Mandel- und Polypen­entfernung führt zu erhöhtem Krankheitsrisiko

maDie Anzahl der Tonsillektomien und Adenotomien ist weltweit in den letzten paar Jahrzehnten zurückgegangen; dennoch gehören diese Operationen zu den häufigsten an Kindern durchgeführten. Eine im Juni 2018 veröffentlichte Studie an mehr als einer Million dänischer Kinder hat nun ein schlagendes Argument gegen die allzu leichtfertige Verschreibung dieser Eingriffe geliefert.

Für die erste Studie über die Langzeitfolgen von Mandeloperationen überprüften Forscher von der australischen Universität Melbourne und der dänischen Universität Kopenhagen die Gesundheitsdaten von 1,2 Millionen Kindern aus den Jahren 1979 bis 1999. Dabei stellten sie fest, dass nach Tonsillektomien das Risiko für die Entwicklung diverser Erkrankungen der oberen Atemwege – unter anderem Asthma, Influenza, Lungenentzündung, chronische Bronchitis und Emphysem – fast dreimal so hoch ist wie ohne die Operation. Wurden dazu auch noch die Polypen entfernt, so erhöhte sich das Risiko für Allergien, Innenohrentzündungen und Nebenhöhlenentzündungen um mehr als das Vierfache.

Die Forscher gestehen zwar ein, dass eine Mandeloperation kurzfristig die Häufigkeit von HNO-(Hals-Nasen-Ohren-)Erkrankungen und den damit zusammenhängenden Beschwerden senkt, doch ihre Beobachtung der langfristigen Entwicklung hat ergeben, dass diese Vorteile nur von kurzer Dauer sind. Die Eingriffe bewirken auf lange Sicht keine Verminderung bei Atembeschwerden und chronischen Nebenhöhlenentzündungen – zwei der verbreitetsten Ursachen für eine Tonsillektomie. Im Gegenteil, das Risiko für diese Erkrankungen ist danach entweder deutlich erhöht oder unterscheidet sich nicht erheblich von dem für Kinder ohne Mandel- oder Polypenoperationen.

Erschreckend ist jedoch, dass davon unabhängige gesundheitliche Probleme wie bestimmte Hautkrankheiten, Augen- und parasitäre Infektionen bei Erwachsenen, die eine der beiden Operationen hinter sich haben, um 78 Prozent häufiger vorkommen als bei Menschen, bei denen die Mandeln nicht entfernt wurden. Die im Journal of the American Medical Association Otolaryngology Head and Neck Surgery veröffentlichten Studienergebnisse haben Wissenschaftler dazu veranlasst, eine neue Evaluierung der zu häufig verordneten Operation zu fordern. Die Auswirkungen einer Mandel- und/oder Polypenentfernung auf den künftigen Gesundheitszustand wurden als „erheblich“ bezeichnet.

Quelle: GreenMedInfo.com, 07.07.18, http://tinyurl.com/yckmh6sa

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