UN-Bericht prognostiziert Ende des Bevölkerungswachstums

gn-bevölkerungGegen Ende des laufenden Jahrhunderts wird die Weltbevölkerung wahrscheinlich zum ersten Mal in der neueren Geschichte zu wachsen aufhören. Der Grund dafür sind – laut einer vom Pew Research Center durchgeführten Analyse von Daten der Vereinten Nationen – die weltweit sinkenden Geburtenraten.

Im Jahr 2100 wird die Weltbevölkerung voraussichtlich 10,9 Milliarden Menschen betragen, mit einem jährlichen Wachstum von 0,1 Prozent, also einem starken Rückgang gegenüber der derzeitigen Wachstumsrate. Zwischen 1950 und heute wuchs die Weltbevölkerung um ein bis zwei Prozent jährlich; die Anzahl der Menschen stieg von 2,5 auf mehr als 7,7 Milliarden.

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Indien soll bis 2027 China als bevölkerungsreichstes Land der Welt überholen. (Foto: Simply CVR; Flickr.com)

Im Folgenden finden Sie elf Kernpunkte des UN-Berichts „World Population Prospects 2019“:

  • Die weltweite Fertilitätsrate wird voraussichtlich von heute 2,5 auf 1,9 Geburten pro Frau sinken. Etwa 2070 soll sie unter das sogenannte Ersatzniveau der Fertilität (2,1 Geburten pro Frau) sinken. Dieses Ersatzniveau der Fertilität bezeichnet die Anzahl der Geburten, die notwendig sind, um eine Population konstant zu halten.
  • Das weltweite Durchschnittsalter wird im Jahr 2100 auf 42 Jahre steigen, also um einiges höher sein als die derzeitigen 31 Jahre oder die 24 Jahre im Jahr 1950. Zwischen 2020 und 2100 soll die Anzahl der Personen im Alter von 80 Jahren und darüber von 146 auf 881 Millionen steigen. Ab 2073 wird die Anzahl der Menschen im Alter von 65 Jahren und darüber erstmals größer sein als die der unter 15-jährigen. Zu den Faktoren, die beim Ansteigen des Durchschnittsalters eine Rolle spielen, gehören die steigende Lebenserwartung und die sinkende Fertilitätsrate.
  • Afrika ist weltweit die einzige Region, die den Vorhersagen nach auch im Rest dieses Jahrhunderts ein starkes Bevölkerungswachstum erleben wird. Zwischen 2020 und 2100 soll die Bevölkerungszahl Afrikas von 1,3 auf 4,3 Milliarden Menschen anwachsen. Laut Prognosen wird ein Großteil dieses Wachstums in Subsahara-Afrika stattfinden, dessen Bevölkerung sich bis zum Jahr 2100 mehr als verdreifachen soll. Ebenfalls sollen die Regionen, zu denen die Vereinigten Staaten und Kanada (Nordamerika) sowie Australien und Neuseeland (Ozeanien) gehören, bis zum Ende des Jahrhunderts ein Bevölkerungswachstum erleben, wenn auch in geringerem Ausmaß als Afrika.
  • Europa und Lateinamerika werden bis 2100 voraussichtlich einen Bevölkerungsrückgang erleben. Die Bevölkerungszahl Europas wird den Berechnungen nach ihren Höhepunkt bereits 2021 mit 748 Millionen Menschen erreichen. Die Region Lateinamerika und Karibik soll Europa in Sachen Bevölkerung im Jahr 2037 überholen, bevor auch sie mit 768 Millionen Menschen ihre Höchstzahl erreicht – im Jahr 2058.
  • Die Bevölkerungszahl Asiens wird voraussichtlich von 4,6 Milliarden Menschen im Jahr 2020 auf 5,3 Milliarden Menschen im Jahr 2055 steigen und dann zurückgehen. Die Bevölkerungszahl Chinas erreicht ihren Spitzenwert laut Prognose 2031, während in Japan und Südkorea die Bevölkerung ab 2020 einen Rückgang verzeichnen wird. Die Bevölkerung Indiens soll bis 2059 auf einen Höchstwert von 1,7 Milliarden Menschen anwachsen; die Indonesiens – des bevölkerungsreichsten Landes in Südostasien – erreicht ihren Höchstwert erst 2067.
  • In der Region Nordamerika wird die Einwanderung aus dem Rest der Welt der UN-Prognose zufolge der Hauptantriebsmotor für ein weiteres Bevölkerungswachstum sein. Die Zahl der Einwanderer soll in den kommenden 80 Jahren (2020 bis 2100) einen Nettozuwachs von 85 Millionen Menschen erleben; das entspricht ungefähr der Gesamtanzahl der Migranten in den nächsten neun Staaten auf der Liste der Einwanderungsländer. Auch in Kanada soll die Migration einer der wichtigsten Wachstumsmotoren sein, da auch dort die Anzahl der Todesfälle die der Geburten übersteigen wird.

