Tod oder einem Nahtoderlebnis zurückkehrt, dem strömt ein neues Gebot durch die Adern, im Einklang mit dem Herzschlag: Liebet einander! Nahtoderfahrene jeglicher Couleur, unabhängig von Muttersprache, Kultur, Religion und Mentalität, stellen fest, dass sie sich plötzlich so verhalten, als ginge es im Leben ausschließlich um Liebe. Auch in Ländern, die keinen Begriff für das haben, was wir „Liebe“ nennen, oder die dieses Konzept nicht verstehen, werden jene Menschen mitfühlender, einfühlsamer und altruistischer. Entweder teilt man uns während dieser Erfahrung mit, dass wir anderen gegenüber hilfsbereiter sein sollen, oder es ist eine natürliche Entwicklung in diese Richtung – jedenfalls wird der selbstlose Dienst am Nächsten danach zu einem normalen Teil des Alltags.

Wiedergeboren. Wahrscheinlich trifft dieser Ausdruck am ehesten zu. Nicht wegen irgendeines religiösen Diktums oder eines Glaubensrituals, sondern wiedergeboren im wahrsten Sinne des Wortes. Die meisten Nahtoderfahrenen sind davon überzeugt, dass sie eine zweite Chance erhalten haben, und diese Chance manifestiert sich dann in einer neuen Sicht auf die Welt, die uns auf einmal viel lebenswerter erscheint.

Ist Ihnen aufgefallen, dass sich Nahtoderfahrene ausnahmslos zu nachhaltigen Maßnahmen hingezogen fühlen? Das kann vom biologischen Gartenbau über eine Ernährungsweise mit viel Gemüse und wenig Fleisch bis hin zu naturnaher Architektur wie geodätischen Kuppeln reichen; von Umweltschutz über personalisierte oder Alternativmedizin bis hin zu innovativem Design und Kreativität; von neuen Geschäftsmethoden, die das Führungspotenzial von Männern und Frauen gleichermaßen zu schätzen wissen, bis hin zum Einsatz für den universellen Zugang zu Bildungseinrichtungen; vom Tauschhandel über das Eintreten für faire Steuergesetze bis hin zu demokratischen Diskussionen und Wahlverfahren; von verantwortlichem Handeln über das Engagement für Kirchen als Bet- und Fürsorgegemeinschaften bis hin zum Kampf gegen religiöse Intoleranz und den Mord an „Ungläubigen“. Die Mehrheit der Nahtoderfahrenen verkraftet Dinge wie sexuelle Ausbeutung, Gier, Drogenexzesse und Machtspielchen nicht mehr. Sie lassen sich nicht mehr durch Gehaltsschecks motivieren, sondern tendieren eher zu ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Man merkt Nahtoderfahrenen schon im Gespräch an, wie die Wiederentdeckung solcher Lebenseinstellungen sie neu belebt: Was repariert und in Ordnung gebracht werden muss, geht man frischen Mutes an; wer Liebe braucht, den liebt man einfach. Die betreffenden Menschen entwickeln ein feines Gespür für Selbstverwaltung, Selbstmotivation und Selbstkontrolle. Der durchschnittliche Nahtoderfahrene setzt auf Zusammenarbeit, um seinen Teil zur Gruppenenergie beizutragen. Die Verbundenheit zwischen Menschen erhält nach und nach mehr Bedeutung als der Drang, sich irgendeine Karriereleiter hinaufzurempeln.

Das klingt doch gut, oder? Und das ist es auch – zumindest so lange, bis man in den Spiegel schaut und darin das eigene Gesicht wahrnimmt. Wenn nämlich Nahtoderfahrene anfangen, neu zu denken und zu handeln, neu zu lernen und sich neu zu definieren, taucht immer wieder eine quälende Frage auf: Wozu brauche ich überhaupt einen Körper? Ich bin doch ein göttliches Wesen, ein unsterbliches Wesen, wie es heißt. Dennoch muss man dem Gesicht im Spiegel genauso viel Aufmerksamkeit widmen.

Als ich selbst mit dieser Diskrepanz konfrontiert wurde, sah ich das Selbst, in dem meine Seele wohnte, mit neuen Augen. Es ist ein Kollektiv aus allen möglichen Organen, Zellen, Gefäßen, Knochen und Blutkörperchen, in dem jedes mikroskopische Teilchen Intelligenz besitzt, zu Erinnerungsvermögen und Bewusstsein fähig ist. Dieses Kollektiv bildet den Körper, den ich da im Spiegel sehe. Es beeinflusst alles, was ich fühlen, berühren und verstehen kann, und wird von einem Gehirn gesteuert, das wie eine Leiterplatte funktioniert. Angetrieben wird das ganze System durch Essen, Trinken, Luft, Gedanken und Gefühle. Die wahre Energie kommt aber von dem höheren Atem, der die gesamte Schöpfung – und nicht nur mich – mit pulsierender Lebendigkeit erfüllt.

Kommentare

09. Dezember 2015, 13:52 Uhr, permalink

Buntes Papier

Das ist ein sehr schöner Artikel.

Anhand dieser Informationen können wir doch viel besser verstehen, was wir einem Menschen antun, den wir umbringen. Wir sollten jetzt viel besser verstehen können, welch ein Grauen die Kriege über die Menschen bringen.

Wir sollten uns gegenseitig helfen, geistig, spirituell zu wachsen und zu erblühen. Aber genau das müssen wir erst lernen zu kapieren. Viele Menschen sehen diese Zusammenhänge nicht und wollen sie sogar oft nicht sehen.

Erzwingen kann man dieses Verstehen nicht.
Das Verstehen muß bei jedem Menschen aus seinem eigenen Inneren heraus zu wachsen anfangen.

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