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Insektensterben nimmt bedrohliche Ausmaße an

InsektEs ist zwar leider nichts Neues, dass der Insektenbestand weltweit zurückgeht, doch innerhalb der letzten Jahre hat diese Entwicklung eine immense Beschleunigung erfahren. Das mag manche Menschen, die Ekel bzw. Angst vor „Krabbeltieren“ empfinden, mit Freude erfüllen. Unabhängig von ihrer aus der Naturethik ableitbaren Existenzberechtigung spielen Insekten aber eine immens wichtige Rolle in nahezu allen Ökosystemen:

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Sie tragen zur Humusbildung bei, halten durch ihr Fressverhalten sowohl die Bestände wuchernder Pflanzen als auch von Kleinsttieren in Grenzen, werden als Bestandteil der Nahrungskette selbst von verschiedensten Tieren (und Pflanzen) gefressen und sind für die Bestäubung vieler heimischer Pflanzenarten zuständig.

Manche dieser Pflanzen werden aufgrund ihres Blütenbaus sogar nur durch bestimmte Insektenarten bestäubt. Außerdem können staatenbildende Insekten als Gesamtorganismen betrachtet werden, die teilweise beachtliche Schwarmintelligenz an den Tag legen. Darüber hinaus liefern Insekten Seide, Honig und Grundstoffe für Medikamente und Lebensmittel und werden zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt.

Den Insekten wird zum Verhängnis, dass sie mit den Menschen um die Früchte ihrer Arbeit auf Feldern und Plantagen konkurrieren. Seit Langem werden Insekten deshalb als Schädlinge bekämpft, seit der „grünen Revolution“ mittels Gentechnikprodukten und chemischen Giften, die bezeichnenderweise Pestizide genannt werden (lat. pestis = Geißel, Seuche und lat. caedere = töten).

Hört man auf die Meinung von Experten, sind wir damit beim Kernproblem des Insektensterbens angelangt. Gemäß einer bereits vor einigen Jahren von Greenpeace veranlassten Untersuchung sind sieben Pestizide besonders für Bienen gefährlich, nämlich Clothianidin, Chlorpyrifos, Cypermethrin, Deltamethrin, Fipronil, Imidacloprid und Thiamethoxam. (Drei davon gehören zu den als hochgiftig eingeschätzten Neonicotinoiden, die aufgrund ihrer Wirkung als Nervengifte äußerst umstritten sind.) Greenpeace drängt seit Langem darauf, solche Pestizide für den Einsatz in der Landwirtschaft gänzlich zu verbieten, vor allem seit bekannt wurde, dass neben einigen Neonicotinoiden auch Glyphosat für Menschen sehr gefährlich werden kann. Kürzlich wurde dies in einer Untersuchung von 14 bekannten Biersorten durch das Münchner Umweltinstitut bestätigt – in allen Proben wurde Glyphosat gefunden, und zwar mitunter in einer Konzentration, die fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser liegt.

Neonicotinoide können bei Bienen zu Missbildungen führen, ihren Orientierungssinn empfindlich stören und ihr Lernverhalten beeinträchtigen.

In Nordrhein-Westfalen sind die Bestände von Bienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen seit dem Jahr 2000 um ca. 80 Prozent zurückgegangen. Während die Ursachen des Insektensterbens kontrovers diskutiert werden, liegen dessen Folgen auf der Hand: Etliche Vogelarten wie Schwalben und Mauersegler finden keine Beute mehr und viele heimische (Nutz-)Pflanzen können nicht mehr bestäubt werden; es drohen Ernteausfälle. Darum fordert der deutsche Naturschutzbund NABU eine möglichst schnelle Klärung der Ursachen.

In Frage kommen laut Experten neben der bereits erwähnten Intensiv-Landwirtschaft der stetig zunehmende Verkehr und die damit in Zusammenhang stehende Landschaftszersiedelung – die Distanzen zwischen Naturschutzgebieten sind für die Tiere zunehmend unüberbrückbar. Den Klimawandel, der als Erklärung für alles Mögliche herhalten muss, etwa für besonders warme oder frostige Winter,könne man als Ursache dagegen ausschließen.

Abgesehen von einer kritischen Überprüfung diverser Pestizide verlangt der NABU die bundesweite und dauerhafte Einführung eines Insektenmonitorings.

Doch nicht nur die Politik sollte endlich handeln, auch der Bürger ist gefragt – wie in vielen anderen Bereichen entpuppt sich der Satz „Ich kann doch ohnehin nichts dagegen tun“ als pure Schutzbehauptung. Landwirte etwa können Wildblumen zwischen ihre Felder pflanzen und vermehrt zu natürlichen Pestiziden greifen, während Imker ihren Kolonien eine bessere Gesundheitsprophylaxe angedeihen lassen können. (Interessanterweise schützt Nikotin Bienen vor Parasiten und Infektionen.) Balkon- und Gartenbesitzer können durch Verzicht auf Pestizide zum Erhalt von Insekten beitragen. Ebenso durch Nisthilfen wie Insektenhotels, allerdings ist diese Variante nur sinnvoll, wenn der eigene Garten in puncto Biodiversität beispielhaft ist. Wenn man zulässt, dass sich auch Spinnen, Wespen oder Hornissen auf dem eigenen Grundstück ansiedeln, braucht man sich keinerlei Sorgen über eine mögliche Belästigung durch Fliegen und Mücken zu machen.

Quellen: DerWesten.de, 07.10.2015, http://bit.ly/GN-Insekt-1; Nabu.de, 13.01.2016, http://bit.ly/GN-Insekt-2; Taz.de, 09.04.2013, http://bit.ly/GN-Insekt-3

Kommentare

16. Juli 2017, 18:38 Uhr, permalink

Eva Dust

Ja das ist sehr dramatisch und viele haben das ganze Ausmaß noch nicht erkannt. Ich beschäftige mich seit ca. 2 Jahren mit Wildbienensterben und Fluginsektensterben und habe dazu eine eigene Webseite erstellt- www.beeleaks.eu. Durch intensives Lesen, Recherchieren und mailen und nachdenken bin ich auf zwei mögliche weitere Faktoren gestoßen, die mit zum Fluginsektensterben beitragen könnten, wo es offensichtlich international noch keine Forschung zu gibt. Einmal sind es die militärisch genutzten VLF Wellen zusammen mit den Mobilfunkwellen und dann sind es Medikamentenrückstände in Pflanzen, insbesondere die Hormone der Antibabypille. Man weiß nie was man nicht weiß....also sich selber ein Bild machen...mir hat ein russischer Wissenschafter geschrieben, dass in großen Gebieten in Russland die Bienen genauso sterben und dort sind gar keine Pestizide im Einsatz.....

04. August 2017, 11:17 Uhr, permalink

Jürgen L.

Auch ich kann das Insektensterben bestätigen. Auffällig ist z.B. das wesentlich weniger Insekten auf der Windschutzscheibe zu finden sind. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern wo man regelmäßig die Windschutzscheibe reinigen mußte. Auch in der Nacht fliegen wesentlich weniger Nachtfalter durch die offene Wohnungsfenster. Ausserdem finde ich in Altenberge kaum noch Schmetterlinge. Vielleicht schaffen wir Menschen es ja innerhalb der nächsten 50 Jahre das wir uns selber den Ast auf dem wir leben absägen.
Ich glaube die Erde wäre froh wenn Sie uns als Parasiten bald los wird.

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