wachstum

  • Sechs Länder werden laut dem Bericht für mehr als die Hälfte des weltweiten Bevölkerungswachstums verantwortlich sein; fünf davon liegen in Afrika. Die Weltbevölkerung soll sich zwischen 2020 und 2100 um etwa 3,1 Milliarden Menschen vergrößern. Mehr als die Hälfte dieser Zunahme wird voraussichtlich aus Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, Tansania, Äthiopien und Angola und einem nicht afrikanischen Land (Pakistan) kommen. Fünf afrikanische Länder werden im Jahr 2100 zu den zehn bevölkerungsreichsten Ländern der Erde zählen.
  • Indien wird voraussichtlich 2027 China als bevölkerungsreichstes Land der Welt überholen. Nigeria wiederum wird laut Prognose die USA 2047 als drittbevölkerungsreichstes Land der Welt überholen.

fertilität

  • Zwischen 2020 und 2100 wird es in 90 Ländern zu einem Bevölkerungsrückgang kommen. Zwei Drittel aller Länder und Territorien in Europa (32 von 48) werden bis 2100 davon betroffen sein. In Lateinamerika und der Karibik werden die Bevölkerungszahlen in der Hälfte der 50 Länder der Region zurückgehen. Zwischen 1950 und 2020 war im Gegensatz dazu nur in sechs Ländern der Erde ein Bevölkerungsrückgang festzustellen, weil in dieser Zeit die Fertilitätsrate wesentlich höher und das Durchschnittsalter der Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten geringer war.
  • Die Geburtenrate in Afrika wird voraussichtlich bis zum Jahr 2060 die in Asien überholen. 2100 wird die Hälfte aller weltweit geborenen Kinder in Afrika zur Welt kommen – heute sind es noch drei von zehn. In Nigeria soll es zwischen 2020 und 2100 insgesamt 864 Millionen Geburten geben, mehr als in allen anderen afrikanischen Ländern. 2070 wird die Anzahl der Geburten in Nigeria voraussichtlich die in China übersteigen.
    Zur selben Zeit soll mit Ende des Jahrhunderts etwa ein Drittel der weltweit geborenen Kinder in Asien zur Welt kommen – heute ist es noch etwa die Hälfte; der Spitzenwert wurde in den Jahren 1965 bis 1970 mit 65 Prozent erreicht.
  • Die Region Lateinamerika und Karibik wird 2100 voraussichtlich die älteste Bevölkerung aller Weltregionen haben und damit eine Umkehrung der Situation im 20. Jahrhundert erleben. 1950 betrug das Durchschnittsalter der Region nur 20 Jahre, bis 2100 soll es sich auf 49 Jahre mehr als verdoppeln.
    Diese Tendenz ist offensichtlich, wenn man sich einzelne Länder der Region ansieht. Im Jahr 2020 wird das Durchschnittsalter in Brasilien (33), Argentinien (32) und Mexiko (29) voraussichtlich unter dem in den USA (38) liegen. Bis 2100 wird für diese drei lateinamerikanischen Länder jedoch ein höherer Altersdurchschnitt vorhergesagt als für die USA: 51 Jahre in Brasilien, 49 Jahre in Mexiko und 47 Jahre in Argentinien – verglichen mit 45 Jahren in den USA. In Kolumbien wird der Wandel besonders deutlich sein; dort soll sich das Durchschnittsalter zwischen 1965 und 2100 mehr als verdreifachen, nämlich von 16 auf 52 Jahre.

Quelle: PewResearch.org, 17.06.19, https://tinyurl.com/y4yejruq

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