USA wenden sich gegen das Stillen

stEigentlich hatten alle Anwesenden auf der Weltgesundheitsversammlung der WHO damit gerechnet, dass ihre Resolution zur Förderung des Stillens schnell und mühelos verabschiedet werden würde. Umso mehr staunten Hunderte Regierungsvertreter diesen Frühling in Genf über die Reaktion der amerikanischen Delegation.In der Resolution, die auf Jahrzehnten wissenschaftlicher Forschung aufbaute, wurde festgehalten, dass Muttermilch für Säuglinge die gesündeste Nahrung ist und die Länder sich daher bemühen sollten, die unzutreffende oder irreführende Vermarktung von Muttermilchersatz einzuschränken.

Die US-Delegation setzte sich jedoch für die Interessen der Hersteller von Säuglingsanfangsnahrung ein und versuchte die Resolution abzuschwächen. Aus dem Text sollte die Formulierung entfernt werden, dass die Regierungen aufgerufen seien, „das Stillen zu schützen, zu fördern und zu unterstützen“, ebenso wie eine weitere Passage, die Entscheidungsträger dazu aufforderte, die Bewerbung von Nahrungsmitteln einzuschränken, die nach Meinung vieler Fachleute schädliche Auswirkungen auf Kleinkinder haben können.

Als diese Einwände abgelehnt wurden, griffen die Amerikaner laut anwesenden Diplomaten und Regierungsbeamten zu anderen Mitteln. Ecuador, das die Maßnahme einzuführen beabsichtigte, geriet als erstes Land ins Schussfeld – mit einer ziemlich unverblümten Drohung: Sollte Ecuador die Resolution nicht fallen lassen, dann würde Washington das Land mit Einschränkungen im Handelsverkehr und einer Einstellung der militärischen Hilfe bestrafen. Die ecuadorianische Regierung gab daraufhin sehr schnell nach.

Mehr als ein Dutzend Teilnehmer der Versammlung, die aus verschiedenen Ländern stammen, berichteten über diesen Vorfall, wollten aber anonym bleiben, weil sie Vergeltungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten fürchteten. Gesundheitsorganisationen bemühten sich, einen neuen Befürworter für den Resolutionsentwurf zu finden, doch mindestens zwölf Länder – vor allem ärmere Nationen aus Afrika und Lateinamerika – zogen ihre Unterstützung zurück, weil sie ebenfalls Angst vor entsprechenden Maßnahmen hatten. Das behaupten zumindest Funktionäre aus Uruguay, Mexiko und den USA.

Im Endeffekt blieben die Bemühungen der Amerikaner aber großteils erfolglos, weil schließlich die Russen einsprangen und sich für die Einführung der Maßnahme einsetzten. Und gegen Moskau sprachen die Vereinigten Staaten keine Drohung aus.

Dass die amerikanischen Behörden mit solcher Vehemenz gegen die Resolution über das Stillen eintraten, erstaunte sowohl Vertreter von Gesundheitsbehörden als auch Diplomaten aus anderen Ländern. Laut einer Studie, die 2016 in der Zeitschrift Lancet erschien, würde weltweites Stillen 800.000 Kindstode im Jahr verhindern, eine Kostenersparnis von 300 Milliarden US-Dollar im Gesundheitswesen bringen sowie den Menschen, die mit Muttermilch aufgezogen wurden, bessere wirtschaftliche Chancen verschaffen.

Quelle: BrisbaneTimes.com.au, 09.07.18, http://tinyurl.com/y7hrr7l9

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